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Adelebsen Adelebsen: Ende eines Galeriebetriebes
Die Region Adelebsen Adelebsen: Ende eines Galeriebetriebes
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08:00 02.11.2019
Beate Birkigt-Quentin und Günther Quentin während der Vernissage. Das Ehepaar gibt den Betrieb seiner Räume als Galerie auf. Quelle: Meinhard
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Erbsen

Im Studio Wasserscheune im Adelebser Ortsteil Erbsen ist jetzt eine Ausstellung mit Werken von Beate Birkigt-Quentin eröffnet worden. Unter dem Motto „Displacement“ werden Bilder gezeigt, die den Klimawandel und die damit in Verbindung stehende Veränderung der Erdoberfläche zum Thema haben. Die Künstlerin, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Günther Quentin die Galerie betreibt, verkündete den Gästen der Vernissage, dass es sich um die letzte Ausstellungseröffnung handele. Zum Jahresende soll nach 20 Jahren der Galeriebetrieb aufgegeben werden. Die Räumlichkeiten sollen dann für Veranstaltungen vermietet werden. „Ein bisschen Wehmut ist schon dabei“, räumte Beate Birkigt-Quentin ein.

Die spürte auch ihr Ehemann. Gerührt und mit Tränen in den Augen hielt er die Laudatio für seine bessere Hälfte. Er blickte auf die vergangenen 20 Jahre zurück und sprach bezüglich der Wasserscheune von einem „Raum für Kreativität und Entspannung, für Natur und Kunst im gegenseitigen Austausch“. Jedoch habe jede Zeit ein Ende. An das Publikum gewandt sagte Quentin: „Danke für die Unterstützung.“ Er nahm aber auch den Begriff „politische Ignoranz“ in den Mund und bezog sich damit unter anderem auf die, wie das Ehepaar es empfindet, geringe Unterstützung ihres Projektes durch die politisch Verantwortlichen in Adelebsen.

„Alles stimmt – aber nichts trifft zu“

Auf den Titel der Exposition eingehend, sagte Quentin, dass er 75 Bedeutungen für das Wort „Displacement“ gefunden habe. Wie etwa Verdrängung, Verschiebung, Verrückung, Ablösung und Entfesselung. „Alles stimmt – aber nichts trifft zu“, sagte er. In der Auseinandersetzung mit dem Planeten Erde und dem Umgang der Menschen mit ihm haben sich für seine Ehefrau als Künstlerin im Laufe der Jahre immer wieder neue Bilder für Darstellungen ergeben – jetzt verbunden mit dem Aufruf zur Rettung der Erde. „Immer verändert sich etwas. Irgendwann ist nichts mehr, wie es einmal war. Ein Prozess, der sich ständig vollzieht“, hielt der Laudator fest.

Auenlandschaft heißt dieses Bild von Beate Birkigt-Quentin. Quelle: Meinhard

Wohin es fließt – ist ungewiss

Mit der „Erdmalerei“ habe sich Beate Birkigt-Quentin auf äußere Gegebenheiten wie Hitze, Kälte, Kargheit und Vulkanismus eingelassen und sie in ihren Bilder umgesetzt. Mit einer neuen Serie habe sie sich auf die zu beobachtende Tatsache der Versteppung von Landstrichen eingelassen. „Es ist also das, was wir nicht mehr in der Hand haben“, sagte Quentin. In der Tat haben die Bilder der Ausstellung (mit Titeln wie Transformation, Eruption, Impression) etwas mit Erde zu tun, mit Wasser auch mit Hilfe von Farben; sie bilden künstlerisch Landschaften ab und bestehen selbst aus handfesten Erdmaterialien, die quasi als Grundierung fungieren. Die Bilder können bedrohlich wirken, weil sich Wasser bekanntlich nicht aufhalten lässt. Sie haben aber auch Schönheit, so wie Wasser und die sich verändernden Farben des Wassers im Wechselspiel von Tages- und Jahreszeiten Schönheit haben. In den neuen Bildern von Birkigt-Quentin fließt es. Wohin und was es wird – ist ungewiss.

Heidi Müller-Heibert umrahmte die Vernissage musikalisch mit ihren poetischen Liedern. Quelle: Meinhard

„Vielen Dank für den wunderbaren Ort“

Die musikalische Begleitung der Vernissage übernahm Heidi Müller-Heibert. Auf der Gitarre begleitete sie selbst geschriebene Lieder mit poetischen, sprachlich ausgefeilten Texten, in denen es um die Fragilität alles Lebendigen geht, um Sehnsucht, um die Fragen nach dem Dahinter. „Ich habe Angst vor Fäusten, die nie Hände sind“, heißt es etwa. Müller-Heibert arbeitet auch als darstellende Künstlerin.

Der erste Eintrag im Gästebuch des Hauses lautete am Tag der Vernissage: „Vielen Dank für den wunderbaren Ort.“

Über einen Bach zur Scheune

Die alte Wasserscheune in Erbsen ist in traditioneller Bauweise des Sollings erbaut worden: mit durchgehendem Ständerwerk über zwei Geschosse. Sie war einst ein Hochzeitsgeschenk. Später erfolgte eine Umsetzung auf ein anderes Grundstück und eine Erweiterung als Ergänzung eines Dreiseitenhofes. Eine nachfolgende Generation nutzte die Scheune und die gesamte Hofanlage nur sehr extensiv. Das Wohnhaus war dem langsamen Verfall preisgegeben, die Scheune diente als Abstellort für landwirtschaftliche Fahrzeuge. Günther Quentin erweckte die einzelnen Gebäude nach und nach zu neuem Leben. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Beate gründete er ein Büro für Landschaftsplanung, das zu den größten seiner Art in Niedersachsen gehörte – das Ehepaar ist jetzt im Ruhestand. Die Scheune wurde für Ausstellungen genutzt, aber auch für Veranstaltungen wie Konzerte und Lesungen. Ab kommenden Jahr können die Räumlichkeiten von externen Veranstaltern gemietet werden. Weil das Bauwerk vor 200 Jahren nur über einen Bach zu erreichen war, etablierte sich der Name Wasserscheune. (Quelle: Vision und Geschichte Wasserscheune)

 

 

 

Von Ulrich Meinhard

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