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Dransfeld Luthers Judenbild ist Thema einer Ausstellung
Die Region Dransfeld Luthers Judenbild ist Thema einer Ausstellung
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05:00 24.10.2018
Rüdiger Seidel, der Vorsitzende des Eislebener Synagogenvereins, erläutert Thomas Oppermann, Katrin Budde und Ausstellungsbesuchern eine Schautafel. Quelle: Niklas Richter
Dransfeld

In der Dransfelder St.-Martini-Kirche ist seit Sonntag die WanderausstellungLuthers Judenbild und sein langer Schatten im mitteldeutschen Raum“ zu sehen.

Das Dransfelder Bürgerforum und der Eislebener Synagogenverein empfingen anlässlich der Ausstellung in der 1841 erbauten Kirche die beiden Bundestagsabgeordneten Thomas Oppermann (SPD) und Katrin Budde (SPD) sowie Samtgemeindebürgermeister Mathias Eilers. „Wir verfolgen die Geschichte der jüdischen Gemeinde in unserem Ort und wo die Menschen abgeblieben sind“, so ein Sprecher des Bürgerforums. Einige Juden zog es in die Lutherstadt Eisleben – darunter auch die Familie Isenberg, die später zurück nach Dransfeld kam.

Interessante Aspekte zu Martin Luther

Die Ausstellung kam durch die Zusammenarbeit mit dem Eislebener Synagogenverein zustande. Die Geschichtswissenschaftlerin Dr. Monika Gibus und Rüdiger Seidel waren aus Sachsen-Anhalt angereist und erläuterten interessante Aspekte zu Martin Luther und seinem Judenbild. „Wir haben die Ausstellung aus Eisleben mit nach Dransfeld gebracht“, so Seidel.

Die Ausstellung wird in den kommenden Tagen von Schülergruppen besucht. Unter anderem werden auch Zeitzeugen, die das Konzentrationslager in Auschwitz überlebten, berichten. „Ich freue mich über die Partnerschaft des Eislebener Vereins – aus meinem Wahlkreis – mit dem Bürgerforum in Dransfeld. Schön, dass Frau Gibas und Herr Seidel dabei sind“, so Budde, Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Mansfeld-Südharz/Saalekreis, die zusammen mit Oppermann die Veranstaltung besuchte.

Restauration der Synagoge

Der Synagogenverein Eisleben besteht seit 15 Jahren und betreibt aktuell drei Hauptaktivitäten: Restauration der Synagoge, Aufarbeitung der jüdischen Geschichte seit dem 13. Jahrhundert und die Stolpersteinverlegung. Den Rundgang in die zwölf Aufsteller umfassende Ausstellung begann Gibas mit Luthers letzter Mission 1546. „Wir haben die gesamten Zusammenhänge mit Quellen zusammengefasst“, so Gibas, die zusammen mit Seidel eine kleine Zeitreise von Luthers judenfeindlichen Ansichten bis in die Nachkriegszeit des Zweiten Weltkriegs ausführte. „Ich kannte die Schriften Luthers. Dass er so aktiv gegen Juden tätig gewesen ist, wusste ich bisher nicht“, sagte Oppermann.

Die Ausstellung befasst sich allerdings nicht nur mit der Haltung Luthers, sondern mit der Geschichte über den Zeitraum von 400 Jahren: Vom Todeszeitpunkt Luthers im Jahr 1546 bis 1946. Ferner geht es um die Frage, wer das Judendbild Luthers in den Folgejahren weitergetragen hat und vor allem, wer politisch daraus Kapital schlagen konnte. Luther forderte die Verbrennung der Synagogen, die Zerstörung von Wohnstätten und schließlich die Vertreibung. Diesen Zusammenhang zeigt die Ausstellung in Dransfeld mit Hilfe vieler Quellen.

„Sehr empfehlenswert“

„Eine bemerkenswerte Ausstellung – das ist schon toll, was hier auf die Beine gestellt wurde“, lobte Oppermann, der während der Führung auch immer wieder gezielt Fragen an die Referenten richtete. „Wir haben zwar in Dransfeld nicht so eine Figur wie Luther, aber immerhin den Gaußturm“, scherzte der Abgeordnete, der diese Ausstellung als „Spurensuche in der Vergangenheit, die in der Gegenwart endet“, betitelte. „Sehr empfehlenswert“, ergänzte Oppermann.

Noch bis zum 11. November kann die Ausstellung „Luthers Judenbild“ in der Dransfelder St.-Martini-Kirche mittwochs, freitags und sonnabends von 16 bis 18 Uhr besucht werden. Zudem gibt es die Möglichkeit nach dem sonntäglichen Gottesdienst einen Blick in die Vergangenheit des Judentums zu werfen.

Von Jan-Philipp Brömsen

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