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Bovenden Verein schafft Begegnungsstätte in ehemaliger Fleischerei
Die Region Bovenden Verein schafft Begegnungsstätte in ehemaliger Fleischerei
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05:00 19.03.2019
Der Verein Dorftreff will eine Begegnungsstätte in Reyershausen schaffen.  Zu den Helfern gehören Andreas Herz, Peter Strube und Sandra Hardege (v.l.).
Der Verein Dorftreff will eine Begegnungsstätte in Reyershausen schaffen. Zu den Helfern gehören Andreas Herz, Peter Strube und Sandra Hardege (v.l.). Quelle: Kuno Mahnkopf
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Reyershausen

Wo bis vor fünf Jahren Schweinehälften hingen, soll bald Bier aus Zapfhähnen fließen: Aus der ehemaligen Fleischerei Erdelmann wird die Begegnungsstätte „mittendrin“. Auf Vereinsbasis will die Initiative „Dorftreff“ in dem unübersehbar mitten in Reyershausen an der Ortsdurchfahrt gelegenen Gebäude mit Schaufenster einen Treffpunkt mit Gaststättencharakter schaffen, der die Funktionen von Vereinsheim, Dorfgemeinschaftshaus und Dorfkneipe vereint.

 rew für Kneipenbetrieb

Ein ehrenamtliches Helferteam ist bereits seit Monaten dabei, die auf 140 Quadratmeter verteilten Räume zu renovieren und umzubauen. Die ehemalige Kühltheke wurde entfernt, ein Durchbruch geschafften, Fliesen gestemmt, 300 Meter neue Elektrokabel verlegt, Fußböden und Decken saniert, Schutt entsorgt und neue Fenster eingesetzt. Die Bauleitung hat Peter Strube übernommen. Die Küche mit Gasherd, die zur Fleischerei gehörte, sei bereits abgenommen, für eine behindertengereche Toilette und eine Kühltheke 17 000 Euro EU-Mittel aus dem Förderprogramm Leader bewilligt worden. Die handwerklich begabten Helfer – vom Zehnjährigen bis zum 87-jährigen Tischler – erleben aber auch so manche Altbau-Überraschung. So muss jetzt eine mit Holz vertäfelte Decke aus Brandschutzgründen abgenommen werden. Das verteuert und verzögert das Projekt. „Dorftreff“-Mitinitiator Andreas Herz ist dennoch zuversichtlich, die Begegnungsstätte im Lauf des Sommers eröffnen zu können: „Wir sind schon dabei, eine Stammcrew auf die Beine zu stellen und suchen weitere Mitstreiter.“ Zunächst ist Kneipenbetrieb am Wochenende angedacht sowie ein Sonntagscafé, als Treffpunkt sollen die Räume die ganze Woche über allen Bürgern zur Verfügung stehen, auch für Familienfeiern, Vereinsaktivitäten und Events genutzt werden können. Angedacht sind auch Kinderdisco, Eltern-Kind-Café, Senioren- und Fußballnachmittage.

Ehemaliges Kali-Dorf ist im Aufwind

Der Bergmannschor und die Lore an der Ortsdurchfahrt, die auch das Dorftreff-Logo ziert, künden von der Vergangenheit Reyershausens. Das Dorf zu Füßen der Burg Plesse war vom Kalibergbau geprägt, 1969 wurde das Bergwerk stillgelegt. „Reyershausen war eine reiche Gemeinde, und hat sich früher eher abgeschottet“, erzählt Dorftreff-Bauleiter Peter Strube (75): „Das ist völlig anders geworden.“ Zurzeit habe der Ort 982 Einwohner, werde bald aber wieder auf deutlich mehr als 1000 Einwohner anwachsen, sagt Ortsratsmitglied Andreas Herz. Es gebe wenig Leerstände und viele Neubürger im Ort, der zum Göttinger Speckgürtel gehört. Am Ortseingang entsteht zurzeit ein Mehrparteienhaus mit 17 Wohneinheiten, ein Baugebiet mit erst 20 und dann weiteren elf Bauplätzen ist in Planung. Eine Kneipe gebe es schon seit Jahrzehnten nicht mehr, berichtet Strube. Ansonsten kann sich die Infrastruktur, zu der ein Hausarzt und ein Freibad – das Ratsburgbad – gehören, sehen lassen. Die Grundschule wurde modernisiert, vor zwei Jahren eine Krippe an den Kindergarten angegliedert. ku

Netzwerk von Unterstützern

Mit dem Start des Bauprojektes hat sich die Dorftreff-Initiative zu einem gemeinnützigen Verein mit derzeit 43 Fördermitgliedern gemausert und ein Unterstützungsnetzwerk aufgebaut. „Wir können auf Sponsoren und Förderer zurückgreifen, die Geld und Material zur Verfügung stellen – Privatleute, Gewerbetreibende und Institutionen“, sagt Herz und nennt stellvertretend Sparkasse, Bürgerstiftung Bovenden und Obi-Baumarkt, als ein Vorbild den Treffpunkt Altes Pfarrhaus (TAP) in Eddigehausen. Bovendens Bürgermeister Thomas Brandes stehe ebenso hinter dem Projekt wie Pastorin Christina Klasink und die meisten der sieben Ortsratsmitglieder. Herz freut sich auch über die Frauenpower im Verein, der von zwei „Neubürgerinnen“ geleitet wird. Vorsitzende Sandra Hardege lebt seit Ende 2017 in Reyershausen, ihre Stellvertreterin Katja Lüdeke seit vergangenem Sommer.

Freuen sich über die ideale Lage der im Werden begriffenen Begegnungsstätte: Andreas Herz, Sandra Hardege, Peter Strube (v.l.). Quelle: Kuno Mahnkopf

Herzstück des Treffpunkts „mittendrin“ werde der Schankraum, sagt Hardege. Eine „chilligen Loungeraum“ soll es ebenso geben wie einen Stammtisch-Raum mit Schiebetür und TV für Fußballübertragungen. Die exponierte Lage an der Ortsdurchfahrt sei ideal. „Man sieht immer, ob etwas los ist.“ Der Gebäudeeigentümer habe nach Schließung der Fleischerei keinen Nachmieter für ein Ladengeschäft gefunden und wolle die Räume jetzt an den Verein vermieten, berichtet Herz.

Veranstaltungsreihe wird fortgesetzt

Der Verein Dorftreff wolle über die Pläne für die feste Anlaufstelle hinaus auch weiterhin Aktionen und Veranstaltungen wie den Dorfflohmarkt anbieten, damit das Dorf enger zusammenrückt, Neubürger und Alteingesessene zusammenfinden. Ein Meilenstein sei das Scheunenfest im vergangenen Jahr gewesen. Das soll am 25. Mai eine Neuauflage erfahren – mit Schauspielerinnen aus Berlin und einem Theaterworkshop am Folgetag.

Von Kuno Mahnkopf