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Die Region Demokratiekonferenz tagt: Kein Platz für Gewalt und Rechtsextremismus
Die Region Demokratiekonferenz tagt: Kein Platz für Gewalt und Rechtsextremismus
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19:00 27.09.2019
Bei der Demokratiekonferenz erarbeiten die Teilnehmer gezielte Vorschläge. Quelle: Tobias Christ
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Göttingen

Es geht um die Demokratie: In der Jugendherberge am Habichtsweg tagt die Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Göttingen. Die Mitglieder aus dem gesamten Landkreis stellen dort ihre Projekte vor und nutzen den Nachmittag zum Kennenlernen, Erfahrungsaustausch und zur Ideenfindung.

Organisiert wird die Veranstaltung vom Landkreis Göttingen und der Bildungsgenossenschaft Südniedersachsen. „Ziel ist die Demokratieförderung im ländlichen Raum“, sagt Jonas Huwald, der beim Landkreis die Federführung für dieses Themengebiet inne hat. Auch Extremismusprävention solle durch eine bessere Vernetzung der unterschiedlichen Bündnispartner betrieben werden.

Partnerschaft besteht seit fünf Jahren

Die Partnerschaft zwischen Landkreis und Bildungsgenossenschaft besteht seit fünf Jahren. Und sie wird fortgeführt, ein Förderantrag für die nächsten Jahre ist bereits gestellt. Im Rahmen der vom Bund geförderten „Partnerschaft für Demokratie“ unterstützt der Landkreis Projekte für Vielfalt, Toleranz und Demokratie. „Demokratie ist bunt und der Landkreis ist ebenso bunt“, sagt Kreisrat Marcel Riethig. Partnerschaften „festigen den Zusammenhalt und fördern die Demokratie“, fügt er hinzu. Es sei ermutigend zu sehen, dass junge Menschen wie bei „Fridays for Future“ auf die Straße gehen und dort für ihre Ideale einstehen. Denn Demokratie sei keine Selbstverständlichkeit, „Demokratie hat Feinde“.

In den fünf Jahren seit Bestehen der Partnerschaft habe sich viel verändert. Während in der Anfangszeit des Bündnisses viele Demonstrations-Ankündigungen der Rechtsextremisten die Verwaltung beschäftigten, sei die Zahl nun deutlich geringer. Alle handelnden Behörden müssten aber an einem Strang ziehen, um Demokratie weiterhin zu fördern. Die Partnerschaft habe einige Erfolge vorzuweisen, man müsse aber „gemeinsam in die gleiche Richtung gehen“, sagt Ute Reichmann vom Jugendring Eichsfeld. Über die Projekte habe man bereits viele Tausend Menschen erreicht.

20 Prozent sind „abgehängt“

Matthias Heintz, Sozialpädagoge und Mitglied des Kulturvereins Rittmarshausen, bekommt beruflich „viel mit, wie Jugendliche denken“. Dabei habe er festgestellt, dass etwa 20 Prozent der Gesellschaft dauerhaft „abgehängt“ seien. „Wir haben uns irgendwie daran gewöhnt. Alles ist auf Wirtschaft ausgerichtet“, sagt er. Nun stehe der demokratische Staat in der Verantwortung, um die Situation nicht noch weiter ausufern zu lassen.

Die Mitglieder der Partnerschaft für Demokratie versuchen, die Infrastrukturen und Kommunikationswege einer wirksamen Zivilgesellschaft zu verbessern. „Die Zukunft der Demokratie hängt an allen Gruppen der Gesellschaft“, meint Riethig. Man wolle Lust schaffen, mitzureden und sich einzubringen, gegen Extremismus, gegen Gewalt.

Konferenz erarbeitet Projektideen

Doch nicht nur um Theorie, auch um die Praxis ging es während der Demokratiekonferenz. Als in Diemarden Hakenkreuzschmierereien an die Außenwand der Sporthalle gesprüht worden waren, haben Jugendliche und Kinder aus dem Ort gemeinsam überlegt, was nun zu tun ist. Schließlich entschieden sie sich dafür, die Schmiererei nicht einfach nur zu übermalen, sondern im Projekt „Respekt für Vielfalt“ ein buntes, riesengroßes Grafitti mit der Aufschrift „Frieden“ darüberzusprühen.

Auch in diesem Jahr gab es jede Menge Projektideen aus der Versammlung: ein Kinder-Demokratieplanspiel beispielsweise. Auch eine Tagung zum Thema Rechtsextremismus in Niedersachsen könnten sich die Demokraten vorstellen, ebenso ein Projekt zur besseren Einbindung von Migrantinnen.

Jugendforum und Vernetzung

Die Partnerschaft für Demokratie hat in der vergangenen Förderperiode insgesamt 63 Projekte mit mehr als 170 000 Euro unterstützt. Auch ein Jugendforum hat die Kooperation hervorgebracht. Dort dreht sich alles ums Mitreden und Mitbestimmen. Die Demokratiekonferenz ist eine jährliche Veranstaltung der Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Göttingen und ist damit Teil des Bundesprogramms „Demokratie leben – Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“. Sie wird finanziert durch das Bundesministerium für Familie. Wesentliche Aufgabe der Partnerschaft ist die Förderung demokratischen Engagements durch Unterstützung von Projekten aus einem „Aktions- und Initiativfonds“. Wissenstransfer, Vernetzung verschiedener demokratischer Gruppen und Institutionen sowie die Erarbeitung konkreter Ziele stehen auf der Agenda. Zu deren Umsetzung stehen im Jahr 2020 wahrscheinlich 55 000 Euro zur Verfügung. In diesem Jahr waren es noch 48 000 Euro

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Von Tobias Christ

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