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Duderstadt 130 Jahre Männergesangverein Brochthausen
Die Region Duderstadt 130 Jahre Männergesangverein Brochthausen
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21:25 11.09.2014
Blättern in alten Chroniken des Männergesangvereins: Dirigent Aloys Krieter (links) und erster Schriftführer Winfried Moneke. Quelle: Thiele
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Brochthausen

„Wir singen jetzt auch moderne Lieder wie ,Die kleine Kneipe‘ oder „Rot, rot sind die Rosen‘“, nennt Dirigent Aloys Krieter zwei Beispiele.

Bei Schlagern sei aber das Problem, „dass sie sehr kurzlebig sind“. Zum Programm gehören Auftritte am Ehrenmal, bei der Messe des Vereins, am Totensonntag, bei silbernen und goldenen Hochzeiten und bei Geburtstagen.

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Der Verein hat sich im Jahre 1884 aus einer kleinen Sängergruppe gebildet. Vorsitzender war Maurermeister Jacob Krieter, während Lehrer Caspar Berndt die musikalische Leitung übernahm. Er schrieb außerdem Lieder und Noten für die stimmgewaltige Gemeinschaft.

Kirche und Politik sind bei Gesangsstunden tabu

Die handgeschriebenen Statuten gelten noch heute. Sie legen nicht nur fest, dass „Kirche“ und „Politik“ bei den Gesangsstunden tabu sind. Darin heißt es auch: „Ein Mitglied, das Vereinslieder ohne Erlaubnis des Vorstandes auf öffentlichen Dorfstraßen singt, wird mit drei Jahresbeiträgen Strafe bedacht“. 

Genau definiert ist, wer Mitglied werden darf. „Ein jeder, der das 17. Lebensjahr erreicht hat und ein unbescholtenes Leben führt“. Moneke: „Wir legen das aber nicht mehr so streng aus.“ Die Sänger beschäftigten sich bis Beginn des Fernsehzeitalters auch mit Theaterspiel.

Große personelle Wunden schlugen die beiden Weltkriege in die Reihen des MGV, doch schon 1946 wurde im Bergdorf wieder gesungen: Namen wie Aloys Sommer, Josef Ballhausen (Schwalbe), Alfons Ballhausen, Johannes Muth, „Hauptmanns Bäcker“, Karl Jacobi, Heinrich Adam und natürlich der verstorbene Chorleiter Willi Brämer sowie Aloys Krieter sen. sind untrennbar mit dem Gesangsverein verbunden.

Seit 1981 dirigiert Aloys Krieter den Chor. Seine vom Vater geerbte Musikalität und seine Fähigkeit zur Interpretation der Vorträge kommen besonders auch beim Bergdörfersingen zur Geltung, dass er im Jahre 1983 ins Leben gerufen hat. Drei Jahre später überreichte der damalige Oberkreisdirektor Alexander Engelhardt dem Verein die Zelter-Platte. Unvergessen bleibt den Sängern die Teilnahme an der Robert-Stolz-Gala vor 25 Jahren in der Eichsfeldhalle.

Zählte Einigkeit in der Spitze über 60 Mitglieder, so sind es heute noch 32, der Altersdurchschnitt liegt bei rund 65 Jahren. Größter Wunsch der Mitglieder ist daher, „dass wir Nachwuchs bekommen“, so Moneke. Bereits 1957 sei vor einer Überalterung und dem Sterben des Vereins gewarnt worden.

Verein sucht intensiv nach neuen Mitgliedern

Um neue Sangesbrüder zu gewinnen, belassen es die Verantwortlichen nicht bei Gedankenspielen. „Wir haben alle Leute im Dorf angesprochen.“ Doch das Ergebnis war gleich null. „Dabei feiern wir gerne und sind sehr gemütlich“, versichert Moneke. Dirgent Krieter verweist noch auf einen anderen Aspekt: „Musik und Gesang beleben das Herz und den Menschen, sie machen gesund, das sagen auch die Ärzte.“

Das Festprogramm für geladene Gäste beginnt am Sonnabend um 18 Uhr mit einer Messe in der örtlichen Kirche, danach folgt ein geselliger Abend im Vereinslokal „Zur Erholung“.

Von Axel Artmann