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Dransfeld Bioenergiedorf Jühnde verkauft seine Anlagen
Die Region Dransfeld Bioenergiedorf Jühnde verkauft seine Anlagen
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21:16 26.09.2019
Bioenergiedorf Jühnde Quelle: Niemann
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Jühnde

Das bundesweit erste Bioenergiedorf Jühnde steht vor einem Umbruch: Die GenossenschaftBioenergiedorf Jühnde“ will das Vorzeigeprojekt künftig nicht mehr in Eigenregie betreiben. Stattdessen werden die Bioenergieanlagen und das Nahwärmenetz an den Energieversorger EAM EnergiePlus GmbH (EAM) verkauft. Das haben die Mitglieder der Genossenschaft am Mittwochabend bei ihrer Generalversammlung beschlossen. Am Ende der mehrstündigen Debatte hätten 75 Prozent der Genossenschaftsmitglieder für den Verkauf gestimmt, teilte Vorstandsmitglied Eckhard Fangmeier mit. Das Unternehmen mit Sitz in Kassel werde die Anlagen und das örtliche Nahwärmenetz zum 1. Oktober übernehmen. Über den Kaufpreis habe man Stillschweigen vereinbart.

Hintergrund sind finanzielle Probleme. Weil der Gesetzgeber die Vorgaben für Biogasanlagen verschärft hat, müssen die Betreiber erhebliche bauliche und technische Veränderungen vornehmen, die rund eine Million Euro kosten würden. Für diese Investition ist die Eigenkapitaldecke der Genossenschaft zu dünn. Außerdem gibt es noch rund drei Millionen Euro Altschulden, die mit dem Verkaufserlös getilgt werden könnten.

Der Vorstand hatte noch ein Alternativmodell vorgelegt, wie das Bioenergiedorf in Eigenregie weiterbetrieben werden könnte. Um das Eigenkapital zu stärken, hätten die Wärmekunden weitere Anteile in Höhe von 4000 Euro als Einlage einbringen müssen. Da diese Variante und die dafür notwenige Satzungsänderung keine Mehrheit fanden, seien alle Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder von ihren Ämtern zurückgetreten, berichtete Fangmeier.

Im Oktober 204 gegründet

Die GenossenschaftBioenergiedorf Jühnde“ war im Oktober 2004 gegründet worden, kurz darauf starteten die Bauarbeiten. Im Herbst 2005 war es dann soweit: Als erstes Dorf in Deutschland hatte Jühnde seine Energieversorgung komplett auf erneuerbare Energien umgestellt. Seitdem beziehen die angeschlossenen Haushalte Strom und Wärme ausschließlich aus Biomasse. Durchschnittlich hätten sie bislang rund 8000 Euro an Energiekosten gespart, sagte Fangmeier.

Die Energieversorgung ruht dabei auf drei Säulen: Örtliche Landwirte liefern Acker- und Grünlandpflanzen, die im Fermenter der Biogasanlage zusammen mit der Gülle aus den Rinder- und Schweineställen zum Biogas Methan vergoren werden. Das Methan wird in drei Blockheizkraftwerken verbrannt und zu Strom umgewandelt, der ins Netz eingespeist wird (jährlich rund fünf Millionen Kilowattstunden). Die Abwärme wird in das eigens gebaute örtliche Nahwärmenetz eingespeist und heizt die angeschlossenen Häuser der rund 150 Wärmekunden. Um den größeren Wärmebedarf im Winter decken zu können, wird in einer Holzhackschnitzelanlage Restholz aus den umliegenden Wäldern verbrannt.

EAM übernimmt Verträge

Mit dem Verkauf der Anlagen und des damals neu gebauten Nahwärmenetzes geht die ursprüngliche Vision einer eigenständigen und konzernunabhängigen Energieversorgung verloren. Die EAM werde sowohl die Verträge mit den Wärmekunden als auch die Lieferverträge mit den Landwirten übernehmen, sagte Fangmeier. Das Energieversorgungsunternehmen habe außerdem angekündigt, dass es keine Rechtsmittel gegen ein kürzlich ergangenes Urteil des Landgerichts Kassel einlegen werde. Das Gericht hatte den Stromnetzbetreiber dazu verpflichtet, dem Bioenergiedorf rückwirkend ab 2016 für den gesamten ins Netz eingespeisten Strom den im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vorgesehenen Technologie-Bonus zu zahlen. Jährlich sind dies Zusatzeinnahmen von rund 90 000 Euro.

Von Heidi Niemann

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