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Bovenden Billingshausens Orgel pfeift aus allen Löchern – Geld für Reparatur gesucht
Die Region Bovenden Billingshausens Orgel pfeift aus allen Löchern – Geld für Reparatur gesucht
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08:37 22.08.2019
„Die Orgel pfeift aus allen Löchern“: Thomas Oppermann (SPD) lässt sich von Helmut Pinnecke und Dietrich Upmeyer (r.) das Orgel-Problem erläutern. Quelle: Brakemeier
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Billingshausen

„Die Orgel pfeift aus allen Löchern. Auch wenn keiner darauf spielt“, sagte Helmut Pinnecke aus dem Vorstand der St.-Martini-Stiftung beim Oppermann-Besuch. Ein merklich zu hörendes und störendes Pfeifen entweicht dem Instrument, das 1878 vom thüringischen Orgelbaumeister Carl Heyder gebaut worden ist, als Organistin Gabriele Radunz die Orgel anstellt. „Heute hatte sie aber einen guten Tag“, sagte Radunz, nachdem sie zu Demonstrationszwecken Oppermann ein paar Takte vorgespielt hatte. Ob die Orgel die Stimmung halte, sei wetterabhängig, erläuterte Radunz. Zu hohe oder zu niedrige Luftfeuchtigkeit seien nicht gut. Dann arbeite das Holz zu sehr.

„Wunderschöne Kirche“

„Wir sollten es schaffen, das nötige Geld aufzutreiben“, sagte Oppermann. In diese „wunderschöne“ Kirche gehöre eine richtige Orgel. Und nicht eine elektrische Orgel, wie sie seit einiger Zeit als Behelf in St. Martini herhalten muss.

Neugotisch: St. Martini in Billingshausen. Quelle: Brakemeier

Bereits im Mai hatten sich Oppermann und sein Göttinger Bundestagskollege Fritz Güntzler (CDU) für Mittel aus dem 40 Millionen Euro schweren Denkmalschutz-Sonderprogramm VIII der Bundesregierung für eine Orgelsanierung in Holzerode eingesetzt. 45.000 Euro waren dafür bereitgestellt worden. Weitere 144.000 Euro aus dem Programm flossen aus dem Programm in die Sanierung der Schlosskirche in Osterode.

„Die finanziellen Zusagen sind wichtig, um das kulturelle Erbe unserer Region erhalten zu können“, erklärten Oppermann und Güntzler. Ohne Unterstützung des Bundes wären Denkmalschutzprojekte nur sehr schwer zu bewältigen. In Holzerode soll das Geld für die 90.000 Euro teure Restaurierung der 179 Jahre alten August-von-Werder-Orgel eingesetzt werden.

Gabiele Radunz spielt auf der St.-Martini-Orgel

Stiftung trägt Verantwortung

Mit 7600 Euro, die ein Orgelbaumeister ermittelt hat, nimmt sich die Reparatur der St.-Martini-Orgel vergleichsweise bescheiden aus. Doch zuletzt hatte die Stiftung rund 23.000 Euro in neue Kirchenfenster investiert. Zwar habe die Stiftung Rücklagen, „aber wir dürfen uns nicht blank machen“, sagte der Vorsitzende der Stiftung, Heinz Behrends. Die Rücklagen müssten für Unvorhergesehenes unangetastet bleiben. Denn die Kirche St. Martini in Billingshausen liege ganz in Eigenverantwortung der Stiftung. Von der Landeskirche gebe es keine Zuwendungen. Für die Orgelreparatur habe man aber inzwischen Kontakt zur Landeskirche, Klosterkammer und zur Stiftung Orgelklang aufgenommen, sagte Behrends.

Ortstermin in Billingshausen. Quelle: Brakemeier

Oppermann sichert Unterstützung zu

Oppermann betonte am Dienstag, dass das Denkmalschutz-Sonderprogramm VIII inzwischen ausgelaufen sei und Mittel daraus daher nicht für die Orgel in Billingshausen fließen könnten. Er sicherte den Vertretern der Stiftung aber zu, sich nach in Frage kommenden Förderprogrammen umzusehen. Wenn der SPD-Mann am Dienstag auch keine konkreten Förderzusagen mitgebracht hatte: Auf seine Unterstützung und seinen Einsatz für die Orgel könnten die Billingshäuser aber zählen.

Ziel der Stiftung ist es, dass die Orgel bis spätestens kommendes Jahr repariert zu haben. Dann feiert Billingshausen 825-jähriges Bestehen. Noch ist Pinnecke vorsichtig optimistisch, dass bis dahin die Orgel von St. Martini wieder zum Leben erweckt worden ist.

Oppermanns Sommertour

Vor dem Abstecher auf seiner Sommertour in Billingshausen war Oppermann in der Wilhelm-Busch-Mühle in Ebergötzen und anschließend mit Samtgemeindebürgermeister Arne Behre (SPD) bei der Firma Jütte. Vertreter des auf Feinwerk- und Drehtechnik spezialisierte Familienunternehmens informierten über Ausbildungssituation, Fachkräftebedarf und wirtschaftliche Herausforderungen.

Am Mittwoch wird Oppermann seine Sommertour fortsetzen. Nach einer Station beim Mittagstisch St. Michael in Göttingen will er das „Stadtlabor: Migration bewegt Göttingen“ besuchen und die dortige Ausstellung zu Erfahrungen und Perspektiven von Flüchtlingen auf der Balkanroute anschauen. Eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Weil es unsere Zukunft ist!“ zur Klimapolitik mit Mitgliedern der Fridays-for-future-Bewegung und den Göttinger Bundestagsabgeordneten Güntzler, Jürgen Trittin (Grüne) und Konstantin Kuhle (FDP) steht für Oppermann außerdem auf dem Programm.

Kirche St. Martini

Der Neubau der heutigen evangelisch-reformierten Kirche St. Martini Unterbillingshausen wurde 1902 nach vierjähriger Bauzeit eingeweiht. Nach Angaben der St.-Martini-Stiftung Unterbillingshausen haben die Baukosten damals 16.000 Mark betragen und seinen überwiegend von der Kirchengemeinde selbst aufgebracht worden. Das Preußische Königliche Konsistorium beteiligte sich mit 1.000 Mark als Zuschuss, der Sohn des letzten Königs von Hannover, der Herzog vom Cumberland, mit 500 Goldmark. Nach der Einweihung der im neugotischen Stil gebauten neuen Kirche im Jahre 1902 wurde die alte romanische Kirche abgerissen, die sanierungsbedürftig gewesen sein soll. Der ursprünglich höhere Kirchturm der neuen Kirche wurde 1950 aus statischen Gründen deutlich zurückgebaut. Seit 2012 ist die Stiftung mit ihrem Stiftungsrat für die Nutzung und Verwaltung der Unterbillingshäuser Kirche und ihres Besitzes verantwortlich. Nach ihren Angaben stammt der früheste Nachweis für Pfarrer und Kirche in Unterbillingshausen von 1262. Die Platte eines Altars von 1299 und das Taufbecken aus dem 13. / 14. Jahrhundert sind erhalten. Die Platte befindet sich auf dem Thie. Das Taufbecken in der neuen Kirche.

Sie erreichen den Autor unter

E-Mail: m.brakemeier@goettinger-tageblatt.de

Twitter: @soulmib

Facebook: michael.brakemeier

Von Michael Brakemeier

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