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Duderstadt 72-Stunden-Aktion: Jugendliche engagieren sich für guten Zweck
Die Region Duderstadt 72-Stunden-Aktion: Jugendliche engagieren sich für guten Zweck
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00:18 21.06.2013
Aufklärung: Plakat informiert über die 72-Stunden-Aktion.
Aufklärung: Plakat informiert über die 72-Stunden-Aktion. Quelle: BL
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Duderstadt

Ziel der Aktion ist es, Jugendlichen, die sonst weniger Zeit oder Lust haben, sich in Vereinen oder Verbänden einzubringen, eine Chance zu geben, sich für das Allgemeinwohl zu engagieren. Das kann im sozialen, ökologischen, interkulturellen oder politischen Bereich sein.

Am Donnerstag um 17.07 Uhr trafen sich die Eichsfelder Teilnehmer mit den Mitarbeitern des Jugendzentrums Emmaus vor der Propsteikirche St. Cyriakus, wo die Gruppen ausgelost wurden. Hilfe brauchten viele Institutionen: In Westerode sollte die Außenanlage des Kindergartens umgestaltet werden, ebenso der Schulhof des Kindergartens in Mingerode.

Im Lorenz-Werthmann-Haus der Caritas sollte die Demenzgruppe mit einer Blumenpflanzaktion betreut werden. Ausbesserungsarbeiten sollten in der Kapelle des Duderstädter Hauses St. Georg, im Tierheim und in den Kindergärten Seulingen, Bilshausen und Gieboldehausen geleistet werden.

Acht angehende Erzieher der Duderstädter Vinzenz-von-Paul-Schule waren überrascht, als das Los entschied, dass sie ihre 72 Stunden im Grenzlandmuseum bei Teistungen leisten sollten. „Wir sind ja keine Historiker und hatten Angst, dass wir unserer Aufgabe nicht gewachsen sind“, beschreibt Laura den ersten Eindruck, und die Gruppe stimmt zu.

Charlotte ist die einzige, die vorher schon mal im Grenzlandmuseum war, obwohl alle Jugendlichen aus der Region stammen. Nach dem ersten Treffen mit Ben Thustek als pädagogischen Leiter des Museums stand jedoch fest: „Das schaffen wir!“ Die Gruppe sollte nämlich den Besuchern einen Einblick in den Wachturm auf dem Pferdeberg geben.

72-Stunden-Aktion: Jugendliche engagieren sich in Duderstadt

Dazu hatten sie von Thustek und vom Historiker Erhardt Neubert zunächst eine Einführung bekommen, anschließend einen Kurz-Rundgang durch das Museum. Der Turm liegt allerdings deutlich außerhalb und zudem weit oben auf dem Pferdeberg – also mitten im Grünen. Kurze Zweifel, ob das hier die langweiligsten drei Tage ihres Lebens werden könnten, waren bei den Jugendlichen schnell verflogen, als sie die Atmosphäre, den geschichtlichen Hintergrund und die Zahlen der an der Grenze Erschossenen, aber auch der gelungenen Fluchtversuche hörten.

Und der gute Zweck? „Das Museum kann sich keinen Mitarbeiter leisten, der hier jeden Tag vor Ort ist. Der Turm kann nur im Rahmen einer gebuchten Führung besucht werden. Durch die Hilfe der Jugendlichen ist es drei Tage lang möglich, allen Museumsbesuchern den Turm zu öffnen und Informationen zu bieten“, erklärt Thustek.

Und ein weiterer Grund spricht für dieses Projekt: „Hier entsteht Kontakt zwischen den Generationen. Die Jugendlichen haben Gelegenheit, mit Zeitzeugen zu sprechen, und die ältere Generation hat Gelegenheit zu fragen, warum Jugendliche sich für die Allgemeinheit engagieren“, so Thustek.

Am Sonntagabend um 17.07 Uhr trafen sich die Gruppen mit ihren neuen Erfahrungen wieder an der St.Cyriakus-Kirche, um die 72-Stunden-Aktion gemeinsam zu beenden. Auch die Gruppe am Grenzlandmuseum zeigte sich begeistert. Langweilig war es keineswegs, und viele Leute nutzen das zusätzliche Angebot des Grenzlandmuseums.

Linda resümiert für das Team: „Wir empfinden die Aktion als absolut gelungen und wiederholungsbedürftig.“ Sie lobt den Austausch mit Zeitzeugen, wodurch auch für die Jugendlichen die deutsche Geschichte spannender und lebendiger geworden sei. Einige aus der Gruppe würden jederzeit wieder an so einer Aktion teilnehmen, bestätigt sie.

Benjamin Würstlein zeigt sich als Jugendreferent des Emmaus und Initiator der Aktion im Eichsfeld ebenfalls sehr zufrieden. „Das Emmaus-Team ist überwältigt vom Engagement und Verlauf der 72-Stunden-Aktion“, sagt er. Zum Abschluss trafen sich alle 130 Teilnehmer im Pfarrheim zum Abendessen, wo der Schirmherr, Duderstadts Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU), Bürgermeisterin Marlies Dornieden (CDU) aus Gieboldehausen und Propst Bernd Galluschke den Jugendlichen für ihr Engagement dankten.

Von Claudia Nachtwey