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Bovenden Kein Interesse an der Plesse?
Die Region Bovenden Kein Interesse an der Plesse?
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00:21 12.05.2019
Raimund Grützner (von li.), Hellmer Wietschorke und Thomas Moritz engagieren sich für die Pflege der einst angelegten Beete auf dem Burggelände. Quelle: Meinhard
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Bovenden

Weithin sichtbar thront sie über dem Leinetal. Die auf einem Kalksteinfelsen erbaute Burg Plesse bei Bovenden erscheint wie ein Wahrzeichen für die Göttinger Region. Eine wechselvolle Geschichte hat sich hier oben abgespielt. Die vor 1000 Jahren erbaute Burg erlebte Blütezeiten und Zeiten des Verfalls. Interesse und Gleichgültigkeit gegenüber dem alten Gemäuer kamen und gingen wie die Generationen. Fehlte das Interesse, fehlte letztlich auch das Geld zum Erhalt. So wie in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg, als die Burg verfiel. Offenbar hat jetzt wieder eine Zeit des Desinteresses begonnen.

Noch 2015 sah das ganz anders aus, sagt Thomas Moritz. Er ist der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirates des „Plesse-Vereins“. Anliegen des Vereins ist es, die geschichtliche Bedeutung der Burg der Öffentlichkeit zu vermitteln und den Erhalt der Anlage zu unterstützen. Das sei aber nur zu einem Teil ehrenamtlich leistbar, stellt Moritz klar. Er hat sich vor Ort über 35 Jahre lang engagiert und will die Arbeit von vielen Mitstreitern „nicht vor die Hunde gehen lassen“, sagt er. „Das sehe ich als mein Vermächtnis an“, fügt der 65-Jährige hinzu, der sich selbst als „eine Art Tagelöhner“ und „Ideengeber“ bezeichnet.

Burg gehört dem Land Niedersachsen

Hier sollen schon bald Erdbeeren und Himbeeren wachsen, die von kleinen Besuchern vernascht werden können. Quelle: r

Als Anfang der 1980er Jahre ein Grabungsteam zusammengestellt wurde, begann unter seiner Leitung die Spurensuche. Die Erkenntnisse waren beeindruckend. Auf der vorgelagerten Fläche müssen Menschen bereits vor 2600 Jahren gestalterisch aktiv gewesen sein, Mauerreste können der vorrömischen Eisenzeit zugeordnet werden. Ein Großteil der heute noch erhaltenen Burganlagen ist aber deutlich jünger. Auf dem Gelände der dem Land Niedersachsen gehörenden Burg Plesse ist in den 1980er Jahren im Rahmen der Forschungen und Ausgrabungen ein Burggarten angelegt worden. Den bereits verkrauteten Garten hat Moritz nun wieder hergerichtet.

Die Göttinger Universität, stellt er fest, habe sich vor knapp vier Jahren aus einem „vorprojektierten Vorhaben zur Einrichtung eines außeruniversitären Lernortes“ auf der Plesse zurückgezogen. „Wir waren in der Burgforschung führend in ganz Europa“, blickt Moritz auf vergangene Jahre zurück. Es habe eine fachübergreifende Zusammenarbeit mit mehreren wissenschaftlichen Bereichen der Uni Göttingen aber auch anderen Universitäten gegeben. Beteiligt waren die Geowissenschaften, die Bodenkunde, die Chemie, die Physik, die Mittelalterarchäologie und andere mehr. Magristranden, Diplomanden und Doktoranden hätten Abschlussarbeiten erstellt. Konzepte seien erarbeitet worden, um die hiesige Geschichte modern zu präsentieren, etwa in 3D-Animationen.

Immer noch Konzepte in der Schublade

Im Jubiläumsjahr 2015 – zum 1000-jährigen Bestehen der Burg - hoffte Moritz auf ein erneutes Durchstarten. Doch das Gegenteil sei der Fall gewesen. Die Göttinger Uni-Präsidentin Ulrike Beisiegel habe dem Plesse-Verein ein Schreiben zukommen lassen mit der Erklärung, dass die Universität an einer weiteren Zusammenarbeit nicht mehr interessiert sei. Der Verein solle sich an andere Universitäten wenden.

Moritz sagt, dass er noch immer Konzepte in der Schublade habe. Die könnten umgesetzt werden. Ein „Major Domus“, also ein fachübergreifender Verwalter, sei dafür nötig – „kein Hausmeister“. Den Burggarten hat der 65-Jährige zwei Wochen lang entkrautet, um die Beete wieder präsentieren zu können. Doch anders, als es das Konzept für die Darstellung der Plesse bislang vorsah, setzt Moritz nicht mehr nur auf Exoten wie Safran, Koriander und andere eher seltene Pflanzen. Er möchte den ganz normalen Alltag auf der Burg am Beispiel des Gartens darstellen. Aufgrund von Ausgrabungen lasse sich mit Bestimmtheit sagen, dass sich die Ahnen auf der Burg von Bohnen, Erbsen und Getreide ernährt haben. Die sollen jetzt auch wieder wachsen, ebenso wie Erd-, Him- und Brombeeren. „Ich möchte den Garten in eine neue Zeit führen“, setzt Moritz einen Pflock.

„Nicht zu diesem Zeitpunkt“

Zur Pflege des gesamten Geländes gibt es keine Alternative, wenn die Burg ein beliebtes Ausflugsziel bleiben soll. Quelle: r

Er weist auch darauf hin, dass es mit einem Burggarten nicht getan ist. Auf der insgesamt 7500 Quadratmeter großen Fläche wachsen auch Bäume und Sträucher, die gepflegt und gestutzt werden müssen. „Meine Hoffnung ist nach wie vor, dass hier ein interdisziplinärer Lernort entsteht. Aber vielleicht ist das nicht gewollt. Nur dann muss das gesagt werden“, findet Moritz.

Die vom Tageblatt angefragte Göttinger Georg-August-Universität teilt kurz und bündig über ihren Pressesprecher Romas Bielke mit: „Der Verein Freunde der Burg Plesse e.V. hatte sich im Herbst 2017 mit der konkreten Bitte an die Universität Göttingen gewandt, einen Antrag beim Land Niedersachsen auf die finanzielle Förderung von Forschungstätigkeiten auf der Burg Plesse zu unterstützen (Programm PRO Niedersachsen). Dieser Bitte konnte die Universität zu diesem Zeitpunkt leider nicht nachkommen.“

Von Ulrich Meinhard

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