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Duderstadt 4000 Gläubige pilgern zu Maria in der Wiese
Die Region Duderstadt 4000 Gläubige pilgern zu Maria in der Wiese
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17:00 02.07.2017
Von Kuno Mahnkopf
Quelle: Kracht
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Germershausen

Während bei Messen in den Dorfkirchen bisweilen gähnende Leere herrscht, kann die katholische Kirche zunehmend außerhalb der Kirchenmauern punkten. Wallfahrten als Momente der Kontemplation und des Innehaltens im hektischen Alltag liegen im Trend - ob Santiago de Compostela oder Germershausen. Dazu passt das Bistumsprojekt Segensorte. In Germershausen konnten die Pilger auf Karten ihre Segensort-Geschichten aufschreiben, die zu einem Buch zusammengefasst werden sollen.

Bei aller Besinnlichkeit kommt aber auch die Kirche nicht ums Internet herum. In diesem Jahr hat das Germershäuser Wallfahrtsteam digitales Neuland betreten. Mit der Ankündigung der Großen Wallfahrt habe man bei Facebook mehr als 4000 Menschen erreicht, sagt Cornelia Kurth-Scharf: "Wir wissen, dass die neuen Medien die christliche Gemeinschaft sowie das Miteinander in unserer Kirche nicht ersetzen. Aber so erreichen wir viele Menschen, die wir für unseren Wallfahrtsort und unseren Glauben begeistern können."

Priester, Diakone, Messdiener, Kolpingfamilien, Frauengemeinschaften und Pfadfinder aus dem ganzen Eichsfeld strömten am Sonntag zusammen, auf der Wiese an der Kirche "Mariä Verkündigung" wurden zahllose Wallfahrtsstühle aufgeklappt. Schon am Vortag wurde der Ort herausgeputzt, die Straßen gefegt und beflaggt.

Schutzengel-Handschmeichler, Kruzifixe, Kerzen, Weihwasser, Pilgerpässe, Fahrradplaketten und Weihrauchschwaden gehörten ebenso zur Wallfahrt wie Versorgungsstände, Angebote für Kinder und ein Kreuzweg. Am Montag klingt die Große Wallfahrt nach dem um 9.30 Uhr von Propst Bernd Gallusche zelebrierten Gottesdienst mit einem "Mitbringbuffet" auf der Wallfahrtswiese aus. 

Fotomotiv Weihbischof 

Vom Duderstädter Blasorchester begleitet wurde die Messe am Sonntag. "Wir haben die Gottesmutter hierhergetragen, damit sie in unserer Mitte ist, sagte Bongartz am Gnadenbild aus dem 15. Jahrhundert: "Dort werden wir mitgenommen zu Jesus Christus." Die Predigt des Weihbischofs kreiste um Bilder und Bildnisse.

"Fotografieren kann Spaß machen, fotografiert zu werden, nicht immer", sprach Bongartz aus eigener Erfahrung. Seit er Bischof sei, bleibe ihm das nicht erspart. "Jedes Bild, das wir uns von einem anderen machen, kann nur unvollständig sein und ist mit Eingrenzung verbunden", sagte Bongartz und leitete zum nicht immer eingehaltenen Gebot der christlich-jüdischen Tradition über, sich kein Bild von Gott machen zu dürfen: "Gott ist größer als unsere Vernunft und unser Denken, als alle Bilder, die wir uns von ihm machen können. Es gehört zu seinem Wesen, dass er gesucht werden muss."

Mit Jesus Christus habe der unsichtbare Gott der Welt ein Bild geschenkt: "Nur im Anschauen seine Bildes werden wir gewandelt und können mithelfen, dass diese Welt mit Kriegen und Menschenverachtung gewandelt wird."

Als Projekt für den Wallfahrtsort nannte Kurth-Scharf die Erneuerung der Mikrofonanlagen. Priorität habe aber die von der EU bezuschusste weitere Ausmalung der Kirche. 50000 Euro fehlten noch zur Finanzierung. Die Kollekte bei der Wallfahrt dürfte dazu beitragen, dass diese Summe ein wenig kleiner wird.