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Bovenden WWM: Ein Ex-Kandidat aus Billingshausen blickt zurück
Die Region Bovenden WWM: Ein Ex-Kandidat aus Billingshausen blickt zurück
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07:48 03.09.2019
Oliver Schaad gewann 2015 bei „Wer wird Millionär?“ immerhin 32 000 Euro. Das Geld investierte er in eine elektrische Kirchenorgel, die Erweiterung seines japanischen Ganzkörper-Tattoos und die Verschönerung seines Hauses. Quelle: r
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Göttingen / Landkreis

Fast vier Jahre ist es her, seit Oliver Schaad aus Billinghausen die Chance seines Lebens bekam: Er hatte gerade die Auswahlrunde bei „Wer wird Millionär?“ erfolgreich überstanden und am schnellsten die obligatorischen vier Antwortmöglichkeiten in die richtige Reihenfolge gebracht – also durfte er auf dem berühmten Stuhl gegenüber von Moderator Günther Jauch Platz nehmen. Alle Augen der „Wer wird Millionär?“-Zuschauer waren nun auf ihn gerichtet; 15 richtige Antworten trennten ihn in diesem Moment vom Hauptgewinn: eine Million Euro.

„Natürlich macht man sich schon Gedanken, welche Fragen wohl als nächstes gekommen wären, und ob ich diese vielleicht hätte beantworten können“, sagt der vierfache Familienvater heute. Mit 32 000 Euro ging er damals nach Hause, bei der 64 000-Euro-Frage wollte er nicht ins Risiko gehen. Gefragt wurde nach der Herkunft der Floskel „Leine ziehen“.

Heute weiß Schaad, dass dieser Begriff aus Zeiten stammt, als Lastkräne vom Ufer aus mit einer Leine gezogen wurden. In der Sendung wusste er das nicht, Joker hatte er nicht mehr übrig – als stieg er aus und nahm die sicheren 32 000 Euro. Der Umstand, dass er erheblich mehr Geld hätte gewinnen können, hat ihn nach der Sendung durchaus beschäftigt: „So nah werde ich der Million wahrscheinlich nie wieder sein, außer ich gewinne vielleicht mal im Lotto“, schmunzelt der Musiklehrer heute.

Blick hinter die Kulissen

In den ersten Wochen nach der TV-Ausstrahlung wurde der damals 37-Jährige immer wieder nach dieser besonderen Erfahrung gefragt, danach ebbte das Interesse etwas ab. Seine Joker seien sogar noch häufiger angesprochen worden als er selbst. Für ihn sei es – ganz abgesehen von dem Geldgewinn – einfach eine sehr spannende Erfahrung gewesen, hinter die Kulissen einer Produktion schauen zu dürfen, die regelmäßig ein Millionenpublikum erreicht und in der inzwischen insgesamt mehr als 115 Millionen Euro gewonnen wurden.

„Auch heute werde ich immer noch auf meine Teilnahme angesprochen“, berichtet Schaad. Und er weiß auch, warum das so ist: „Schüler googeln heute ja auch mal nach ihren Lehrern, und zu den ersten Treffern, die man bei meinem Namen findet, gehört der damalige Tageblatt-Bericht über meine Teilnahme bei ,Wer wird Millionär?’“, erklärt Schaad. Als nervig oder gar lästig empfindet er das „ganz und gar nicht“, wie er sagt: „Wenn mich heute jemand danach fragt, erzähle ich gern noch von damals.“

Nette Atmosphäre, kleines Studio

Zum Beispiel davon, wie er das Studio wahrgenommen hat ( „sehr viel kleiner, als es im Fernsehen aussieht“). Zum Beispiel davon, wie nett die Atmosphäre, die RTL-Mitarbeiter und die anderen Auswahl-Kandidaten waren. Wie sie alle vor der Aufzeichnung auf dem berühmten Stuhl „probesitzen“ durften. Oder auch, dass er beim Technik-Testlauf die Auswahl-Frage nicht hätte beantworten können. An den Wortlaut dieser Probe-Frage kann er sich noch genau erinnern: „Wie belegt man ein Toast Hawaii in der richtigen Reihenfolge?“ – da hätte er gepasst. Mit der tatsächlichen Auswahl-Frage hatte er dann mehr Glück.

