Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Duderstadt Angeklagter gesteht Otto-Bock-Bestechung
Die Region Duderstadt Angeklagter gesteht Otto-Bock-Bestechung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:38 16.06.2011
Von Jürgen Gückel
Korruptionsfall bei Otto Bock: Der Angeklagte hat die Bestechung zugegeben, ihm drohen jetzt bis zu drei Jahre Gefängnis.
Korruptionsfall bei Otto Bock: Der Angeklagte hat die Bestechung zugegeben, ihm drohen jetzt bis zu drei Jahre Gefängnis. Quelle: Tietzek
Anzeige
Göttingen

Bisher hatte der Türke, faktischer Geschäftsführer einer Klimaanlagen-Firma, bestritten, den früheren Leiter der Bauabteilung bestochen zu haben. Am Mittwoch sagte er: Ja, er habe dem Otto-Bock-Mitarbeiter regelmäßig Summen zwischen 500 und 15 000 Euro bar ausgehändigt, damit dieser überzogene Rechnungen zur Zahlung anweist. Rund 150 000 Euro habe dieser von ihm erhalten. Der Schaden dürfte 800 000 Euro betragen.
Allerdings: Die Summen beziehen sich nur auf jenen Zeitraum, auf den sich das Gericht derzeit noch konzentriert.

Denn dem Geständnis vorausgegangen war eine verfahrensbeschleunigende Absprache: Das Gericht stellte gut ein Dutzend der Anklagepunkte ein und urteilt nur noch über die, die nach einer vorausgegangenen Verurteilung des Angeklagten wegen Steuerhinterziehung (eineinhalb Jahre auf Bewährung) liegen. Zugleich stellte das Gericht eine Höchststrafe von drei Jahren in Aussicht.

Der Angeklagte verzichtet zum Zwecke der Schadenswiedergutmachung auf sein bei ihm sichergestelltes Privatvermögen von 180 000 Euro. Und er will auch, falls das Finanzamt der Firma seiner Frau zu viel gezahlte Steuer erstattet, diese für die Schadenswiedergutmachung verwenden.

Dadurch, dass er die überhöhten Rechnungen ordentlich versteuert hatte, war der Korruptionsfall aufgeflogen. Das Finanzamt hatte errechnet, dass man mit so wenig Personal- und Wareneinsatz niemals einen so hohen Gewinn machen könne. Insgesamt, so Verteidiger Harald Noack, sei es den Beteiligten der Bestechung „relativ leicht gemacht worden“. Es habe bei Otto Bock ein Klima des Vertrauens bestanden, das Mitarbeiter zwar motivieren könne, sich aber leicht missbrauchen lasse. Der Angeklagte betonte, dass die Initiative, gegen Geld jede Rechnung durchzuwinken, vom Bestochenen ausgegangen sei.