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Duderstadt Nach Angriff auf Journalisten: Anklage gegen Neonazis
Die Region Duderstadt Nach Angriff auf Journalisten: Anklage gegen Neonazis
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15:57 22.02.2019
Der Angreifer in Fretterode mit dem Schraubenschlüssel. Quelle: r
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Fretterode/Mühlhausen

Den beiden 18 und 25 Jahre alten Männern wird vorgeworfen, zwei Journalisten aus Göttingen, die das Anwesen des Thüringer NPD-Funktionärs Thorsten Heise in Fretterode fotografiert und gefilmt hatten, verfolgt und angegriffen zu haben. Nach einer spektakulären Verfolgungsjagd durch Fretterode und Gerbershausen mussten die beiden Fotografen auf der Landstraße am Ortseingang von Hohengandern ihren BMW stoppen. Die maskierten Männer gingen sofort zum Angriff über. Mit Reizgas, Baseballschläger, Schraubenschlüssel und einem Messer bewaffnet sollen sie die Fotografen und deren Auto attackiert haben.

Schlag mit Schraubenschlüssel

Einer der beiden Journalisten erlitt eine Stichverletzung am Bein, der andere eine Platzwunde am Kopf durch einen Schlag mit dem Schraubenschlüssel. Zudem wurde der BMW der Fotojournalisten erheblich beschädigt. Außerdem raubten sie deren Fotoausrüstung.

Anwohner hatten damals die Polizei alarmiert. Als Verdächtige wurden der Sohn Heises und Gianluca B. ermittelt. B. hatte 2016 als Kandidat der NPD für den Kreistag in Northeim kandidiert. Beide sind jetzt Beschuldigte in der Anklage der Staatsanwaltschaft. Als Beweismittel dienten unter anderem die Fotos der Speicherkarte aus der Kameraausrüstung der Angegriffenen. Die Karte hatten sie noch vor dem Angriff aus der Kamera genommen.

Verhandlung vor der Jugendkammer

Weil der Heise-Sohn zum Tatzeitpunkt noch Heranwachsender war, sei die Jugendkammer des Gerichts für den Prozess zuständig, erklärte die Staatsanwaltschaft. Die Strafverfolgungsbehörde rechne mit „einem hochstreitigen Verfahren“, erklärte deren Sprecher Dirk Germerodt. Vonseiten der Angeklagten gebe es keine Einlassungen zur Sache, solche seien auch nicht zu erwarten. Einen Verhandlungstermin hat das Landgericht Mühlhausen noch nicht anberaumt.

Der Göttinger Anwalt Sven Adam, Rechtsvertreter eines der attackierten Journalisten, erklärte, er werte den Angriff zum Teil als versuchte Totschlagsdelikte. Der bei der Tat verwendete etwa 50 Zentimeter lange, schwere Schraubenschlüssel sei geeignet gewesen, einen Menschen zu töten. Ebenso hätte der Angriff mit dem Messer auf den anderen Journalisten tödlich enden können. Bei derartigen Attacken sei anzunehmen, dass die Angreifer einen tödlichen Ausgang ihres Handelns zumindest billigend in Kauf genommen hätten.

Die Opferberatung Ezra hatte der Staatsanwaltschaft mangelnde Konsequenz bei den Ermittlungen vorgeworfen. Trotz eindeutiger Zeugenaussagen, Identifizierungen durch die Betroffenen und Fotos, die vom Angriff vorlägen, seien die zwei tatbeteiligten Neonazis nicht in Untersuchungshaft genommen worden, kritisierte der Verein in Trägerschaft der Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Der Sprecher der Mühlhäuser Staatsanwaltschaft wies die Vorwürfe erneut zurück. Es habe keine nachvollziehbaren Haftgründe gegeben.

Von Matthias Heinzel / epd

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