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Adelebsen Ehemalige Schüler aus Adelebsen für Dokumentarfilm gecastet
Die Region Adelebsen Ehemalige Schüler aus Adelebsen für Dokumentarfilm gecastet
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10:00 15.01.2020
Der Fotograf und Filmemacher Alexander Hühne beim Zeitzeugen-Casting im ehemaligen Schulgebäude am Kirchweg Quelle: Mahnkopf
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Adelebsen

Die Crowdfunding-Initiative ist gescheitert, das Projekt nimmt dennoch Fahrt auf: Der Verein für ländliches Alltagsleben, der seit 26 Jahren im ehemaligen Schulgebäude ein Steinarbeiter-Museum betreibt, will mit einem 30 bis 45 Minuten langen Film die Schulgeschichte Adelebsens dokumentieren. Dem Aufruf zum Casting im Museum sind jetzt ein Dutzend Zeitzeugen gefolgt, die das Gebäude noch aus ihrer Schulzeit kennen. Als Glücksgriff bezeichnet Gerhard Elsner vom Museumsverein den Göttinger Filmemacher Alexander Hühne, der den Dokumentarfilm unentgeltlich erstellen will und das Projekt doch noch möglich macht.

Historische Fotos wecken Erinnerungen an längst vergangene Schulzeiten. Quelle: Mahnkopf

Im Kirchweg in Adelebsen scheint die Zeit stillzustehen. Von der engen Straße mit geschlossener Fachwerkzeile unterhalb der Burg führen Stufen zum Museum, das den Basalt-Abbau durch die Klipperer in vormaschineller Zeit dokumentiert. Bis 1957 diente das Fachwerkhaus als Schule – überwiegend als Außenstelle für den Rechenunterricht. „Mit sechs Jahren wurde ich hier eingeliefert“, frotzelt Rüdiger Wagener. Weitere Ex-Schüler, von denen einige als Flüchtlingskinder aus Schlesien nach Adelebsen gekommen sind, erinnern sich an Raumlehre-Stunden, ans „Probesitzen im Erdbunker“ im Kirchgarten, bei Schulausflügen ausgebüxte Jungen, einen alten Apfelbaum, der nicht mehr steht, Eisenkuchen nach dem Unterricht und andere Begebenheiten. Zeitweise gab es eine reine Jungenklasse am Kirchweg, in der Nachkriegszeit Klassen mit bis zu 60 Schülern.

Seit 1994 dient das ehemalige Schulgebäude am Kirchweg als Steinarbeiter-Museum. Quelle: Mahnkopf

Wurzeln in Adelebsen geschlagen

Beim ersten Casting-Termin dabei war auch Gertrud Müller, eine Institution des örtlichen Schullebens. Die 90-Jährige ist 1953 als junge Lehrerin nach Adelebsen gekommen, wurde dann Direktorin und hat auch den Anstoß für die Namensgebung der Heinrich-Christian-Burckhardt Grundschule gegeben. Anfangs sei sie skeptisch gewesen („Es gab noch keine Fernseher, und ich fühlte mich stets durch Gardinen hindurch beobachtet“), habe dann aber doch Wurzeln in Adelebsen geschlagen und es nicht bereut. Bereits mit der Schulhistorie befasst hat sich im Museumsverein Ingrid Brauns. Die 75-Jährige ist 41 Jahre lang Lehrerin in Adelebsen gewesen.

Der Film soll sich aber nicht auf Aussagen von Zeitzeugen beschränken. Die Nachbildung eines alten Klassenraums soll als „Filmstudio“ und Kulisse dienen, erzählte Geschichten von Grundschülern nachgespielt werden. Zum „Aufpeppen“ sollen sowohl historische Fotos und Ortsansichten als auch Luftbilder von einer Drohne eingearbeitet, für den Soundtrack auch der Schulchor der Heinrich-Christian-Burckhardt Grundschule zum Einsatz kommen. Angedacht sind zeittypische Lieder. „Was haben sie damals gesungen?“, fragt Elsner in die Casting-Runde mit Kaffee und Kuchen. Die Anworten kommen prompt: „Im Märzen der Bauer“, Wanderlieder, „Winter ade“, „Ich habe noch alte Liederbücher“. Gesprächsszenen sollen nach dem Zeitzeugen-Casting bei einem weiteren Termin auf einer alten Schulbank nachgedreht werden.

Bei Kaffee und Kuchen tauschen ehemalige Schüler und Lehrer Erinnerungen aus. Quelle: Mahnkopf

Premiere am Museumstag

„Der Film soll auch auf DVD gebrannt werden“, sagt Elsner. Als Ziel nennt er die Erstaufführung zum Saisonstart des Bergarbeiter-Museums am 17. Mai, dem Internationalen Museumstag – „zumindest in Rohfassung“. Elsner selbst lebt erst seit fünf Jahren in Adelebsen, wohnt gegenüber der Burckhardt-Schule und arbeitet in der Forstwissenschaftlichen Versuchsanstalt in Göttingen. Im Lauf der Zeit habe es fünf Schulgebäude in Adelebsen gegeben, darunter die sogenannte Baracke, berichtet er. Das Museumsgebäude sei von 1844 bis 1957 für den Unterricht genutzt worden. „Mit dem Film wollen wir auch die junge Generation und ihre Eltern erreichen“, sagt er: „Und nicht nur die, die sich hierherschleppen.“

Filmemacher rettet Dokumentationsprojekt

Eigentlich sollte der Film zur Schulhistorie in Adelebsen bereits im vergangenen Jahr im Kasten gewesen sein – anlässlich des Schulgebäudebaus am Kirchweg vor 175 Jahren und 25 Jahren Steinarbeiter-Museum. Mit der Punktlandung hat es dann doch nicht geklappt, für das angedachte Crowd-Funding zur Finanzierung war das Thema wohl zu lokal. Jetzt gibt es Nachschlag. Ein Tageblatt-Artikel über das Projekt hat den Göttinger Filmemacher Alexander Hühne auf den Plan gerufen, der ehrenamtlich tätig geworden ist. Hühne ist 1957 nach Göttingen gekommen, um in der damaligen Filmstadt Kameramann zu werden. Auch Adelebsen war damals Drehort, der Bahnhof in „Die spanische Fliege“ (1955), das Schloss in „Mein Mädchen ist ein Postillion“ (1958). Das Schulprojekt ist nicht Hühnes erster Dokumentarfilm mit Regionalbezug. Auch über die Bahnstrecke Göttingen-Bodenfelde, das „Penderhus“ in Esebeck und die Geschichte der Arbeiterwohlfahrt Göttingen hat er schon Filme gedreht.

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Von Kuno Mahnkopf

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