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Jühnde Indonesische Delegation besucht Bioenergiedorf Jühnde
Die Region Dransfeld Jühnde Indonesische Delegation besucht Bioenergiedorf Jühnde
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00:22 02.04.2018
Besuch einer Delegation aus Indonesien im Bioenergiedorf Jühnde.
Besuch einer Delegation aus Indonesien im Bioenergiedorf Jühnde. Quelle: Vera Wölk
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Jühnde

Nach Angaben von Matthias Rhein, der die Delegation begleitete und in Indonesien einen engen Kontakt zum Präsidenten pflegt, sei in dem Staat derzeit zu beobachten, dass zahlreiche Menschen von den Dörfern in die Stadt ziehen.

„Doch anderes als bei früheren Beobachtungen ist dieser Vorgang in Indonesien nicht mit einem Wirtschaftswachstum verbunden“, sagte Rhein. Derzeit sei nach Berechnungen der Vereinten Nationen davon auszugehen, dass bis 2050 90 Prozent der Indonesier in Städten leben werden. Damit wiederum sei eine zunehmende Verarmung der Landbevölkerung verbunden.

40 Prozent der Bürger haben keinen Zugang zu Strom

„Ein weiteres Problem in Indonesien ist, das derzeit etwa 40 Prozent der Bevölkerung keinen Zugang zu Strom haben“, erklärte Rhein. Deshalb sollte während der mehrtägigen Deutschlandreise anhand des Bioenergiedorfes gezeigt werden, welche Möglichkeiten es gibt, Dörfer dezentral mit Strom zu versorgen. „Jühnde ist dafür ein Musterbeispiel, weil es eine kommunale Initiative war, die sich mit dem Bau beschäftigt hat“, erklärte Rhein.

Der Besuch der Delegation in Jühnde sei dadurch zustande gekommen, dass er selbst einige Jahre in dem Dorf gelebt habe und über die Universität Göttingen an dem Projekt beteiligt gewesen sei. In Indonesien, das aus mehr als 17000 Inseln besteht, fehle aber ein Verständnis für dezentrales Handeln.

Entstehung des Bioenergiedorfes Jühnde

„Obwohl es ein dezentrales Land ist, erfolgt die Verwaltung zentral aus der Hauptstadt Jakarta“, sagte Rhein. Im Bioenergiedorf berichtete Gerd Pfaffenholz den Teilnehmern, die vom Chefberater des Präsidenten Suharso Monoarfa angeführt wurden, über die Entstehung des Bioenergiedorfes und zeigte ihnen die Anlage.

„Der indonesische Präsident interessiert sich für Möglichkeiten, mit denen die Dörfer vorangebracht werden können“, berichtete Rhein. Daher werden die Eindrücke, die die Mitglieder der Delegation während der Reise gesammelt haben, nach der Rückkehr dem Präsidenten vorgestellt. Zur Reise gehören auch Besuche der Bundesbank und der Airbus Werke sowie bei der Europäischen Zentralbank.

Deutschland hat ähnliche Struktur

„Ziel des Deutschlandbesuches ist es, bei den Teilnehmern ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass es zur Erreichung von Zielen oftmals auch notwendig ist, neue Wege zu gehen“, erklärte Rhein. Den Indonesiern sei die Tatsache leichter durch praktische Beispiele als einfache Theorie zu vermitteln, da sie Praktiker seien. Deutschland eigne sich dafür gut, da es eine ähnliche Struktur habe und vor allem die Rechtssysteme miteinander vergleichbar seien.

Der Anschluss an Strom sei nicht nur für die Bevölkerung ein wichtiger Schritt, sondern auch für das Land an sich, damit es die Möglichkeit habe, sich wirtschaftlich weiterzuentwickeln. Das sei notwendig, damit der Staat den Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen verringern könne.

Umdenken notwendig

Ein Umdenken sei auch bei der finanziellen Unterstützung für kleinere Unternehmen notwendig, damit diese eine Chance haben, auch in Krisensituationen weiter existieren zu können. „Es gibt dazu zwar schon Anfänge, aber es ist ein Prozess, der Zeit braucht“, sagte Rhein.

Von Vera Wölk