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Duderstadt 27 Jahre unter 4444 Notdienst geregelt
Die Region Duderstadt 27 Jahre unter 4444 Notdienst geregelt
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19:05 18.11.2010
Von Anne Eckermann
Spezialitäten-Schale als Anerkennung für „27 Jahre Dienst am Mitmenschen“: Stefan Gehrke, Annelore von Hof, Horst Reindell, Käthe Lins, Monika Anhuef und Alfons Merten (von links) bei der Verabschiedung im Duderstädter Stadthaus.
Spezialitäten-Schale als Anerkennung für „27 Jahre Dienst am Mitmenschen“: Stefan Gehrke, Annelore von Hof, Horst Reindell, Käthe Lins, Monika Anhuef und Alfons Merten (von links) bei der Verabschiedung im Duderstädter Stadthaus. Quelle: OT
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Die mittlerweile 73-jährige Duderstädterin hat fast 27 Jahre Wochenende für Wochenende und Feiertag für Feiertag das Notfall-Telefon des ärztlichen Notdienstes Duderstadt betreut und aufgeregten und nicht selten verängstigten Angehörigen oder Patienten mit ihrem freundlich-erfahrenen Wesen in Ausnahmesituationen zur Seite gestanden.
Jetzt wurde „Käthe Lins vom Steintor“ verabschiedet – nicht zuletzt, weil mit der Einrichtung der kassenärztlichen Notfall-Ambulanz im Duderstädter St. Martini-Krankenhaus der ärztliche Notruf unter 4444 („Das kannte jeder Duderstädter“) abgeschaltet ist. Im Beisein einiger Duderstädter Hausärzte sowie Annelore von Hof von der Stadtverwaltung Duderstadt ließ der Duderstädter Facharzt Stefan Gehrke die Jahre mit Käthe Lins noch einmal Revue passieren. „Sie waren unser lebendes Navigationssystem, denn ein elektronisches gab es damals noch nicht. Sie wussten, wo Schleichwege offen waren, in welchem Hinterhaus welche Familie wohnte, über welchen Hof wir an die richtige Haustür kamen oder wo wir nachts zum abgelegenen Ausssiedlerhof abbiegen mussten“, erinnerte sich Gehrke auch an ein Erlebnis, wo der Weg zum Rotenberger Haus in der Dunkelheit einfach nicht zu finden war.
Für Lins begann ihr nicht selten psychisch aufreibender Einsatz im Jahr 1985. Im Malteser-Haus war das Notarzt-Telefon installiert worden. Von sonnabends, 8 Uhr, bis montags, 8 Uhr hieß es für Lins Abschied nehmen von Mann und Kindern, denn diese Wochenend- oder Feiertagsstunden verbrachte sie neben dem Fernsprecher. „In der ersten Zeit gab es dort nicht einmal eine Liege, wo ich mich hätte einmal hinlegen können“ erinnert sich die humorvolle 73-Jährige, die ihr Alter Lügen straft, an manche „gruselige Stunde“ des Nachts allein im Gebäude am Schützenring. War nach einem Patienten-Anruf der Besuch des diensthabenden Arztes erforderlich, so verständigte ihn Lins in den ersten Jahren noch per Funk, lotste ihn an die richtige Adresse. „Das war manchmal ein Abenteuer, denn wir hatten besonders in und um die Bergdörfer Funklöcher“, schilderte Lins. 1994 sei es dann mit der Einführung des City-Rufs bedeutend einfacher geworden: „Die Ärzte waren jetzt überall erreichbar, außerdem konnte ich das Telefon endlich von zu Haus aus betreuen.“
Mindestens 195 Stunden pro Monat – bei mehreren Feiertagen kamen auch schnell mal 220 Stunden zusammen – verbrachte sie rund um die Uhr in der Nähe des Notfall-Telefons. Während ihrer seltenen Urlaube übernahmen später die mittlerweile erwachsenen Kinder die Aufgabe von Mutter Käthe: „Die ganze Familie hat mitgemacht, anders wäre das gar nicht machbar gewesen.“