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Duderstadt Archäologen sichern Funde im Löwenquartier
Die Region Duderstadt Archäologen sichern Funde im Löwenquartier
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18:46 19.03.2012
Von Heinz Hobrecht
Begutachten einen Teil eines Trinkgefäßes: Archäologe Sauerland (rechts) und Kollege Oliefka.
Begutachten einen Teil eines Trinkgefäßes: Archäologe Sauerland (rechts) und Kollege Oliefka. Quelle: Blank
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Duderstadt

Während die Forscher um Stephan Sauerland aus Göttingen von einem Glücksfall in der Innenstadt von Duderstadt sprechen, stellt sich die Situation für Bauleiter Bernd Kemmerling auf der Großbaustelle im Löwenquartier kompliziert dar. Denn schon im Juni, noch vor dem Tag der Niedersachsen, soll das Löwenquartier samt neuem Wellnessbereich nach einer Komplettsanierung und Erweiterung wieder eröffnet werden (Tageblatt berichtete). Die Zeit drängt – doch in welchem Zeitraum die Grabungen abgeschlossen sein werden, ist jetzt noch nicht abzusehen.

Vier Kloaken

Im Rahmen einer Prospektion, wie sie beim Erkunden und Aufsuchen von archäologischen Stätten im Boden  vorgeschrieben ist, hat Sauerland auf der Baustelle des Löwen drei kontrollierte Löcher, auch Schnitte genannt, ausheben lassen, die er gemeinsam mit Olaf Oliefka, Nicole Eichhorn und Silvia Thüne untersucht. Im Laufe der vergangenen Wochen hat das Archäologenteam auf dem Freigelände zwischen dem Vorderhaus zur Marktstraße und dem Hinterhaus zur Kurzen Straße zwei Grubenhäuser beziehungsweise Erdhütten sowie einen Erdkeller ausfindig gemacht. Außerdem ist das Team auf vier Kloaken gestoßen.

Sehr vorsichtig, zum Teil mit kleinen Kellen und Stukkateurwerkzeugen, gehen die Archäologen bei ihren Feinputzarbeiten vor. Unter den Kleinteilen, die beim Durchsuchen verschiedener  Erdschichten gefunden wurden, befinden sich Scherben, Holz, Leder sowie Knochen in verschiedenen Variationen. Neben dem Oberkiefer eines Schweins fanden sich vornehmlich Knochen von Schafen und Ziegen wieder.

Neue Erkenntnisse

Nachdem man zunächst davon ausgegangen sei, auf Dinge aus der Zeit der Renaissance und des Barocks zu stoßen, ließen Funde inzwischen auf weitaus frühere Zeiten wie das Hoch- und Frühmittelalter, in der Zeit des 12. beziehungsweise sogar achten Jahrhunderts, schließen, berichtet Forscher Oliefka. Mit einer Reihe neuer Erkenntnisse bei der Stadtwerdung Duderstadt könne gerechnet werden, ist sich Archäologe Sauerland sicher.

Wie Bauherr und Investor Hans Georg Näder, der von den Grabungsarbeiten in Kenntnis gesetzt wurde und diese wohlwollend betrachtet, sieht auch Bauleiter Kemmerling in den Untersuchungen  eine historische Chance. Möglicherweise würden die Ergebnisse der Grabungen in die Neugestaltung des Löwenquartiers mit einfließen, kündigte der Bauleiter am gestrigen Montag an, als sich auch Hotelbetreiber Franz-Josef Otto ein Bild von den Arbeiten auf der Baustelle verschaffte. Möglicherweise könne es eine Ausstellung oder Dokumentation über die archäologischen Arbeiten geben, deutete Kemmerling an.