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Duderstadt „Einschüchterung und Abschreckung“: So funktionierte die DDR-Haftanstalt Schwedt
Die Region Duderstadt „Einschüchterung und Abschreckung“: So funktionierte die DDR-Haftanstalt Schwedt
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00:24 15.04.2019
Arno Polzin spricht im Grenzlandmuseum Eichsfeld über den DDR-Militärstrafvollzug. Im Mittelpunkt steht dabei die Strafanstalt in Schwedt. Quelle: Markus Hartwig
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Der Militärstrafvollzug der ehemaligen DDR ist nur ein Schwerpunkt in der Arbeit von Arno Polzin. Der Sachbearbeiter Recherche und Forschung beim BStU Berlin (Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik) hat sich in einem Vortrag am Donnerstag mit dem Alltag im Militärgefängnis Schwedt befasst. Anlass des Auftritts im Grenzlandmuseum Eichsfeld war Polzins aktuelle Veröffentlichung „Mythos Schwedt: DDR-Militärstrafvollzug und NVA-Disziplinareinheit aus dem Blick der Staatssicherheit“.

System von Befehl und Gehorsam

Ab 1968 war die Stadt Schwedt Standort des DDR-Militärstrafvollzugs, und für nahezu jeden wehrpflichtigen DDR-Bürger ein negativ besetzter Begriff. Hier verbüßten Grundwehrdienstleistende der NVA und der Grenztruppen sowie länger dienende Soldaten und Unteroffiziere auf Zeit bis zu zweijährige Strafen. Die dort praktizierte Kombination von Freiheitsentzug mit Schichtarbeit, militärischem Drill und politischer Schulung bedeutete gegenüber anderen Gefängnissen eine verschärfte Situation, auch wenn die in Schwedt maximal zu verbüßende Strafhöhe „nur“ zwei Jahre betrug. Verschärft wurde die Strafsache auch dadurch, dass die verbüßte Zeit trotz anhaltender Zugehörigkeit zur Armee nicht als Wehrdienst angerechnet wurde, und die jeweiligen Strafen nachzudienen waren. Aus 18 Monaten Wehrpflicht konnten so mehrere Jahre werden. „Es war ein System von Befehl und Gehorsam unter Militärbedingungen“, bezeichnet Polzin die Zustände im Militärstrafvollzug der DDR. Es diente dazu, Untergebene zu disziplinieren.

Mündlich vorgetragene Strafen

Bis 1982 war das Ministerium des Innern für die Haftanstalt zuständig, danach übernahm das Ministerium für Nationale Verteidigung das Ruder. Im Rahmen dieses Wechsels wurde das Portfolio an Strafen „in Schwedt“ um den „Dienst in der Disziplinareinheit“ erweitert. Ab diesem Zeitpunkt waren Kommandeure größerer Einheiten autorisiert, für geringfügige Delikte Strafen von bis zu drei Monaten auszusprechen. Polzin: „Es war nur ein mündlich vorgetragener Befehl unter Umgehung der einschlägigen Strafprozess- und Gerichtsordnungen.“

Schwedt war zuständig für Militärstraftaten. Polzin bemerkt hier aber einen fließenden Übergang: Standen Delikte der allgemeinen Kriminalität in Zusammenhang mit dem Wehrdienst, führte diese Kombination den Delinquenten ebenfalls nach Schwedt.

Mehr als 900 Akten

Polzin konnte als Mitarbeiter der Stasiunterlagenbehörde mehr als 900 Akten durchsehen. Aus ihnen ermittelte er für den Zeitraum von 1968 bis 1989 eine Gesamtzahl von fast 10000 Insassen. Auf den ersten Blick erscheint diese Zahl hoch. Dennoch sagt der Autor, diese Zahl zeige, dass das Militärgefängnis nicht ausgelastet gewesen sei.

Zwangsarbeit im Schichtdienst

Schwedts strenges Haftregime war gekennzeichnet durch die Kombination aus militärischer Ausbildung, politischen Schulungen und Zwangsarbeit im Schichtdienst. „Die schweren körperlichen Arbeiten, meist Betonarbeiten, haben die Inhaftierten einer hohen Gesundheitsgefährdung ausgesetzt“, so der Referent weiter. Es sei ein sorgloses Umgehen mit den Belangen der Insassen gewesen. Polzin bezeichnet dies als „Schikanöse Elemente“ seitens des Staatsapparates.

Der Mythos Schwedt hat funktioniert

Einschüchterung und Abschreckung – der Mythos Schwedt hat funktioniert“, lautet Polzins Fazit. Dazu gehöre, dass die „besondere Härte der Bestrafung unverhältnismäßig in das Leben der jungen Menschen eingegriffen“ habe. Das Zusammenspiel aus körperlicher Strafe und politischer Disziplinierung habe zu einer „Beschallung mit roter Ideologie“ geführt.

Von Markus Hartwig

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