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Duderstadt 2G im Einzelhandel ist gekippt, doch „das Weihnachtsgeschäft ist kaputt“
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2g im Einzelhandel ist gekippt, doch „das Weihnachtsgeschäft in Duderstadt ist kaputt“

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12:17 17.12.2021
2G im Einzelhandel ist Geschichte, doch das Weihnachtsgeschäft lässt sich nicht mehr retten, meint der Vorsitzende von Treffpunkt Stadtmarketing.
2G im Einzelhandel ist Geschichte, doch das Weihnachtsgeschäft lässt sich nicht mehr retten, meint der Vorsitzende von Treffpunkt Stadtmarketing. Quelle: Christina Hinzmann
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Duderstadt

„Die Einzelhändler sind absolut erleichtert, dass das Einkaufen nun wieder ein Stück weit unkomplizierter vonstatten gehen kann“, kommentiert Hubertus Werner, Vorsitzender von Treffpunkt Stadtmarketing Duderstadt (TSD), die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg, die 2G-Regelung für den niedersächsischen Einzelhandel wieder zurückzunehmen. Das OVG hatte die Regelung am Donnerstagnachmittag gekippt mit der Begründung, es handele sich bei 2G derzeit nicht um eine notwendige Schutzmaßnahme. Am Freitagvormittag sind in Duderstadt bereits die Hinweisschilder aus den Geschäften verschwunden, auch werden an die Kunden keine Bändchen mehr ausgegeben, mit denen sie dokumentieren würden, dass sie sich als geimpft oder genesen ausgewiesen haben.

Hubertus Werner (CDU) Quelle: r / Creativ Medien Osburg

Die „Bändchenlösung“ zur Vereinfachung der Umsetzung der 2G-Regel habe zwar in der Praxis funktioniert, und der Treffpunkt Stadtmarketing sei stolz darauf, gemeinsam mit den Händlern und Kunden so schnell einen gangbaren Weg umgesetzt zu haben. Möglicherweise aber habe manch ein Kunde dennoch in den vergangenen Tagen nicht so häufig die Geschäfte in der Innenstadt besucht, wie das in Zeiten vor der Pandemie im Advent der Fall gewesen wäre, glaubt Werner. Rund 10000 Bändchen seien an die etwa 40 beteiligten Geschäfte verteilt worden. Die meisten dürften im Umlauf sein. „8000 sind in den vier Tagen mindestens ausgegeben worden“, berichtet Anka-Maria Walther, TSD-Vorstandsassistentin.

Werner: „Die Verunsicherung der Leute ist ein Riesenproblem“

Das klingt viel, doch der Umsatz vieler Mitglieder von Treffpunkt Stadtmarketing spreche eine andere Sprache, meint Werner. Der Zusatzaufwand, sich beim Einkaufen einmal als geimpft oder genesen auszuweisen, sei dabei das kleinste Problem gewesen: „Die Verunsicherung der Leute ist das Riesenproblem“, meint Werner. Welche Regel gilt bundesweit? Welche in Niedersachsen? Welche ist aktuell und über welche wird in den politischen Gremien debattiert? Wer sich nicht permanent mit dem Thema auseinandersetze, habe Schwierigkeiten, hinter den sich häufig ändernden Regelungen hinterherzukommen. Auch heute habe bereits um 7 Uhr das erste Mal das Telefon geklingelt, weil es Nachfragen aus Händlerkreisen zur Entscheidung des OVGs gegeben habe.

Walther: „Das Bummeln ist weggefallen“

Auf die Frage nach dem „Was gilt?“ folge zudem automatisch die Frage nach dem „Was kommt als nächstes?“ – sowohl bei Kunden als auch bei Händlern, berichtet Werner. Darauf könne aber niemand guten Gewissens antworten. Daher habe das TSD-Team die nachbestellten Bändchen auch erst einmal nicht allzu weit weggelegt. Möglicherweise trete 2G im Einzelhandel ja doch wieder in Kraft. Zunächst aber hoffen die Vertreter der Duderstädter Innenstadtgeschäfte, dass sich während des Weihnachtsgeschäfts nun keine weiteren Änderungen mehr ergeben: „Wir brauchen jeden Umsatz. Die Auswirkungen der Pandemie sind so massiv, das kann sich kein Mensch vorstellen“, klagt Werner. Er befürchtet, dass sich einige Betriebe auch in Duderstadt nach den beiden umsatzschwachen Weihnachtsgeschäften im vergangenen und in diesem Jahr nicht so leicht wieder erholen werden. „Jeder, der mit Geschenkartikeln handelt, spürt ein Loch in der Kasse“, berichtet er. Gleiches gelte beispielsweise auch für Bekleidungshändler, die auf festlicher Kleidung sitzen blieben, weil die Anlässe fehlten. „Wenn man eh nur im Kreise der Familie feiern kann, wird sich manch einer überlegen, doch im Jogginganzug unterm Baum zu sitzen“, bringt Werner das Problem auf den Punkt. 2G habe beim emotionalen Kleiderkauf eine zusätzliche Rolle gespielt: „Das Bummeln ist weggefallen“, erklärt Walther.

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Durch den Wegfall der Hürde des Geimpften- oder Genesenennachweises dürfte sich die Lage in den kommenden Tagen wieder etwas entspannen, glauben Werner und Walther. Das Weihnachtsgeschäft werde das nicht mehr retten, aber vielleicht den Kunden den Weg in die Stadt doch ein wenig erleichtern und sie davon abhalten, die letzten Weihnachtsgeschenke im Internet zu kaufen. Damit das so bleiben könne, appelliert das TSD-Team an Kunden in der Duderstädter Innenstadt, sich weiter an die Abstands- und Hygieneregeln zu halten und beim Einkauf eine medizinische oder FFP2-Maske zu tragen.

Um bei all den negativen Nachrichten das positive Denken nicht zu vergessen: Durch den Wegfall von 2G im Einzelhandel gebe es nun wieder ein Argument mehr für das Einkaufserlebnis vor Ort. Treffpunkt Stadtmarketing versüße es weiterhin durch seine Weihnachtsverlosung, bei der wöchentlich Gutscheine im Wert von 400 Euro verlost werden, in der letzten Aktionswoche zusätzlich ein Treffpunkt-Gutschein über 100 Euro. Kunden wird in den teilnehmenden Geschäften ein Weihnachtslos ausgehändigt, das sie in das Loshäuschen an der Marktstraße 45 einwerfen können. „Damit bedanken wir uns bei den Kunden, dass sie in Duderstadt einkaufen“, erklärt Walther – egal, welche Regel aktuell gelte.

Von Nadine Eckermann