„Überhaupt hatte ich schon wirklich Glück, so weit gekommen zu sein“, ist sich Schaad rückblickend sicher. Zwischen der Bewerbung und der finalen Einladung in die Sendung vergingen gerade einmal drei Monate; in der Zwischenzeit gab es unter anderem ein Skype-Telefonat mit der Redaktion.

Alle drei Wünsche erfüllt

Die Bewerbung über ein Online-Formular habe „keine drei Minuten“ gedauert. Erst im Nachhinein habe er davon erfahren, wie viele Menschen aus seinem Umfeld und Bekanntenkreis sich erfolglos um die Teilnahme an der Sendung beworben hatten, teilweise sogar mehrfach über Jahre hinweg. „Ich weiß nicht wirklich, warum ich gleich genommen wurde“, sagt Schaad. Vielleicht, so mutmaßt er, habe es mit seinen drei Wünschen zu tun gehabt, die im Formular für den Fall eines Gewinns angegeben werden sollten: „Eine elektrische Kirchenorgel, die Erweiterung meines japanischen Ganzkörper-Tattoos und die Verschönerung meines Traumhaus – das war vielleicht eine interessante Kombination“.

Alle drei Wünsche hat er sich übrigens erfüllt: Die Orgel habe mehrere Tausend Euro gekostet, das Tattoo „wächst und wächst“ – und im Haus gehe es auch immer weiter voran. Das Tattoo wäre vermutlich auch ohne „WWM“ noch gewachsen, das Haus hätte er sicherlich ebenfalls auch ohne das Geld aus der Sendung aufgehübscht. „Aber die Orgel hätte ich mir ohne den Gewinn nicht geleistet“, so Schaad.

Eine Aufzeichnung der Sendung von damals hat er natürlich noch – und die Fragen, die ihm gestellt wurden, wird er wohl nie vergessen. „Vor allem die eine, die ich nicht beantworten konnte“, sagt Schaad. Dass er bei 32 000 Euro ausgestiegen ist, damit hat er längst seinen Frieden gemacht. „Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“, fasst er im Nachhinein für sich zusammen. Und wird dabei gar nicht bemerkt haben, dass er mit diesem Spruch die allererste 100-Mark-Frage rezitiert hat, die jemals bei „Wer wird Millionär?“ in Deutschland gestellt wurde: „Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem...? A: Sofa, B: Klo, C: Grill, D: Dach.“

Erste transsexuelle Kandidatin kam aus Göttingen

Oliver Schaad war nicht der einzige Kandidat aus Südniedersachsen, der es in 20 Jahren auf den „Stuhl“ von „Wer wird Millionär?“ geschafft hat. Doppelt so viel wie Schaad, also 64 000 Euro, gewann Vera Rohrdantz aus Herberhausen im Februar 2012 bei Günther Jauch. Sie sorgte damals für eine Premiere bei „WWM“, denn Rohrdantz war die erste transsexuelle Kandidatin in der Geschichte der Sendung.

Günther Jauch mit Vera Rohrdantz aus Göttingen Quelle: RTL

Mit ihrem Gewinn glich sie alte Verpflichtungen aus, finanzierte sich „einige schöne Kurztrips“ und stabilisierte ihre Selbstständigkeit im Laborgeräte-Bereich. Außerdem trug sie zum Erhalt der „Dorfschänke“ in Herberhausen bei, was sie heute als „wichtigste Aktion“ bezeichnet. Nach der damaligen Berichterstattung im Tageblatt sah sich ein guter Freund von Rohrdantz veranlasst, das Grundstück zu kaufen – und damit den Erhalt langfristig zu sichern. „Schon aus diesem Grund werde ich natürlich immer wieder auf dieses Ereignis angesprochen“, berichtet Rohrdantz heute. Nach „Wer wird Millionär?“ war sie auch zwei Mal in der ZDF-Talkshow „Markus Lanz“ zu Gast.

