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Adelebsen Schluss nach 45 Jahren: Werner Porde gibt Tätigkeit im Wahlvorstand auf
Die Region Adelebsen Schluss nach 45 Jahren: Werner Porde gibt Tätigkeit im Wahlvorstand auf
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00:22 19.05.2019
Die anstehende Europawahl ist die letzte Wahl, die Werner Porde begleiten wird. Quelle: garben
Erbsen

Als Werner Porde das erste Mal wählen durfte, war er 20 Jahre alt. Damals, 1972, war das Wahlalter gerade von 21 auf 18 Jahre abgesenkt worden, und die Wahlbeteiligung mit 91,1 Prozent die höchste, die jemals bei Bundestagswahlen verzeichnet wurde. Kaum zwei Jahre später wurde Porde Mitglied des Wahlvorstandes in Erbsen und ist ihm 45 Jahre treu geblieben, die vergangenen 30 Jahre als Wahlvorsteher. Nach der Europawahl am 26. Mai hört er auf. „Es reicht.“

Wie genau er zu seinem Amt kam, erinnert Porde nicht mehr. Es müsse jemand von der Gemeinde oder dem Ortsrat auf ihn zugekommen sein. „Früher war es so, dass die Leute es als Ehre aufgefasst haben, für den Wahlvorstand bestimmt zu werden“. Heute sähen es viele eher als lästige Pflicht.

Gemeinsam auf Ergebnisse gewartet

Generell herrsche eine gewisse Politikverdrossenheit, findet der 67-Jährige. Noch vor einigen Jahren hätten sich viele Einwohner in der Kneipe mit dem Wahllokal versammelt, um auf die Ergebnisse zu warten, zuletzt, als sich die freie Wählergemeinschaft Pro Erbsen gegen die geplanten Windräder gestemmt hat. Sogar der NDR, RTL und das Forsa Institut hätten bereits aus dem Erbser Wahllokal berichtet. Aber: „Bei den letzten Wahlen war keiner mehr da.“ Die meisten verfolgten das jetzt online, wodurch alles etwas unpersönlicher geworden sei. Immerhin: Die Wahlbeteiligung in dem kleinen Dorf habe sich über all die Jahre nicht stark verändert.

Als Porde 1974 Mitglied im Wahlvorstand wurde, sei dieser noch eine Altherrenriege gewesen. Mittlerweile sind vier Frauen dabei. „Ich habe auch jüngere Frauen aufgefordert, dass sie mitmachen, das kann man nicht alten Herren überlassen“, sagt er. Schließlich bemühe man sich, den Frauenanteil in der Politik zu erhöhen, „dann hat das gefälligst auch in allen anderen Bereichen zu passieren“. Vielleicht werde der nächste Wahlvorstand ja auch mal von einer Frau geleitet. „Ich fände es gut, wenn es so passiert.“

Nicht wählen ist keine Option

Eine klare politische Meinung haben, das sollte jeder, sagt Porde. „Wer andere nur machen lässt und nicht mal zur Wahl geht, verhindert Schlimmes nicht.“ Schlimmes, das sind für den 67-Jährigen vor allem populistische Parteien, die Menschen durch „plakative Anstrengungen und Fake News“ auf ihre Seite ziehen, ohne dass die begriffen hätten, um was es geht.

Auch mit resignativen Bemerkungen wie es sei doch immer alles dasselbe, kann Porde nichts anfangen. „Nein, ist es nicht, weil wir nicht mehr nur die zwei Volksparteien haben“, insistiert er. Früher habe es mit SPD und CDU noch zwei starke Parteien in Deutschland gegeben, heute beobachte er eine Radikalisierung, weil viele Leute unzufrieden seien. „Obwohl es Deutschland nicht schlecht geht, fühlen sich viele Menschen trotzdem abgehängt.“

Rote Karte für rechts außen

Das macht dem 67-Jährigen auch im Hinblick auf die anstehende Europawahl Sorgen. Die Wahlbeteiligung sei bei dieser Wahl traditionell nicht hoch, aber das könne sich ja dieses Mal ändern – „hoffentlich“, sagt Porde, „zeigen sie denen rechts außen die Rote Karte“.

Dass die Digitalisierung bei Wahlvorgängen Einzug hält, wie es in einigen Ländern schon der Fall ist, davon hält Porde nichts. Per Internet abstimmen? Damit werde Wahlfälschung Tür und Tor geöffnet. Ein Problem, das sich bei Unstimmigkeiten vor Ort leicht lösen lasse: „Stapel raus, nochmal zählen, bis es stimmt“, sagt Porde und klopft mit seinem Zeigefinger auf den Tisch. „Es gibt nichts Besseres, als so wie es ist.“

Von Nora Garben

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