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Bovenden Rehkitze bei Mäharbeiten tödlich verletzt – Geldstrafen für Landwirte
Die Region Bovenden Rehkitze bei Mäharbeiten tödlich verletzt – Geldstrafen für Landwirte
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17:25 25.11.2019
Rehkitze werden oft von ihren Ricken in Feldern abgelegt. Bei Mäharbeiten fallen sie ohne Aufscheuchen am Vortag schnell dem schweren Gerät zum Opfer. Quelle: r
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Göttingen/Lenglern

Der Tod von drei Rehkitzen durch Mäharbeiten auf einer Wiese in Lenglern hat jetzt ein strafrechtliches Nachspiel gefunden. Im Antrag der Staatsanwaltschaft hatte das Amtsgericht Göttingen zunächst gegen drei Beschuldigte einen Strafbefehl erlassen.

Da alle drei Betroffenen dagegen Einspruch eingelegt hatten, hatte das Gericht für Montag eine mündliche Verhandlung zu dem Fall angesetzt. Kurz vor Prozessbeginn zogen zwei Beschuldigte ihren Einspruch zurück, so dass diese nun rechtskräftig verurteilt sind. Der Besitzer des landwirtschaftlichen Betriebes, der die Mäharbeiten in Auftrag gegeben hatte, muss wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 40 Euro (insgesamt 1200 Euro) zahlen. Ein 34-jähriger landwirtschaftlicher Mitarbeiter, der die Wiese abgemäht hatte, erhielt eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 30 Euro (insgesamt 900 Euro).

„Riesenschweinerei“

Somit musste sich am Montag nur noch der 24-jährige Sohn des verurteilten Betriebsinhabers vor Gericht verantworten, der ebenfalls als Landwirt auf dem väterlichen Hof tätig ist. Da dieser dort allerdings nur angestellt ist und bislang keine leitende Funktion inne hat, endete der Prozess mit einem Freispruch. Was Anfang Mai 2018 auf der Wiese mit den Rehkitzen passiert sei, sei eine „Riesenschweinerei“ gewesen, sagte der Richter. Der 24-Jährige sei dafür aber nicht verantwortlich und auch nicht daran beteiligt gewesen. Die Verantwortlichen hätten indes ihre Strafe erhalten.

Die Kitze verstecken sich auf den Feldern, sie sind deshalb für die Fahrer der Mähdrescher kaum oder gar nicht zu sehen. Quelle: privat

Gleichzeitig machte der Richter deutlich, dass seitens des Betriebes Maßnahmen ergriffen werden müssten, damit so etwas nicht wieder passiert: „Sie müssen etwas verändern.“ Auch der Staatsanwalt hatte in seinem Plädoyer eindringlich darauf hingewiesen, dass Landwirte sich vor Mäharbeiten Gewissheit darüber verschaffen müssten, dass sich kein Tier in der Wiese befindet. Sie müssten vorher alles Erforderliche tun, damit kein Tier zu Schaden kommt. Der Verteidiger hielt dies für „lebensfremd“. Nicht jeder Landwirt könne eine solche Tat verhindern, sagte er.

Ricke lief am Waldrand hin und her

Eine Anwohnerin hatte damals die Polizei informiert. Als sie Anfang Mai 2018 die Mähgeräusche hörte, habe sie noch gedacht: „Hoffentlich haben sie die Wiese abgesucht.“ Die Wiese grenze unmittelbar an einem Wald an. Im Frühjahr habe sie beobachtet, dass Rehe dort Kitze abgelegt hätten. Am nächsten Tag habe sie dann bemerkt, wie eine Ricke am Waldrand hin und her rannte und „komische Töne“ ausstieß. Es stellte sich dann heraus, dass drei Rehkitze von dem Mähwerk erfasst und getötet worden waren. Den Anblick der zerhäckselten Tiere werde sie nie vergessen, sagte die Zeugin. „Ich war total schockiert.“

Als später ein Treckerfahrer auf der Wiese auftauchte, habe sie diesen angesprochen. Am Steuer saß der 24-jährige Sohn des Betriebsinhabers. Als er hörte, dass drei Rehkitze getötet worden waren, habe er nur gesagt: „Ja, dumm gelaufen“, berichtete die Zeugin. Sie sei über dieses kaltschnäuzige Verhalten sehr aufgebracht gewesen.

Keine Kontrolle vor den Mäharbeiten

Der mittlerweile verurteilte 34-jährige Fahrer gab als Zeuge an, dass er die Mäharbeiten im Auftrag des Seniorchefs mit einem 200 PS starken Trecker vorgenommen habe. Das Mähwerk habe eine Schnittbreite von neun Metern gehabt: „Da guckt man immer nach rechts und nicht nach vorne.“ Er selbst habe das Feld nicht vorher kontrolliert. Der Angeklagte selbst sagte in seinem Schlusswort: „Es wäre schön, wenn einer mal sagen würde, was genau zu tun ist.“

Die Wärmebildkamera zeigt den genauen Platz der Rehkitze an. Quelle: privat

Tatsächlich gibt es längst gemeinsame Empfehlungen der Landesjägerschaft sowie des Landvolks und Landesbauernverbandes. Demnach sollten Ernteflächen in den Stunden vor dem Mähtermin, idealerweise am Vorabend, gezielt beunruhigt werden, damit Ricken Zeit haben, ihre Jungen in Sicherheit zu bringen. Dazu könnten einfache Hilfsmittel wie blau- oder rotweißes Flatterband, akustische Signaltongeber und farbige Rundumleuchten benutzt werden. Auch der Einsatz von Drohnen, ausgerüstet mit Wärmebild- oder Infrarotkameras, sei sinnvoll. Die Vergrämungsmaßnahmen seien vor allem im Randbereich wichtig, da dieser vom Großteil des Wildes genutzt werde.

„Ein großer Triumph“

Die Tierschutzorganisation PETA erklärte, die verhängten Geldstrafen seien „ein großer Triumph“ für die Tiere. Es sei allgemein bekannt, dass Tierkinder von den scharfen Klingen der Mähmaschine aufgeschlitzt, verstümmelt oder regelrecht zerhackt würden, wenn sie nicht schnell genug fliehen können. Landwirte müssten deshalb entsprechende Vorkehrungen treffen.

Von Heidi Niemann

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