Millionenfrage mit Göttingen-Bezug

Eine Millionenfrage mit zumindest indirektem Göttingen-Bezug verhalf im März 2004 einer Kandidatin zum Hauptgewinn: „Wer bekam 1954 den Chemie- und 1962 den Friedensnobelpreis?“, lautete die Frage, und Kandidatin Maria Wienströer musste sich zwischen Linus Pauling, dem lange in Göttingen wirkenden und auch hier verstorbenen Otto Hahn, Pearl S. Buck und Albert Schweitzer entscheiden. Hahn hätte es durchaus sein können – er war 22 Mal für den Chemie- und 16 Mal für den Physik-Nobelpreis nominiert worden.

Und Elizabeth Rona schrieb in ihren Memoiren: „Ich habe oft gedacht, dass er einen zweiten Nobelpreis verdient hätte – den Friedensnobelpreis.“ Bekommen hat Hahn diesen aber nie, also blieb es bei seinem Chemie-Nobelpreis aus dem Jahr 1944. Gesucht war also nicht Hahn – sondern Pauling. Wienströer loggte ihn ein und wurde somit zur zweiten Euro-Millionärin in der Geschichte der Sendung.

Tensing Norgay im Gedächtnis

An den ersten D-Mark-Millionär erinnerten sich zwei Tageblatt-Leser spontan bei Facebook. Am 2. Dezember 2000 wusste der Geschichtsprofessor Eckhard Freise, mit wem Edmund Hillary 1953 auf dem Gipfel des Mount Everest stand. Er werde „nie vergessen, dass der Scherpa von Sir Edmund Hillary Tensing Norgay hieß“, kommentierte Jan Florstedt auf der Tageblatt-Facebook-Seite. „Keine Ahnung, warum man sich gerade sowas merkt.“

Moderator Günther Jauch Quelle: RTL

Etwa 2800 Kandidaten saßen seit der ersten Sendung am 3. September 1999 bisher „auf dem Stuhl“, mehr als 1400 reguläre Sendungen sind bereits ausgestrahlt worden, dazu diverse (Promi-)Specials. 35000 Fragen wurden gestellt, mehr als 8000 Mal wurde ein Joker eingesetzt. Übrigens: Die Begriffe „Telefonjoker“, „Publikumsjoker“ und „Fifty-Fifty-Joker“ haben es mittlerweile sogar in den Duden geschafft.

Jauch spricht von „Blondinenkegeln“

85 Mal kamen Kandidaten bis zur Millionen-Frage, 14 Mal wurde diese korrekt beantwortet. In 20 Jahren „WWM“ gab es bislang 27 Kandidaten, die es auf den Stuhl geschafft hatten und dann doch mit 0 Euro nach Hause gehen mussten. In einer Folge schieden nacheinander drei Kandidatinnen bereits bei der zweiten Frage aus; Moderator Günther Jauch nannte dieses Ereignis „Blondinenkegeln“. In einer anderen Folge wurden drei Auswahlfragen nacheinander nicht korrekt beantwortet.

Allerlei Kuriositäten und so einige Blackouts kamen in 20 Jahren „WWM“ natürlich auch zusammen. So scheiterte ein Beamter an der 500-Mark-Frage, weil er nicht wusste, dass im Titel eines Stimmungsliedes ein Pferd auf dem Flur steht. Ein Diplom-Ingenieur musste bei der ersten Frage „Warum ist die ...?“ (Antwortmöglichkeiten: „... Blondine dumm?“, „... Forelle stumm?“, „... Banane krumm?“, „... Show schon rum?“) den Publikumsjoker einsetzen. Er gewann später 500 Euro.

Wer selbst auch mal als Kandidat dabei sein möchte, kann sich nach wie vor bei RTL bewerben. Ein bisschen Hartnäckigkeit kann da nicht schaden: Ein Rentner aus Bayern hatte es exakt 3899 Mal versucht – bis er endlich „auf dem Stuhl“ landete.

Von Markus Riese

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