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Duderstadt 14 Kilo Münzenschatz im starken Nest der Elster
Die Region Duderstadt 14 Kilo Münzenschatz im starken Nest der Elster
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18:10 13.01.2011
Geschichten aus dem Duderstadt des 17. Jahrhunderts: Der Merianstich zeigt eine Ansicht der Stadt gegen Mitte des 17. Jahrhunderts.
Geschichten aus dem Duderstadt des 17. Jahrhunderts: Der Merianstich zeigt eine Ansicht der Stadt gegen Mitte des 17. Jahrhunderts. Quelle: Repro: Pförtner
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Dass jedoch ein Duderstädter auf die Idee kommt, seine mühsam ersparten 500 Reichstaler vor den herannahenden Schweden im Nest einer Elster zu verstecken, das ist auch aus Notzeiten selten bekannt.

Um so erstaunlicher, dass diese Geschichte bis in die Gegenwart überliefert ist. Der Episode spürt Paul Lauerwald in der jüngst erschienenen Zeitschrift nach. Es war um das Jahr 1639 und der Duderstädter Hanns Zellmann wusste auf die Schnelle nicht, wohin mit seinem sauer Ersparten. Als er in seinem Garten vor dem „starken Birnbaum“ stand, kam ihm die Idee, die Münzen dem „dicken Nest“ des dort nistenden Vogels anzuvertrauen. (Wie der Autor anmerkt eine riskante Angelegenheit: Schließlich, so schätzt Lauerwald, muss das Gewicht bei einem 28 Gramm pro Münzen insgesamt bei rund 14 Kilogramm gelegen haben) Alsbald floh Zellmann dann vor den Truppen des in schwedischen Diensten stehenden Obristen Hans Christoph Graf von Königmarck nach Lauterberg.
Diese Schatzsuche ist nur eine von mehreren Geschichten in dem 40 Seiten starken Heft, dem ersten des 55. Jahrganges. Die Texte behandeln eine große Bandbreite eichsfeldischer Themen: Von der Vorstellung der „sensationellen“ Datierung der Ersterwähnung von Dingelstädt, Kreuzebra und Diedorf bei der Vorstellung des neuen Eichsfeld-Jahrbuches über die einst weithin bekannte Glockengießerei Gabel in Freienhagen bis zur Aufrollung der Vergangenheit einer Jützenbacher Bildpostkarte aus dem Jahr 1910. Die ständigen Rubriken wie das historische Eichsfeldfoto oder die Buchvorstellungen finden sich im zweiten Teil der Ausgabe.

Doch wie endete die Geschichte um den bauernschlauen Zellmann? Dem rutschte, wieder zu Hause, das Herz in die Hose: Am Fuße des Baumes waren die Reste eines Feuers zu sehen. Dort hatte wohl ein Trupp der Marodeure sein Lager aufgeschlagen. Zellmann sah seine Felle schon davonschwimmen, doch in der Asche war nichts zu finden. Schließlich blickte er doch noch einmal ins Nest hinein, und siehe: 14 Kilogramm Silber waren noch an ihrem Platz. Die Quelle, die die Geschichte überliefert, kommentiert: „Das hieß wohl recht ignoti nulla cupido.“ (Anm. d. Red.: „Nach Unbekanntem hat man kein Verlangen“. Nach dem römischen Dichter Ovid) Hans Zellmann hatte nichts dagegen: „Er dankte der göttlichen Vorsehung für die wunderbare Erhaltung.“
Interessenten, die die Monatsschrift nicht kennen, können ein kostenloses Exemplar anfordern beim Verlag Mecke Druck, Postfach 1420, 37107 Duderstadt oder hier.

Von Erik Westermann