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Bovenden Grünen-Politiker in Südniedersachsen verteidigen Windrad-Projekt bei Harste
Die Region Bovenden Grünen-Politiker in Südniedersachsen verteidigen Windrad-Projekt bei Harste
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20:19 16.12.2019
Für die einen sind Windräder ein Ärgernis, für die anderen ein Garant für die umweltfreundliche Energiewende. Fakt ist, die Mühlen wachsen immer mehr in die Höhe. Quelle: dpa
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Göttingen

Je höher, desto windiger. Wind ist spätestens in Zeiten der Energiewende nicht mehr nur ein Wetterereignis, sondern eine Kraft, die sich ernten lässt. Erbauer und Betreiber von Windrädern oder Windparks verknüpfen die Komponenten Standort und Höhe mit dem, was unter dem Strich heraus kommt: dem Ertrag. Der soll sich natürlich lohnen – und deshalb wachsen die Windräder immer mehr in den Himmel. Nabenhöhen von fast 180 Metern sind inzwischen möglich, je nach Länge der Rotorblätter zeigt ein solches Kraftwerk bis zu 246 Meter in die Höhe. Das findet nicht nur Zustimmung. In und um Harste hat eine Bürgerinitiative jetzt Unterschriften gegen das Aufstellen von fünf Windrädern gesammelt.

Anwohner fürchten den Infraschall

Insbesondere dieses Wachsen nach oben beklagen Menschen, die in der Nähe solcher Anlagen wohnen. In Harste und den angrenzenden Orten wie Parensen fürchten Anwohner nicht nur die optische Verwandlung der Landschaft, sondern vor allem den von Windrädern ausgehenden Infraschall. Das ist bei der Übergabe der Unterschriftenliste an den Bürgermeister und den Rat des Fleckens Bovenden deutlich geworden. Das Windrad-Projekt befindet sich noch im Genehmigungsverfahren, zuständig ist der Landkreis Göttingen. In diesem Text sollen Befürworter der Windkraft das Wort erhalten.

„Massiver Ausbau der Windenergie vor Ort nötig“

Der südniedersächsische Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin (Grüne) erklärt zu den Windkraftplanungen in Bovenden und andernorts: „Wenn Deutschland spätestens bis 2050 klimaneutral sein soll, braucht es einen massiven Ausbau der Windenergie vor Ort. Selbst für den bescheidenen Konsens eines Kohleausstiegs muss bis 2030 Zweidrittel unseres Stroms erneuerbar erzeugt werden. Dies geht nicht ohne einen massiven Ausbau der Windenergie auch an Land.“ Ohne Windenergie vor Ort gebe es keine Energiewende und keinen Klimaschutz, betont Trittin.

Während im Rest der Welt, von den USA bis China, massiv in die von Deutschland entwickelte Windtechnologie investiert werde, stagniere in der Bundesrepublik der Ausbau. Über 26000 Arbeitsplätze - viele davon in Niedersachsen - seien in den vergangenen Monaten verloren gegangen. „Neben falschen Ausschreibungsbegrenzungen durch das Wirtschaftsministerium sind hier Widerstände vor Ort einer der Hauptgründe“, bilanziert der ehemalige Bundesumweltminister.

„Grenzwerte nach gesetzlichen Vorgaben geprüft“

Beispielhaft zeige sich dies bei den Windkraftplanungen in Bovenden. Gab es bei der Beteiligung zur Ausweisung der Vorrangflächen kaum Einwände, so werden angesichts des konkreten Baus nun die Argumente vorgetragen, die schon bei der Ausweisung geprüft wurden, erklärt Trittin. Das gelte für Entwicklungsmöglichkeiten und Wertverlust wie für die zulässigen Immissionsschutzgrenzwerte. „Sie wurden nach den gesetzlichen Vorgaben geprüft. Dies gilt auch für Infraschall, der sich nach den gleichen physikalischen Gesetzen wie Schall verbreitet. Es ist also kein neues Argument“, meint der Grüne.

Die abenteuerlichste Begründung sei aber der Verweis auf Rotmilan und Schwarzstorch. Hier werde nicht einmal mehr versteckt, dass der Naturschutz nur ein Vehikel sein soll, um solche Projekte zu verhindern. „Der Artenschutz aber schützt die Arten in ihrem Bestand. Dieser ist durch Windräder nicht in Gefahr - wie die Bestandsentwicklungen zum Beispiel von Seeadlern in Windkraftregionen wie Mecklenburg belegen“, zeigt der Abgeordnete auf.

