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Die Region Deutsche aus Russland feiern in Friedland Internationales Sportfest
Die Region Deutsche aus Russland feiern in Friedland Internationales Sportfest
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18:27 10.08.2019
Interkulturelles Sportfest in Friedland: Die Sieger des Fußballwettbewerbs werden von Lilli Bischoff (r.) ausgezeichnet und halten stolz ihre Trophäen und Urkunden hoch. Quelle: Warda
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Friedland

Unterschiedliche Kulturen zusammenbringen und Menschen das Gefühl vermitteln, willkommen zu sein – das sind Ziele des Internationalen Sportfestes, zu dem der Landesverband Niedersachsen der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland seit 2007 regelmäßig nach Friedland einlädt. Am Sonnabend waren rund 160 Teilnehmer dabei.

Friedland ist Anlaufstation für Spätaussiedler und Flüchtlinge, und wenn sie angekommen sind, müssen sie sich zunächst akklimatisieren. „Friedland ist der erste Punkt in Deutschland, den sie erleben, und das Sportfest hat zwei Funktionen: Die Leute willkommen zu heißen und durch den Sport zusammenzubringen“, sagt Lilli Bischoff, seit 2006 Landesvorsitzende der Landsmannschaft Niedersachsen. Gerade hat sie die Ehrung für die Tagessieger des Fußballwettbewerbs vorgenommen, gleich werden die Volleyballer ausgezeichnet. Die Moderation erfolgt in russischer Sprache, die Musikeinlage in deutscher: Gerade spielt der Alleinunterhalter „Anita“, den Hit des kürzlich verstorbenen Costa Cordalis.

Schach darf beim Sportfest nicht fehlen

Neben Fußball und Volleyball wurde am Sonnabend auch Tennis gespielt – und natürlich Schach, fast so etwas wie der russische Nationalsport. „Wir sind Deutsche aus Russland“, unterstreicht Lilli Bischoff. Der Punkt ist ihr wichtig: „Es sind vor allem Leute aus Russland und Kasachstan, einige kommen auch aus der Ukraine. Wir kommen aus verschiedenen Orten, aber wir sind ein Volk, und wir stehen dazu: Wir sind Deutsche aus Russland.“

Ziele und Zweck der Landsmannschaft

Die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland versteht sich laut Satzung „als Interessenvertretung der in der Bundesrepublik Deutschland lebenden Deutschen aus Russland, unbeschadet der konfessionellen, weltanschaulichen und parteipolitischen Einstellung des Einzelnen“. Sie verfolgt ausschließlich „gemeinnützige und mildtätige Zwecke“ und versteht sich seit ihrer Gründung auch als Hilfsorganisation und Kulturverein aller Russlanddeutschen in der ganzen Welt. Dazu zählen auch die Deutschen, die in der ehemaligen Sowjetunion leben und denen eine nationale Vertretung verwehrt ist. „Solange sie diese Möglichkeit nicht haben, wird die Landsmannschaft für sie das Wort ergreifen und sich für ihre Belange einsetzen, insbesondere für das Recht auf freie Ausreise, auf freie Ausübung der Religion, auf freuen Gebrauch der Muttersprache, auf kulturelle Autonomie und auf Wiedergutmachung für das 1941 und später erlittene Unrecht“, heißt es im Internetauftritt der Landsmannschaft.

Folglich spiele auch der Konflikt um die Krim „gar keine Rolle“, unterstreicht die Landesvorsitzende der Landsmannschaft. „Alle haben den gleichen Hintergrund, alle fühlen sich als Deutsche, alle haben etwas zurückgelassen. Deshalb ist das kein Problem“, sagt sie.

Die Landsmannschaft Niedersachsen hat vor zwei Jahren 60-jähriges Bestehen gefeiert, der Bundesverband ist bereits 69 Jahre alt. Der Landesverband zählt 1200 zahlende Mitglieder, wobei die Zahl im Hinblick auf den familiären Anhang mit vier multipliziert werde – man rechnet mit 4800 Mitgliedern. Die Landsmannschaft bietet in Hannover eine Erstanlaufstelle und darüber Hilfe bei Familienzusammenführungen, im Jobcenter oder bei alltäglichen Problemen wie dem Arztbesuch an, berichtet Bischoff. „Wir wissen ganz genau, wie wir helfen können“, sagt sie.

Diesmal sind kaum Flüchtlinge dabei

In den vergangenen Jahren hätten auch viele Flüchtlinge aus Syrien oder Pakistan am Sportfest teilgenommen, erzählt Bischoff. Das sei in diesem Jahr anders, im sportlichen Wettkampf traten fast ausschließlich Spätaussiedler gegeneinander an. „Wir sorgen mit dem Fest dafür, dass sich die Leute nicht allein fühlen. Wichtig ist dabei auch, dass wir eine gemeinsame Sprache haben“, so die Landesvorsitzende. Am 14. September findet in Friedland die jährliche Gedenkfeier der Landsmannschaft statt.

Bischoff selbst hat die Friedländer Willkommenskultur am eigenen Leib erfahren. Geboren im Ural sei es für sie und ihre Familie über Nord- und Südkasachstan nach Lettland gegangen. Dann folgte sie ihren Eltern, die etwas früher umgesiedelt waren, nach Friedland. „Für mich war Friedland wie eine Hauptstadt, selbst nachdem ich Bonn gesehen hatte“, sagt sie. „In meinem Herzen ist Friedland immer noch die Hauptstadt von Deutschland.“

„Meine Heimat ist Deutschland

Die Volleyballehrung steht bevor, der Alleinunterhalter ist mittlerweile bei „Ich war noch niemals in New York“ von Udo Jürgens angekommen. „Noch einmal voll von Träumen sein, sich aus der Enge hier befreien“, heißt es darin. Träume, Perspektiven – sie werden unter anderem in Friedland geboren. „Ich habe mich nirgends zu Hause gefühlt, bis ich hierher kam“, sagt Bischoff. „Meine Heimat ist Deutschland.“

Von Eduard Warda

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