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Dransfeld Ausstellung „Verführung, Krieg, Gulag, Frieden“ in Jühnder Kirche
Die Region Dransfeld Ausstellung „Verführung, Krieg, Gulag, Frieden“ in Jühnder Kirche
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18:50 15.11.2019
Der Ortsheimatpfleger will Erinnerungen weitergeben – das Aufzeichnungsheft und Utensilien, die Menkes Großvater „aus der Gefangenschaft mitgebracht hat“. Quelle: r
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Jühnde

Ortsheimatpfleger Hubertus Menke hatte die Idee, Dokumente, Fotos, Zeichnungen von damaligen Zeitzeugen des zweiten Weltkriegs öffentlich zu präsentieren – und zwar in einer Gemeinschaftsaktion. Beteiligt an der Ausstellung „Verführung, Krieg, Gulag, Frieden“ sind neben Menke die Pastorin der St.-Martini-Gemeinde, Annette Lapp, in deren Kirche die Ausstellung veranstaltet wird, Organist Yannick Bode und der Jühnder Posaunenchor unter der Leitung von Markus Traxler.

Menke hat die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Museum Friedland und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (Bezirk Braunschweig) organisiert. „Etwa ein halbes Jahr Arbeit steckt da drin“, sagt er.

Die Musik: „Lilli Marleen“, „Der gute Kamerad“, das „Europalied“

Die Ausstellung wird um 15 Uhr eröffnet und endet um 18 Uhr. Um 16 Uhr liest Menke aus „den Kriegs- und Gefangenschaftsaufzeichnungen des Jühnders Karl Hampe. Zu hören ist Orgelmusik; Komponisten und Werke standen eine Woche vorher noch nicht exakt fest. Feststand, dass „Lilli Marleen“ und „das an Volkstrauertagen traditionelle Trompetensolo“ „Der gute Kamerad“ gespielt werden sollen. Den Schlusspunkt werde das „Europalied“ setzen, sagt Menke.

Hubertus Menke will Erinnerungskultur initiieren und pflegen. Quelle: Kirchhoff

Die Pastorin werde passende Bibelverse vortragen. Zu sehen sind „Gulag-Zeichnungen“ von Hermann Günther (Jühnde). Die Bilder habe das Museum Friedland zur Verfügung gestellt. „Fotografien aus dem Zweiten Weltkrieg von Karl Hampe und seinen Koffer mit Inhalt aus der russischen Gefangenschaft“, steuert Menke aus eigenem Fundus bei – Hampe war sein Großvater. „Ich habe gesehen, wie er 1983 seine Aufzeichnungen angefertigt hat.“

„Mein Opa gehörte zur Generation, die nicht reden wollte oder konnte.“

Gesprochen habe er nicht. „Mein Opa gehörte zur Generation, die nicht reden wollte oder konnte. Er hatte einen beobachtenden Blick auf das, was ihm widerfahren war. Gesprochen hat er mit uns nie.“ Sein Großvater sei über Friedland nach Jühnde zurückgekehrt. Im Grenzdurchgangslagerhabe er „vor ein paar Jahren bei einem Termin die Aufzeichnungen vorgelegt, plus „zwei Fotoalben mit etwa 200 Bildern, aus Russland, aus Frankreich.“

Durch Zufall, so Menke, „kam eine Nachbarin aus Jühnde dazu. Sie hatte Zeichnungen von ihrem Vater mitgebracht.“ Günther und Hampe hätten im selben sowjetischen Kriegsgefangenenlager „über Dritte voneinander gewusst; der eine ließ den anderen grüßen.“ Später habe Hampe Günther „mit nach Jühnde genommen“ – er habe im Ort geheiratet und sei geblieben.

Ein Pflänzchen hinter Stacheldraht: Hermann Günther zeigt mit seiner Zeichnung, dass hungernde Kriegsgefangene auf der Suche nach Essbarem waren. Quelle: Museum Friedland

Ausstellung als Anlass, im privaten Umfeld zu forschen

Diese Kenntnisse, sagt Menke, habe er nach und nach erworben. „Mit der Veranstaltung möchten wir neugierig machen. Neugierig auf die eigene Familiengeschichte und zeigen, wie unsere Orte und ihre Geschichte und Geschichte zusammenhängen.“ Denn der Mix aus Präsentation, Lesung und „emotional berührender Musik“ soll für Bürger in der GemeindeAnlass sein, im privaten Umfeld zu forschen: „Schaut euch Tagebücher an, geht auf den Dachboden, seht in Fotoalben. Ihr werdet etwas finden. Vielleicht nicht soviel, wie wir am 23. November anhand von zwei Jühndern vorstellen, aber hoffentlich so viel, dass es zum Nachdenken anregt“, lautet seine Aufforderung.

Die Ausstellung sollte ursprünglich am Volkstrauertag, 17. November, veranstaltet werden, „aber das ging terminlich nicht“, so Menke. Die Aufforderung an Jühnder, nachzuforschen, verbinde er mit der Weiterentwicklung seiner Idee: „Geschichten und Dokumente oder Fotos, die noch gefunden werden, könnten aufgearbeitet und beim Volkstrauertag 2020 präsentiert werden.“

Jühnder zur Nachdenklichkeit animieren

Hubertus Menke wurde „mit Anfang 20“ Ortsheimatpfleger in Jühnde – eine Seltenheit. Sein Vorgänger im Ehrenamt sei auch einer seiner Realschullehrer gewesen. „Er hat mich angesprochen, und ich fand, das ist eine ganz spannende Aufgabe.“ Heute ist er 47 Jahre alt. Er verbindet seine praktische Tätigkeit „mit Nachdenklichkeit“, zu der er Mitbürger animieren möchte. Noch seien „nicht alle Schicksale von Jühndern aus dem Zweiten Weltkrieg bekannt und geklärt“. Darum „ist es an uns, die Mahnung der beiden Weltkriege weiterzutragen. Das Gedenken an die Gefallenen unserer Orte, den auf einmal ,verschwundenen’ Juden aus Dransfeld, die jeder kannte, den Zwangsarbeitern, von denen hier in Jühnde etwa 40, hauptsächlich französische, aber auch polnische und russische Frauen und Männer auf ,Jüspans Saal’ mit einer Wache untergebracht waren und jeden Morgen auf die Höfe verteilt wurden, die Verfolgten – die für das ,Feindsender’ hören ins Zuchthaus kamen.“

Jühnder, die Aufzeichnungen oder Fotos finden, können sich an Menke wenden: hubertusmenke@yahoo.de oder 05502/2798.

Von Stefan Kirchhoff

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