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Jühnde Bioenergiedorf Jühnde gewinnt Rechtsstreit gegen Stromnetzbetreiber
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17:00 06.09.2019
Im Rechtsstreit gegen einen Stromnetzbetreiber kann das Bionenergiedorf Jühnde einen Erfolg verbuchen. Quelle: Niemann
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Jühnde

Aufatmen in Deutschlands erstem Bioenergiedorf in Jühnde: Die Betreiber des viel beachteten Vorzeigeprojekts im Landkreis Göttingen haben jetzt einen seit mehr als drei Jahren schwelenden Rechtsstreit gegen einen regionalen Stromnetzbetreiber gewonnen. Das Landgericht Kassel verpflichtete das Unternehmen dazu, dem Bioenergiedorf für dessen gesamten ins Netz eingespeisten Strom eine Zusatzvergütung von zwei Cent pro Kilowattstunde zu zahlen. Der Stromnetzbetreiber hatte sich geweigert, diesen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vorgesehenen Technologie-Bonus auch für den Strom zu bezahlen, der in drei Blockheizkraftwerken erzeugt wird. Nach Ansicht des Gerichts besteht jedoch auch für diese Art der Stromerzeugung ein Förderanspruch.

Sollte das Urteil rechtskräftig werden, müsste der Stromnetzbetreiber allein für das Jahr 2016 einen Betrag von knapp 88 000 Euro plus Zinsen nachzahlen. Hinzu kämen entsprechende Nachzahlungen für die Folgejahre 2017 und 2018. Nach Ansicht des Landgerichts Kassel hat das Bioenergiedorf noch bis zum Jahr 2025 einen Anspruch auf diesen Technologie-Bonus. Da man auch in Zukunft die eingespeiste Strommenge weiter erhöhen wolle, sei mit jährlichen Zusatzeinnahmen von 100.000 Euro zu rechnen, freute sich Eckhard Fangmeier, Vorstandsmitglied und Sprecher der Bioenergiedorf Jühnde e.G.

Strom und Wärme aus Biomasse seit 2005

Jühnde hatte im Herbst 2005 als erstes Dorf in Deutschland seine Energieversorgung auf erneuerbare Energien umgestellt. Seitdem beziehen die in einer Genossenschaft zusammengeschlossenen Bewohner des 750-Einwohner-Ortes Strom und Wärme ausschließlich aus Biomasse. Derzeit speist das Bioenergiedorf jährlich rund fünf Millionen Kilowattstunden in das Stromnetz ein.

Das Bioenergiedorf kann die Zusatzeinnahmen gut brauchen, denn das Pionierprojekt war in jüngster Zeit in eine finanzielle Schieflage geraten. Ein Grund war der Streit um den Technologie-Bonus. Die Genossenschaft hatte 2015 kräftig in neue Technologien investiert, um die Energieerzeugung noch effizienter, bedarfsgerechter und langfristig wirtschaftlicher gestalten zu können. Unter anderem wurden zwei neue Blockheizkraftwerke mit Nachverstromungstechnik installiert. Diese sorgen dafür, dass die Anlage zu jenen Zeiten möglichst viel Strom produziert, zu denen der Strom besonders teuer ist. Die Genossenschaft war dabei davon ausgegangen, dass sie für diese technische Aufrüstung den Technologie-Bonus bekommen müsste. Da der Stromnetzbetreiber diese Zusatzvergütung nicht zahlte, fehlen inzwischen Einnahmen von rund einer Viertelmillion Euro.

Bauliche und technische Veränderungen nötig

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Weil der Gesetzgeber die Vorgaben für Biogasanlagen verschärft hat, müssen die Betreiber erhebliche bauliche und technische Veränderungen vornehmen. Auch die 2017 vom Bund erlassene neue Düngemittelverordnung bringt das Bioenergiedorf in Bedrängnis. Diese sieht vor, dass Gärsubstrat statt sechs künftig neun Monate lang gelagert werden muss. Dafür reicht jedoch die Lagerkapazität in Jühnde nicht aus, so dass unter anderem ein neuer Gärrestbehälter gebaut werden muss. Weil für diese Investitionen die Eigenkapitaldecke zu dünn ist, beauftragten die Genossenschaftsmitglieder auf ihrer jüngsten Generalversammlung den Vorstand damit, nach einem Investor zu suchen. Erste Verkaufsverhandlungen liefen bereits, sagte Fangmeier.

Ein anderes Problem ist dagegen seit Kurzem gelöst: Ein Nachbar hatte mit einer Klage versucht, zwei Erweiterungsprojekte auf dem Betriebsgelände des Bioenergiedorfes zu verhindern. Das Verwaltungsgericht Göttingen befand die geplante Erweiterung der Biogasanlage jedoch für rechtmäßig und lehnte die Klage ab. Der Nachbar wollte dies nicht hinnehmen und beantragte, die Berufung gegen dieses Urteil zuzulassen. Wie eine Sprecherin des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Lüneburg mitteilte, hat das OVG in der vergangenen Woche diesen Antrag zurückgewiesen, so dass nun der Weg frei ist für die geplanten Bauvorhaben.

Drei Säulen des Bioenergiedorfes

Die Energieversorgung des Bioenergiedorfes in Jühnde ruht auf drei Säulen: Örtliche Landwirte liefern Acker- und Grünlandpflanzen, die im Fermenter der Biogasanlage zusammen mit der Gülle aus den Rinder- und Schweineställen zum Biogas Methan vergoren werden. Das Methan wird in drei Blockheizkraftwerken verbrannt und zu Strom umgewandelt, der ins Netz eingespeist wird. Die Abwärme, die dabei entsteht, wird in das eigens gebaute örtliche Nahwärmenetz eingespeist und heizt die angeschlossenen Häuser der rund 150 Wärmekunden. Um den größeren Wärmebedarf im Winter decken zu können, wird in einer Holzhackschnitzelanlage Restholz aus den umliegenden Wäldern verbrannt.

Von Heidi Niemann

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