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Bovenden Morsche Balken: Kirche in Bovenden gesperrt
Die Region Bovenden Morsche Balken: Kirche in Bovenden gesperrt
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00:22 27.08.2018
Morsche Balken: Pastor Uwe Völker zeigt die Schäden im Innern des Kirchturms.
Morsche Balken: Pastor Uwe Völker zeigt die Schäden im Innern des Kirchturms. Quelle: Christina Hinzmann
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Bovenden

Gottesdienste und Veranstaltungen könnten bis auf Weiteres nicht mehr in der Kirche stattfinden, bestätigte Jan Fragel vom Kirchenrat. Außerdem dürften - bis auf die Stundenglocke - die Glocken nicht mehr läuten. Der gesamte Kirchberg mit den umlaufenden Wegen um das Gotteshaus ist gesperrt.

Schäden bei Arbeiten an Fassade entdeckt

Entdeckt worden seien die Schäden vor wenigen Tagen, erklärt Pastorin Alena Toplak. Der Turm der Kirche sollte eigentlich nur eine neue Fassade bekommen und ist dafür bereits eingerüstet. Nach dem die alten Holzlatten im oberen Fassadenbereich abgenommen worden waren, und die Zimmerleute schon in den Startlöchern standen, habe der Bauingenieur Schäden am Gebälk entdeckt: marode Holzbalken und loses Mauerwerk in den Gefachen.

Das hat die Gemeinde kalt erwischt: Zufällig ist herausgekommen, dass Turmbalken und Gebälk im Kirchenschiff ihrer Gotteshauses im Bovender Altdorf so morsch sind, dass die Kirche vorerst gesperrt bleibt.

 

Um diese Schäden genau einschätzen zu können, habe der Kirchenrat umgehend einen Statiker hinzugezogen. Und der habe auch am Dach des Kirchenschiffes marode und faule Balken entdeckt. Sein Rat: Das Kirchenhaus sollte bis auf Weiteres geschlossen werden.

Kirchenrat völlig überrascht

Die Nachricht habe den Kirchenrat völlig überrascht, sagte Fragel –“wir sind schon recht bestürzt“. Um jedes Risiko auszuschließen, habe der Kirchenrat am Donnerstagabend dann beschlossen, dem Rat des Statikers zu folgen. Die Evangelisch-reformierte Landeskirche in Leer, der Ortsbürgermeister und das Bauamt des Fleckens Bovenden seien bereits informiert.

Wie es jetzt weiter geht, ist offen: „Das besprechen wir im Kirchenrat gemeinsam mit unserem Bauingenieur und den Statikern“, sagte Pastorin Toplak und fügte an: „Klar ist bislang nur, dass die Kirche eine längere Zeit nicht benutzbar ist.“ Wie lange, sei zurzeit nicht abzuschätzen. Ebenso wenig, ob die Gemeinde die Weihnachtsfeiertage in ihrer Kirche feiern kann.

Jetzt gehe es erst einmal darum, Konzepte zu entwickeln, wie Dach und Kirchturm grundlegend saniert werden können. Die Evangelisch-reformierte Landeskirche, zu der die Bovender Kirchengemeinde gehört, sei einbezogen.

Kosten nicht absehbar

Auch über die möglichen Kosten der Reparaturen gibt es noch keine Angaben: „Wir stellen uns auf sehr hohe Summen ein“, so Toplak, „und schon jetzt ist uns klar, dass wir die als Kirchengemeinde nicht alleine stemmen können“.

Die benachbarte katholische Franziskus-Gemeinde habe bereits ihre Unterstützung angeboten, sagte Fragel – auch für Gottesdienste in ihrer St.-Franziskus-Kirche. Der nächste Gottesdienst am kommenden Sonntag (26. August) werde aber im Dietrich-Bonhoeffer-Haus der Martini-Gemeinde gehalten. Weitere Termine und Orte werden auf der Internetseite der Bovender Kirchengemeinnde unter dem Link gturl.de/Ev-Kirche-Bovenden veröffentlicht.

Über 800 Jahre alt

Erstmals erwähnt wurde die Martini Kirche 1211, 1341 wurde sie ins Pfarramt erhoben. Der untere Teil des Turms ist nach bisherigen Kenntnissen älter – „er gehört zur Romantik“, so Fragel. Das Schiff ist nach seinen weiteren Angaben um 1600 gebaut und um 1800 renoviert worden und gehöre stilistisch zum Barock.

Die Evangelische Gemeinde Bovenden hat etwa 3300 Mitglieder. Sie vereint Reformierte und Lutheraner seit Anfang der 1970er-Jahre in einem sogenannten „Bovender Modell“. Dabei arbeitet sie nach der Ordnung der Evangelisch-reformierten Gemeinde, die Landeskirche Hannover stellt aber einen lutherischen Pfarrer.

Von Ulrich Schubert

23.08.2018
23.08.2018