Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Dransfeld In die Zeit der Reformation zurückversetzt
Die Region Dransfeld In die Zeit der Reformation zurückversetzt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:16 27.08.2017
Gottesdienst wie vor 500 Jahren in Varmissen mit Pastorin Almuth Wiesenfeldt. Quelle: Marks
Anzeige
Dransfeld

Am 31.Oktober 1517 veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen. Der Thesenanschlag in Wittenberg gilt als Beginn der Reformation. 500 Jahre später sind anlässlich de Jubiläumsjahres der Reformation viele Fragen offen. „War alles früher besser ?“, fragte sich zum Beispiel die Dransfelder Pastorin Almuth Wiesenfeldt und entschloss sich zusammen mit der Gemeinde für ein praktisches Experiment.

„Wir wollten einen Gottesdienst feiern wie vor 500 Jahren“, erklärt Wiesenfeldt. Herauszufinden wie dieser zu Zeiten Martin Luthers ablief, sei nicht ganz einfach gewesen. Schon bald nach dem ersten Auftreten des Reformators suchten Geistliche, die der Reformation nahestanden, nach neuen Gottesdienstformen. Die Deutsche Messe, eine Neuordnung des Gottesdiensts, wurde von Luther 1526 herausgegeben. Luther schuf dabei für den gottesdienstlichen beziehungsweise den liturgischen Gesang neue und eigene Melodien, die für die liturgische Leitung durchaus anspruchsvoll zu singen ist.

Almuth Wiesenfeldt, die diese Melodien für den Gottesdienst am vergangenen Sonntag eigens einstudiert hatte, trug dabei eine katholische Albe, die trotz Reformation damals noch bei vielen Gottesdiensten getragen wurde. „Luther war es im Grunde egal, was die Pfarrer trugen, Theologie war ihm wichtiger“, erklärt Wiesenfeldt dazu. Unterstützt bei den liturgischen Gesängen wurde die Pastorin im Wechsel von der Kirchenkreiskantorin Gabriele Renneberg, die ebenfalls die Orgel spielte. Das Kapellengebäude in Varmissen bot für diese mittelalterlichen Zeitreise einen passenden Rahmen. Immerhin wird der älteste Teil der zur evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St. Martini in Dransfeld gehörenden Kirche auf das 14. Jahrhundert datiert und wurde ursprünglich sogar als viergeschossiger Wehrturm angelegt.

Luther war es wichtig, dass man den Gottesdienst als Schule nutzt“, erläutert Wiesenfeldt weiter. Der Reformator wollte sich zunächst auf eine grundlegende Bildung der Gemeinde während des Gottesdienstes, auf deutsche Sprache in den Liedern und Lesungen sowie auf eine klare Abgrenzung von römisch-katholischen Elementen konzentrieren. „Die Menschen sollten wissen, was sie beten“, betont Wiesenfeldt. Das Abendmahl, bei dem neu Brot und Wein verteilt wurde, unterschied sich klar zur römisch-katholischen Tradition, bei der die Gemeinde lediglich Brot bekommen hat. Auch die Predigt zielte darauf ab, die Gemeinde aufzurütteln und zu belehren. Luther traute noch nicht allen Pfarrern der frühen Reformation zu Predigten im Sinne der reformatorischen Theologie zu halten. Daher empfahl er sogenannte Postillen zu verlesen, die durch den Buchdruck allen Pfarreien zugänglich gemacht wurden. Es sollte die zum Sonntag gehörenden Predigt verlesen werden.

Für den vergangenen Sonntag war es eine Predigt zum Gleichnis vom Pharisäer und vom Zöllner, Lukas 18 Ferse 9 bis 14. Ein Pharisäer und ein Zöllner gehen in den Tempel zu Jerusalem, um zu beten. Der Pharisäer dankt Gott in seinem Gebet dafür, dass er Pharisäer ist und hebt hervor, dass er sich (in seinen Augen) vorbildlich verhält – und nicht so wie Räuber, Ehebrecher oder der Zöllner neben ihm. Der Zöllner hingegen schlägt sich gegen seine Brust und bittet Gott darum, ihm, dem Sünder, gnädig zu sein. Der Pharisäer, das ist der, der fromm tut und sich selbst über andere Menschen erhebt. Der Zöllner dagegen stand am genau entgegengesetzten Ende der Jerusalemer Gesellschaft. Als jemand, der mit der römischen Besatzungsmacht zusammenarbeitete, wurde er von den meisten Menschen gemieden und verachtet. Wer auf andere verachtungsvoll herunterschaue, könne aber nicht fromm im Sinne Jesu sein, so Luther. „Derjenige, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, derjenige der sich erniedrigt wird erhöht werden“, so die Worte des Reformators.

Im Anschluss an den interessanten Gottesdienst gab es die Gelegenheit, sich gemeinsam bei kühlen Getränken über diese „Zeitreise“ auszutauschen und auch die Kirche in Varmissen besser kennen zu lernen.

Von Bernard Marks

Franklin Decosta präsentiert beim VW-Bus-Treffen sein 300-PS-Gefährt

22.08.2017

„Ehrenamtliches Engagement lohnt sich.“ So stand es auf einem Aufsteller in der Stadthalle in Dransfeld zu lesen. Bürgermeister Carsten Rehbein und der Rat der Stadt hatten am Sonnabend Ehrenamtliche eingeladen, um ihnen für ihren Einsatz zu danken. Rund 60 von ihnen waren gekommen.

20.08.2017
Dransfeld Katastrophenschutzübung - 650 Retter proben den Ernstfall

Umgestürzte Bäume, verletzte Personen, demolierte Autos, vermisste Wanderer und Feuer nach Blitzeinschlag. Das war das Szenario, das 650 Rettungskräfte von Feuerwehren, Polizei und Hilfsorganisationen am Sonnabendvormittag im Wald von Bühren vorgefunden haben.

22.08.2017