Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Duderstadt 170 Bürger und klare Worte bei Infoabend in Seulingen
Die Region Duderstadt 170 Bürger und klare Worte bei Infoabend in Seulingen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:04 13.09.2013
Von Anne Eckermann
Die Seulinger Straße, in der es zu dem Überfall kam. Quelle: Tageblatt
Anzeige
Seulingen

Nach der Gewalttat, bei der in der Nacht zum 1. September ein 69-jähriger Rentner vermutlich durch zwei Männer aus Seulingen lebensgefährlich verletzt wurde, hatte der Gemeinderat die Informationsveranstaltung im Bürgerhaus organisiert. Vom großen Andrang waren die Ratsmitglieder dann überrascht.

Der zu diesem Zeitpunkt noch kommissarische Bürgermeister Matthias Rink (CDU) zeigte sich bei der Begrüßung tief betroffen von den Ereignissen. Erst im Nachhinein hätten er und die übrigen Ratsmitglieder erfahren, wie groß Unsicherheit und Angst im Ort gewesen seien.

Anzeige

Wie Rink – er wohnt in einem Außenbereich Seulingens – hatten augenscheinlich etliche weitere Einwohner nur wenig von den monatelangen massiven Beleidigungen und zum Teil auch körperlichen Auseinandersetzungen zwischen Seulingern und den Mitgliedern der vor rund zwei Jahren zugezogenen Familie des späteren Opfers mitbekommen.

„Angst um unsere Kinder“

Diese hatten sich wohl vornehmlich im Ortskern und im Bereich des Feuerwehrhauses ereignet. Mehrere Vorfälle sind bei der Polizei durch betroffene Seulinger angezeigt worden, wobei überwiegend Kinder und Jugendliche angegriffen worden sein sollen.

„Wir haben Angst um unsere Kinder“, war immer wieder aus den Reihen der Anwesenden zu hören. Mehrfach wurden an diesem Abend konkrete Vorfälle geschildert, bei denen auch die Hunde der betroffenen Familie eine Rolle gespielt haben sollen.

Anne Kortleben hatte als Leiterin des Fachkommissariats die Regie des Abends übernommen, den Zweck der Veranstaltung klar formuliert und ab sofort verstärkte Polizeipräsenz angekündigt.

„Es gibt keine Gewinner“

Die Beamtin zeigte großes Verständnis für die Ängste der Einwohner, warnte gleichwohl aber vor Selbstjustiz: „Seulingen ist in Aufregung. Als Polizei wollen wir ihnen dabei helfen, den richtigen Schritt in die Zukunft zu machen. Wir fühlen uns verantwortlich für die Sicherheit Seulingens in den kommenden Wochen.“

Kortleben mahnte angesichts des „Dramas“ eindringlich zu Ruhe und Besonnenheit: „Alle Beteiligten sind ins Unglück gestürzt,  es gibt keine Gewinner.“ Auch die der Tat verdächtigen Seulinger, die vorerst auf freien Fuß gesetzt wurden, seien schwer geschockt über ihre „lebensverändernde Tat“.

Laut Kortleben wird zukünftig ausschließlich ihr Fachkommissariat in Seulingen ermitteln, alle Maßnahmen würden von Göttingen aus koordiniert. Dazu gehöre auch der Blick zum Motiv und in die Vergangenheit, um zu verstehen, wann die Lage eskaliert sei: „Es gibt die Anzeigen, doch die spiegeln bislang nicht das wider, was jetzt zur Sprache kommt.“

„Wir sind sehr erleichtert“

Jetzt werde getrennt zwischen Realität und Hörensagen. „Wir nehmen ihre Sorgen sehr ernst. Alle Beamten wissen über die Situation hier Bescheid, und bei ernsthaften Vorfällen in der nächsten Zeit wählen Sie sofort den Notruf. Aber ich erwarte von Ihnen, dass nichts mehr passiert an dem Haus in der Hauptstraße. Auch dort leben kleine Kinder“, so die Polizeibeamtin, die auf wiederholtes Werfen von Feuerwerkskörpern anspielte.

Die Frage eines Seulingers, ob die Polizei ab sofort für die Sicherheit der Kinder im Dorf einstehe, beantwortete Kortleben mit einem festen Ja.

Als die Mitteilung, die Familie werde zum 4. Oktober das Dorf verlassen, von vielen Bürgern mit Beifall quittiert wurde, dämpfte Kortleben die Euphorie: „Man darf nicht stolz darauf sein.“ Die Antwort eines Vaters brachte die Stimmung im Saal auf den Punkt: „Wir sind bestimmt nicht stolz darauf, aber wir sind sehr erleichtert.“

Mehr zum Thema

Die zwei Männer, die einen 69-Jährigen in Seulingen lebensbedrohlich verletzt haben sollen, sind auf freiem Fuß. Der Haftbefehl sei außer Vollzug gesetzt, bestätigt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Göttingen, Julia Reinecke. Die Tatverdächtigen hätten inzwischen eine Aussage gemacht.

Ulrich Lottmann 12.09.2013

„Das wirft kein gutes Licht auf Seulingen“ – So wie Bäckermeister Günter Habenicht  denken viele Einwohner. Großes Unbehagen herrscht im Ort nach der brutalen Attacke in der Nacht zum Sonntag, bei dem ein 69-jähriger Rentner von zwei Männern aus dem Ort mit Baseballschlägern zusammengeschlagen und lebensgefährlich verletzt worden war.

06.09.2013

Ein 69-jähriger Mann wurde in der Nacht zu Sonntag in Seulingen von zwei Männern zusammengeschlagen und lebensgefährlich verletzt. Vermutlich mit Baseballschlägern attackierten ein 26- und ein 30-Jähriger das Opfer gegen 0.25 Uhr vor dessen Wohnhaus. Der 69-jährige erlitt schwere Kopfverletzungen, wurde ins Göttinger Universitätsklinikum eingeliefert und notoperiert.

Ulrich Lottmann 02.09.2013