Holzerode: Hummelexperte Eberhard von Hagen erhält das Bundesverdienstkreuz 
Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Bovenden Holzerode: Hummelexperte Eberhard von Hagen erhält das Bundesverdienstkreuz
Die Region Bovenden

Holzerode: Hummelexperte Eberhard von Hagen erhält das Bundesverdienstkreuz 

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:40 24.06.2021
Hummelexperte Eberhard von Hagen mit dem Bundesverdienstkreuz.
Hummelexperte Eberhard von Hagen mit dem Bundesverdienstkreuz. Quelle: Böhm
Anzeige
Holzerode

Seit seinem sechsten Lebensjahr ist er fasziniert von Hummeln: der Biologe und Landwirt Eberhard von Hagen erhielt am Donnerstag das Bundesverdienstkreuz für seinen über 60 Jahre währenden Einsatz für Hummel und die Insektenvielfalt.

Mit seinem Einsatz für die Hummeln sei er ein Vorbild, sagte die Erste Kreisrätin Christel Wemheuer (Grüne) in ihrer kurzen Laudatio im Garten des Alten- und Pflegeheims Peter Müller in Holzerode, in dem von Hagen inzwischen lebt. Er habe Hummeln vielfach angesiedelt, ein Standardwerk über sie geschrieben, Kinder durch den Einsatz kleiner Videos für die Hummeln interessiert. Er sei einer der Pioniere im Insektenschutz, sagte Wemheuer.

Hummelwiese in Eddigehausen

Von Hagen hat mit seiner Familie seit 1952 auf der Domäne Eddigehausen gelebt. Hier hatte er eine Hummelwiese und Hummelniststände, er machte regelmäßig Führungen, um darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig die Hummeln sind. Dass sie nicht nur Bestandteil der Nahrungskette sind, sondern unverzichtbar als Bestäuber, weil sie früher im Jahr unterwegs sind als die Bienen. Schon früh warb von Hagen dafür, dass die Menschen für Hummeln wichtige Nährpflanzen wie Taubnessel, Goldnessel, Rot- und Weißklee stehen lassen sollen. Sein Bruder Hans-Heinrich hatte sich mit ähnlichem Engagement den Hornissen gewidmet.

Von Hagen gebe sein Wissen immer gern weiter, ergänzt Henning Schaeper vom Verein Öko-Hilfe 2. Der niedersachsenweit tätige Verein mit Standort Adelebsen wurde bereits 1985 gegründet, zunächst um Kindern aus der Stadt die Natur nahezubringen. Von Hagen ist seit diesen Gründungstagen Mitglied im Verein. Er gehöre zu den ganz besonderen Menschen, die sich im Kleinen für den Erhalt des Ökosystems einsetzen, so Schaeper. „Wir freuen uns, dass unser ältestes Mitglied mit dem Bundesverdienstkreuz eine Ehrung erhält.“ Seit vielen Jahren ist von Hagen auch dem Hummelforum „Pollenhöschen“ verbunden.

Zuckerlösung in kleinen Steinen

Der Hummelexperte hat immer noch viele gute Ratschläge parat, wie man Hummeln beispielsweise einen Nistplatz schmackhaft machen kann. Er erzählt von Zuckerlösung in kleinen Steinchen, spezieller Wolle und Holzschnitzen, in denen sich die Hummeln wohlfühlen. Und betont an diesem Nachmittag schmunzelnd, dass auch Hummeln „liebevoll behandelt werden“ wollen. Sein Standardwerk „Hummeln – bestimmen, ansiedeln, vermehren, schützen“ ist in immer wieder von ihm aktualisierten Auflagen erschienen. 

Lesen Sie auch

Als der heute 85-Jährige vor einigen Jahren von Eddigehausen aus in das Altenheim Peter Müller in Holzerode zog, wollte er sich auf keinen Fall von seinen Hummeln trennen. Er stellte einen Antrag beim Landkreis, dass er seine Kästen mitnehmen dürfe. Der Landkreis erlaubte dies – ebenso wie die Heimleitung. Nun stehen in einer Ecke im Garten einige Nistkästen, von Hagen verbringt hier viele Stunden am Tag und schaut seinen kleinen Lieblingstieren zu und hält die Kästen in Schuss. „Leider sind dieses Jahr noch keine Hummeln gekommen“, sagt er. Das Frühjahr sei zu kalt gewesen.

Von Christiane Böhm