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Duderstadt 25 Kutschen in der Duderstädter Marktstraße unterwegs
Die Region Duderstadt 25 Kutschen in der Duderstädter Marktstraße unterwegs
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20:15 21.04.2014
Elegant: Zwei Warmblüter traben vor der leichten Wagonette durch die obere Marktstraße. Quelle: Richter
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Duderstadt

Angeführt wurde die Ausfahrt der Kutschen von einer Private Coach, gezogen von zwei Amerikanischen Belgiern.

Die beiden erst fünfjährigen Kaltblutpferde erreichen bereits ein Stockmaß bis zu 1,90 Metern, „aber sie sind noch nicht ausgewachsen“, erklärte Elke Redemann, die als Beifahrerin im roten Reisekostüm neben ihrem Mann Günther auf dem Kutschbock saß.

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Die Private Coach und einige weitere historische Kutschen gehören zum Fuhrpark von Günther und Dieter Redemann. Die beiden Brüder haben die Ausfahrt organisiert und dazu zahlreiche Kutschenfreunde aus dem Ober- und Untereichsfeld gewinnen können. 

Historische Wagen

So kamen historische Wagen wie die Victoria mit selten zu sehendem Tandemgespann (zwei Pferde hintereinander statt nebeneinander), verschiedene Wagonettes, Jagdwagen, Landauer und Kremser, aber auch moderne Marathonwagen zusammen.

Die Pferde waren so verschieden wie die Kutschen, die sie zogen. Pechschwarze Percherons und Friesen, kleine, aber kräftige Haflinger, elegante Araber, schwere Warmblüter oder wendige Welsh-Ponys marschierten brav durch die Menschenmassen und warteten geduldig vor der Tribüne an der Unterkirche, wo Alter und Rasse der Pferde, Besonderheiten des Kutschentyps und die Namen der Fahrer vorgestellt wurden.

200 eisenbeschlagene Pferdehufe dröhnten am Ostersonnabend durch die Marktstraße. 25 zum Teil historische Kutschen fuhren nacheinander auf, parkten vom Rathaus bis zur Unterkirche und wurden von Hubertus Werner, Vorsitzender des Duderstädter Stadtmarketings, unter Applaus vorgestellt. ©Richter

Die eindrucksvollen Zwei-PS-Wagen gaben Einblicke in Epochen, als das Reisen noch Zeit beanspruchte. In Biedermeierkostümen, Trachtenanzügen, Frack und Zylinder hatten die Fahrer ihre Gespanne durch das Eichsfeld gelenkt. Start war beim Kutschergasthof am Sonnenstein, der ebenfalls von der Familie Redemann betrieben wird.  „Meine Großmutter hat 1933 eine Speditionsfirma mit einem Pferdegespann gegründet.

Das Kutschefahren gehört also zur Familientradition“, erklärte Dieter Redemann. Die Speditionsfirma wird heute in der dritten Generation weitergeführt, „natürlich nicht mehr mit der Kutsche, sondern mit modernen Lkws“, betonte Dieter Redemann lachend.

Aber ein Faible für historische Fuhrwerke habe sich in der Familie bewahrt. Auch eine eiserne Feldküche, Baujahr 1906, die im Ersten Weltkrieg die Soldaten an der Front  versorgte, gehört zu den Raritäten. Auf der Marktstraße wurde die Feldküche wie vor hundert Jahren betrieben. Hier konnten die Fahrer einen kleinen Imbiss einnehmen, während die Pferde getränkt wurden.

Publikum begeistert

„Wir waren ganz begeistert, als Familie Redemann uns vorschlug, auf ihrer Kutschenausfahrt in Duderstadt Station zu machen“, freut sich Anka-Maria Walther vom Treffpunkt Stadtmarketing. Ursprünglich sei geplant gewesen, die Kutschen am Nachmittag des Ostersonnabends eintreffen zu lassen.

„Aber die meisten Zuschauer erreicht man am Ende ihrer Ostereinkäufe. Mittags ist die Stadt noch voll. Und es sind auch einige interessierte Gäste extra zur Kutschenschau gekommen“, sagte Walther. Das Publikum nahm die in diesem Jahr erstmalig gebotene Attraktion  begeistert an. „Wir hoffen, damit auch im kommenden Jahr das Osterwochenende bereichern zu können“, ließ Dieter Redemann bereits durchblicken.

Von Claudia Nachtwey