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Bovenden Vorlesewettbewerb auf Plattdeutsch in Bovenden
Die Region Bovenden Vorlesewettbewerb auf Plattdeutsch in Bovenden
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20:00 03.04.2019
Landesweiter plattdeutschen Lesewettbewerb: Nila Korte liest. Quelle: Peter Heller
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Bovenden

An der IGS Bovenden haben Schüler am Kreisentscheid des plattdeutschen Lesewettbewerbs teilgenommen. Dabei lasen sie vor einer Jury und Publikum plattdeutsche Geschichten.

Es ist ganz still im Klassenraum. Nur Yolandas Stimme, verstärkt durch ein Mikrofon, hallt durch den Raum. Sie hält sich an ihrem Blatt Papier, von dem sie vorliest, fest, und blendet die Jury, ihre Konkurrenten und den Rest des Publikums aus. „Mama, do meckerst den ganzen Tag“, liest Yolanda vor und haut bei dem Wort „Mama“ so stark auf den Tisch, dass alle Zuhörer im Raum aufschrecken.

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Teilnehmer von der zweiten bis zur sechsten Klasse

Anette Rummenhohl von der niedersächsischen Landesschulbehörde und Andreas Kompart, einer von vier Beauftragten für die niederdeutsche Sprache im Landkreis Göttingen, haben den Wettbewerb organisiert, der in drei Kategorien eingeteilt war: Gruppe A für die Zweit- und Drittklässler, Gruppe B für Kinder der vierten Klasse und Gruppe C für Fünft- und Sechstklässler. Jeder Teilnehmer las eine kurze Geschichte auf Plattdeutsch vor. Eine Jury, bestehend aus Plattdeutsch-Muttersprachlern, vergab bei der Bewertung bis zu 60 Punkte an die Teilnehmer. Jeweils 20 Punkte waren möglich für die Lesetechnik, Betonung und Aussprache. In der Jury waren unter anderem der Vorsitzende des Plattdeutschen Forums Göttingen, Albert Behrens, und der Präsident der Plattdütschen Frünne Eichsfeld, Werner Grobecker.

An der IGS Bovenden haben Schüler am Kreisentscheid des plattdeutschen Lesewettbewerbs teilgenommen. Dabei lasen sie vor einer Jury und Publikum plattdeutsche Geschichten.

Geschichten über Ausreißer und Pfannkuchen

„Ich finde es toll, dass das nicht alle machen“, sagt die Teilnehmerin Yolanda zu der Frage, warum sie gerne Plattdeutsch liest. Die Viertklässlerin geht auf die Grundschule Adelebsen. Sie las beim Kreisentscheid in Bovenden die Geschichte „Ümmer up dä Lütten“. Darin will ein Kind nach Amerika auswandern, weil seine Mutter immer so viel mit ihm meckert.

Wettbewerbsteilnehmer Daniel hat seine Geschichte zur Übung seinen Großeltern vorgelesen, die Plattdeutsch sprechen. Zu dem Wettbewerb ist Daniel über seine Plattdeutsch-AG in der Schule gekommen. Seine Geschichte handelt von einem Pfannkuchen, den drei alte Weiber gebacken haben. Der Pfannkuchen erwacht zum Leben und wandert durch die Welt, wo er auf verschiedene Tiere trifft, die ihn fressen wollen. Doch der Pfannkuchen lässt sich erst von drei armen Waisenkindern verspeisen. „Ich finde es toll, dass ich bei der Verbreitung der Sprache mithelfen kann“, sagt Daniel zum Plattdeutschen. Denn im vergangenen Jahrhundert war Plattdeutsch als Sprache, die nur auf dem Land gesprochen wurde, aus den Schulen und dem Unterricht verschwunden.

Den Wettbewerb der vierten Klasse hat Yolanda mit ihrer Geschichte gewonnen. In der Gruppe A der zweiten und dritten Klasse gewann Runa Eggers, die den gleichen Text wie Yolanda vorlas. Mathilda Märtens gewann in der Gruppe C mit dem Text „Pippi cheiht noah’e Schaule henn“.

Teilnehmer-Schulen beim Kreisentscheid

Alle zwei Jahre organisiert die niedersächsische Sparkassenstiftung den landesweiten plattdeutschen Lesewettbewerb. An dem Kreisentscheid des Plattdeutschwettbewerbs nahmen 28 Kinder von elf Schulen teil, darunter die Grundschulen aus Adelebsen, Diemarden, Osterode, Friedland und Hemeln, die Carl-Friedrich-Gauß-Schule Groß Schneen und aus Göttingen das Hainberg-Gymnasium, das Felix-Klein-Gymnasium, die Geschwister-Scholl-Schule und das Otto-Hahn-Gymnasium. lmb

Von Lisa Marie Bohlander