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Duderstadt Begegnung mit Heinz Sielmann hat angespornt
Die Region Duderstadt Begegnung mit Heinz Sielmann hat angespornt
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19:01 14.09.2009
Historische Aufnahme: Heinz Sielmann und Kameramann mit Friedrich-Karl Schöttelndreier an der ehemaligen Grenze.
Historische Aufnahme: Heinz Sielmann und Kameramann mit Friedrich-Karl Schöttelndreier an der ehemaligen Grenze.
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Immer wieder hat der Bundespolizeibeamte im Ruhestand in den vergangenen Jahrzehnten über die Grenzen des Eichsfeldes hinaus mit seiner Greifvogel- und Eulenstation für Schlagzeilen gesorgt. Neben Fotografen und schreibenden Kollegen des Eichsfelder und Göttinger Tageblatts stellten sich regelmäßig überregionale Medien sowie Funk und Fernsehen im Winkel 14 in Rüdershausen ein.

Vom Waldrapp „Bibo“ über Turmfalken mit gebrochenen Flügeln bis hin zu pflegebedürftigen Schleiereulen hat Natur- und Umweltschützer Schöttelndreier in seiner Station so ziemlich alles, was „kreucht und fleucht“, unter seine Fittiche genommen und wieder aufgepäppelt. Bei Terminen mit dem Rüdershäuser ging es nicht selten um Begriffe wie „Sensation“, „Einmaliges“ oder „ganz Besonderes“.

Auf vielen Fotos, die Schöttelndreier und seine gefiederten Schützlinge zeigen (auch in der Presse) spiegelt sich die Zuneigung zwischen Mensch und Kreatur wider. Der ehemalige Bundesgrenzschützer, der seit einigen Jahren in Ruhestand ist, hat sein Leben vollends auf seine Leidenschaft, den Natur- und Umweltschutz, ausgerichtet. In einem separaten Gebäude neben dem Fachwerkhaus im Altdorf von Rüdershausen befindet sich die Greif- und Eulenstation.

Ein Steinkauz aus Holland, der zurzeit zur Blutauffrischung in Rüderhausen lebt, ist Anlass, Rückschau auf Schöttelndreiers Projekt „Rettet den Steinkauz“ zu halten. Als Mitglied des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), ehemals Deutscher Bund für Vogelschutz (DBV), leitet der gebürtige Schleswig-Holsteiner seit 1977 ehrenamtlich die staatlich anerkannte Nabu- Greif- und Eulenstation. Die Heirat mit Ehefrau Anneliese, die aus Rüdershausen stammt, hat den gelernten Bootsmann und Grenzschützer ins Eichsfeld verschlagen.

Hauptaufgabe und Ziel der Vogelstation ist die Aufnahme und Pflege von verletzten, jungen, kranken und/oder nicht flüggen Tages- und Nachtgreifvögeln. „Schon lange war mir aufgefallen, dass der früher im Eichsfeld ansässige Steinkauz verschwunden war“, berichtet Schöttelndreier über die Beweggründe, eine Aufzucht- und Pflegestation in der Region ins Leben zu rufen.

158 Käuze nachgezüchtet

Von 1984 bis 2009, so berichtet Schöttelndreier, sind in Rüdershausen insgesamt 158 Steinkäuze geschlüpft und nachgezüchtet worden. 143 davon wurden ausgewildert. 13 Vögel sind zur Blutauffrischung an andere Einrichtungen und Projekte abgegeben worden.

Als prägendes Erlebnis bei seiner ehrenamtlichen Tätigkeit für den Natur- und Umweltschutz sieht Schöttelndreier die Begegnung mit dem Tierfilmer und Gründer der gleichnamigen Stiftung, Heinz Sielmann, im Jahr 1988 bei den Dreharbeiten „Im Schatten der Grenze“ an. „Die Begegnung mit Heinz Sielmann war ein Ansporn für mich“, berichtet der 62-Jährige, der über seine Arbeit akribisch Buch geführt hat. Ordnerweise finden sich Dokumente über das Steinkauz-Projekt und weitere Projekte, über die Schöttelndreier unter anderem auch schon im Landtag in Hannover informiert hat. Unzählige Bilder und Zeitungsausschnitte sind abgeheftet. Mehrfach ist der Rüdershäuser, der auch der Naturschutzbeauftragte des Landkreises Göttingen in der Samtgemeinde Gieboldehausen ist, ausgezeichnet worden.

„Ich möchte mich bei allen Menschen bedanken, die mich seit der Gründung des Projekts unterstützt haben“, ist es Schöttelndreier ein besonderes Anliegen – „sei es durch Rat und Tat oder durch die Übernahme von Patenschaften.“ Auch seiner Familie und allen Stationshilfen, die ihn stets unterstützt haben, sei er zu großem Dank verpflichtet, erläutert der Stationsleiter rückblickend. So habe ihn Professor Eberhard Schneider aus Göttingen wissenschaftlich beraten, und auch die Jägerschaft Duderstadt sei jederzeit Ansprechpartner gewesen.

Aber auch kritische Anmerkungen kann sich Schöttelndreier nicht verkneifen: „Viele unserer Politiker, auch aus der Region Göttingen, reden – insbesondere vor Wahlen – viel von Natur- und Umweltschutz. Aber selten lassen sie sich blicken, um sich vor Ort ein aktuelles Bild über das Projekt oder die Nabu-Greif- und Eulenstation zu machen.“

Von Heinz Hobrecht

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