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Duderstadt Anreischke führt 1000 Teilnehmer an
Die Region Duderstadt Anreischke führt 1000 Teilnehmer an
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19:29 10.07.2011
Gekrönt von einer Schützenliesel-Puppe: der Bänderbaum des Rollshäuser Schützenvereins.
Gekrönt von einer Schützenliesel-Puppe: der Bänderbaum des Rollshäuser Schützenvereins. Quelle: Thiele
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Ein lauter Böllerschuss erinnerte die knapp 1000 Teilnehmer und das Publikum um kurz vor 14 Uhr daran, dass der Start des Umzugs unmittelbar bevorstand. Angeführt vom Anreischke setzten sich wenige Minuten später Fußgruppen, Festwagen und Musikzüge in Bewegung.

Besondere Hingucker waren thematisch gestaltete Wagen, die das erste Vogelschießen der Schützen in Duderstadt und den Mittelpunkt Deutschlands in Krebeck darstellten. Die Schützen aus Rollshausen folgten einem Bänderbaum. Erinnerungen an den Karneval wurden beim Wagen der Lebenshilfe wach: Die Mitfahrenden warfen Bonbons ins Publikum. Die Brauerei aus Neunspringe fuhr mit einem alten Bierwagen zum Ziel auf dem Festplatz Talwiese.

Vor dem Umzug und nach einem von Propst Bernd Galluschke und Pastor Karl Wurm gestalteten ökumenischen Gottesdienst hatten sich Repräsentanten des Schützenverbandes und des gesellschaftlichen Lebens zum Festakt im Rathaus eingefunden. Professor Dr. Willy Werner, Sohn des Ehrenvorsitzenden Ernst-Wilhelm Werner, befasste sich in seinem Vortrag mit der Historie des Schützenwesens im Eichsfeld, seiner heutigen Bedeutung und künftigen Herausforderungen.

Schießsport ist der „Kampf mit dem eigenen Ich“ und fördert die Persönlichkeitsentwicklung bis ins hohe Alter, betonte Werner. Beim Sportschießen sammelten Akteure die Erfahrung, „dass man allein verantwortlich ist für sein Handeln.“ Hinsichtlich der durch die Amokläufe in Erfurt und Winnenden ausgelösten Diskussionen erinnerte er an den Spruch, der unter der Bogenschützin des Duderstädter Schützenbrunnen steht: „Wir spielen, aber wir verletzen nicht.“

Dem Verband wünschte der Redner eine größere sportliche Ausstrahlung. Dazu könnten Mannschaften beitragen, die in der Regional- und Bundesliga erfolgreich seien und den Namen Eichsfeld deutschlandweit vertreten.
Einen Mangel sieht Werner in der Integration von Zuwanderern. Nicht-deutschstämmige Mitglieder würden weitgehend in den Schützenvereinen fehlen. „Da haben die Schützen noch einiges nachzuholen.“

Der erste Vorsitzende des Schützenverbands Eichsfeld, Robert Kopp, ließ wichtige Stationen aus der Geschichte des Zusammenschlusses kurz Revue passieren und erinnerte daran, dass sein Vorgänger Ernst-Wilhelm Werner vom Niedersächsischen Institut für Sportgeschichte für seine Chronik über 700 Jahre Eichsfelder Schützenwesen ausgezeichnet worden sei. „Wir sind stolz auf Dich“, sagte Kopp unter lautem Beifall zum Ehrenvorsitzenden des Verbandes.

Zum Auftakt des von den Duderstädter Jagdhornbläsern umrahmten Festaktes hatte Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) dem Verband „Dank für gelebtes zukunftsorientiertes Schützenwesen“ gezollt. Der stellvertretende Landrat Lothar Koch (CDU) hob die Bedeutung des Schützenverbandes als „Eichsfeld-Klammer“ hervor. Die Institution fördere mit ihren Aktivitäten die „landsmannschaftliche Geschlossenheit“.

An die „wichtige Scharnierfunktion im Bereich unserer geliebten Heimat“ erinnerte auch Alfons Wüstefeld. Das Präsidiumsmitglied des Heimat- und Verkehrsvereins Eichsfeld regte an, die Schießwettbewerbe um die Ehre eines Kreistagskönigs mit Abgeordneten aus dem gesamten Eichsfeld wiederzubeleben.

Von Axel Artmann