„Ausgewiesene Vorrangflächen zügig nutzen“

Windenergie sei eine entscheidende Säule der Energiewende und damit für den Klimaschutz. Deshalb müssten die ausgewiesenen Vorrangflächen zügig genutzt werden. „Wir wollen, dass mindestens zwei Prozent der bundesdeutschen Fläche an geeigneten Stellen für Windkraft freigegeben werden.“ Pauschale Abstandsregelungen wie jetzt von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) geplant, würden Klimaschutz und Energiewende blockieren. „Sie vernichten Arbeitsplätze und eine Zukunftsindustrie, bei der Niedersachsen globaler Technologieführer war“, stellt Trittin heraus.

Lärm von Fahrzeugen höher als von Windrädern

Deutlich hat auch der Göttinger Landtagsabgeordnete Stefan Wenzel (Grüne) die Kritik an der Windkraftplanung in Bovenden zurückgewiesen. Wer sich um Lärm sorgt, sollte sich um den Lärm von Lkw und Pkw kümmern. Der Lärm durch Straßen, die oft sehr nah an die Wohnbebauung heranrücken, sei um ein Vielfaches höher als bei der Windkraft. Bei Windkraftanlagen werde im Genehmigungsverfahren sichergestellt, dass die zulässigen Lärmschutzgrenzwerte eingehalten werden. Hier gelte zudem, dass die zulässigen Werte bei der Windkraft deutlich schärfer sind als im Verkehrsbereich.

Um die künftige Energieversorgung sicherzustellen, müssten im Landesschnitt „nur“ 2,1 Prozent der Landesfläche für Windkraft vorgehalten werden. „Dazu muss jede Gemeinde, soweit es die natürlichen Gegebenheiten zulassen, einen angemessenen Beitrag leisten“, argumentiert Wenzel. Die Planung beschränke sich dabei auf möglichst konfliktarme Bereiche. Die Belange der Wohnbevölkerung würden sehr sorgfältig geprüft und berücksichtigt, ist er sich sicher.

Infraschall: Wie gefährlich ist er?

Von Windparks geht nachweislich Infraschall aus, vom Meeresrauschen aber auch. Obwohl es viele andere Quellen von niedrigfrequentem Schall gibt, ist der Infraschall in den Fokus der Forschung geraten, seitdem sich Wissenschaftler mit den möglichen Gesundheitsrisiken der Windenergieanlagen intensiver befassen. Darauf macht das auch im Internet aufrufbare Ärzteblatt aufmerksam und verweist auf eine Publikation in der Fachzeitschrift „Trends in Hearing“. Wissenschaftler der Universität in Sidney (Australien) und dem Starking Hörzentrum in Berkeley/Kalifornien (USA) führen darin Argumente auf, die für somatische Effekte durch Infraschall sprechen.Die Frequenzen liegen unterhalb von 20 Hertz, Infraschall ist normalerweise für das menschliche Ohr nicht zu hören. Im Ärzteblatt heißt es weiter: Was die Betroffenen beschreiben, ist ein Pulsieren oder ein Druckgefühl auf dem Trommelfell, auch auf der Brust. Die Wahrnehmung der tiefen Frequenzen geht offenbar vom Hören zum Fühlen über. So spüren die Betroffenen auch Vibrationen, Erschütterungen oder ein Unsicherheitsgefühl. Erschöpfung, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Atemnot, Depressionen, Rhythmusstörungen, Übelkeit, Tinnitus, Schwindel, Ohrenschmerzen, Seh- und Hörstörungen sollen durch Infraschall ausgelöst werden. Die ebenso unspezifischen wie zahlreichen Beschwerden hätten aber von Anfang an Anlass zur Skepsis gegeben.Das Team um den klinischen Psychologen Prof. Keith J. Petrie von der Universität Auckland in Neuseeland hat die Frage untersucht, ob die Psyche angesichts eines Windrades in der Nachbarschaft das Krankheitsempfinden triggert. Petrie bejaht diese These. Negativ-Informationen über Windräder erzeugen offenbar eher Symptome als der Infraschall selbst. (Quelle: www.aerzteblatt.de)

Von Ulrich Meinhard

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