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Duderstadt „Baby wider Willen“ sorgt für wilde Turbulenzen
Die Region Duderstadt „Baby wider Willen“ sorgt für wilde Turbulenzen
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18:20 12.03.2012
Nicht alltäglicher Blick in die Amtsstube: Turbulente Szenen spielen sich auf der Bühne im Elfer-Ratskeller ab.
Nicht alltäglicher Blick in die Amtsstube: Turbulente Szenen spielen sich auf der Bühne im Elfer-Ratskeller ab. Quelle: Walliser
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Mingerode

Als sich der Vorhang öffnet, blicken die Besucher in die Amtsstube eines Rathauses. Büroangestellte Sonja (Julia Otto) bedient die Tastatur ihres Computers. Da betritt der schlitzohrige Landstreicher Theo (Werner Grobecker) den Raum – mit einem alten Kinderwagen, in dem er seine Habseligkeiten hinter sich her zieht. Theo eilt der Ruf voraus, dass überall dort, wo er auftaucht, jemand ein Kind bekommt oder etwas Dummes passiert. Als Bürgermeister Hans Hermann Himmelreich (Sebastian Wüstefeld) auf seine energische und kosmetikbegeisterte Mutter Erika (Karina Hoppmann) hört und statt seine Frau Christa (Susanne Brockmann) vom Bahnhof abzuholen lieber bei einer Einweihungsfeier redet, nimmt das Unheil seinen Lauf.

Die Gattin greift unbeabsichtigt eine Tasche mit einem Säugling. Ihr Mann ist zunächst wenig erfreut über das „Baby wider Willen“, steht es doch seiner möglichen Karriere als Landrat entgegen. Doch der kleine Lukas, so wird der Säugling mit einem Schnaps getauft, wächst ihm allmählich ans Herz. Derweil hat die dienstbeflissene Kommissarin Pia Schellenbrink (Ines Mantel) längst Ermittlungen wegen Kindesentführung aufgenommen. Der Säugling muss versorgt werden, und somit führen alle Spuren ins Rathaus.

Bürgermeister will sich Polizei stellen

Immer wieder wirbelt die notorische Nörglerin Frieda Schäufele (Gabi Kunze) über die Bühne, die jeden anschwärzt und im Landstreicher Theo den Kern des Übels sieht. Der wiederum dreht den Spieß um und bringt Frieda in die Bredouille. Zwischendurch mischt sich desöfteren der bedächtige, aber durchaus geschäftstüchtige Gemeindemitarbeiter Peter (Christian Barke) ins Geschehen ein, an dessen Besenstiel sich die Schnecken Wettrennen liefern.

Der Bürgermeister will sich schließlich der Polizei stellen. Doch Theo macht der Polizei glauben, das vermisste Kind sei vom vermeintlichen Täter direkt vor dem Rathaus ausgesetzt worden. Das Baby kann der Mutter zurückgebracht werden. Die Beteiligten sind froh, ungeschoren davongekommen zu sein. Nur der Bürgermeister ist traurig über den Verlust des inzwischen liebgewonnenen Kindes. Da Komödien nie traurig enden, verfliegt des Bürgermeisters Schmerz um den „verlorenen Sohn“ mit der Nachricht seiner Gattin, dass er Vater wird.

Die Inszenierung der Mingeröder Gruppe bekommt zusätzlichen Reiz durch Anspielungen auf örtliche Gegebenheiten und aktuelle Bezüge bis hin zu Christian Wulff. Szenenapplaus und lang anhaltender Schlussbeifall belohnt die Akteure für die gelungene Aufführung.

Von Axel Artmann