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Duderstadt Bei Hitze steigt das Risiko
Die Region Duderstadt Bei Hitze steigt das Risiko
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18:27 20.07.2010
Im Urlaub richtig abfeiern: „Bei Hitze wird man schneller blau“, warnen Ärzte und Krankenkassen.
Im Urlaub richtig abfeiern: „Bei Hitze wird man schneller blau“, warnen Ärzte und Krankenkassen. Quelle: EF
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Nach Schul- und Studienstress kommen solche Angebote gut an, viele wollen in den Ferien feiern. Die Agentur Fun-Reisen bestätigt, dass kurzfristig kaum noch Buchungen unter der Rubrik „Jugendreisen“ möglich seien.

Wer nicht wegfahren kann, der findet aber auch in der Region heiße Beach-Partys oder gönnt sich ein Wochenende im Freibad. Immerhin hat das Thermometer auch in der Region die 30-Grad-Marke weit überschritten. Kühle Bierchen am Pool zur Erfrischung, abends Party bis zum Abwinken – das kann gefährlich werden, besonders im Sommer.

„Bei Hitze wird man schneller blau“, warnen die Krankenkassen. Die DAK informiert auf ihrer Internetseite: Alkohol erweitert die Gefäße, dadurch wird das Herz belastet. In Verbindung mit hohen Temperaturen kommt es zu hohen Belastungen des Kreislaufs bis hin zum Kollaps. Dass man tatsächlich bei Hitze schneller betrunken wird, liegt daran, dass die Körperzellen bei hohen Temperaturen weniger Flüssigkeit gespeichert haben. So wirkt der Alkohol konzentrierter im Blut, der Rausch setzt früher ein und wirkt stärker.

„Alkohol wirkt auch entwässernd, man muss öfters aufs Klo“, sagt Michael Bömeke, Leiter der Kardiologie des Duderstädter Krankenhauses St. Martini. Hitze würde den Körper zusätzlich austrocknen, so dass der Kreislauf belastet sei und der Alkohol deutlich stärker wirke. „Allerdings hat man diese Probleme nicht nur auf Mallorca, auch die heimischen Flat-Rate-Partys enden für Jugendliche immer häufiger im Krankenhaus“, weiß Bömeke. Dana Höfer vom Duderstädter Reisebüro Heddergott kennt die Vorlieben der jungen Reisebucher: „Wer Party sucht, bucht meist nur die Unterkunft und den Flug. Die Leute wissen selbst, wo was los ist.“ Für jüngere Jugendliche verweist sie auf die Gruppenreisen, in denen Betreuer nicht nur für das Sport- und Freizeitangebot zuständig sind, sondern auch darauf achten, dass niemand Alkohol in die Camps schmuggelt oder nachts durch Bars zieht.

Guido Müller vom TUI-Reise Center in Duderstadt appelliert an die Vernunft der Jugendlichen und der Eltern. „Ab sechzehn Jahren buchen die Jugendlichen ihre Reisen meist selber und wollen nicht in ein betreutes Camp“, so seine Erfahrung. Partymeilen gäbe es vielerorts, neben Mallorca seien Ibiza, Gran Canaria, Lloret de Mar und inzwischen auch Kreta beliebt bei jungen Leuten. „Aber Hitze und Alkohol waren auf der Fan-Meile in Berlin bei der Fußball-WM wahrscheinlich gefährlicher als am Mittelmeer, wo man sich wenigstens im Wasser abkühlen kann“, meint der Reisefachmann.

Josef von Garrel, Marketingleiter des Jugendreiseanbieters Fun-Reisen, weiß, dass Jugendliche im Urlaub auch mal über die Strenge schlagen, „aber bisher sind mir keine völligen Ausfälle bekannt“. Das Angebot seiner Agentur richte sich an mindestens 16-Jährige, deren Eltern ihr Einverständnis für die Urlaubsreise schriftlich einreichen müssten. Im Urlaubsort seien „Teamer“ die Ansprechpartner, die nicht nur Freizeitangebote initiierten, sondern auch bei Problemen helfen würden. „Allerdings sind das keine Betreuer, die kontrollieren, wann jemand ins Bett geht“, so von Garrel. Doch Eltern, die ihren Kindern nicht vertrauten, würden wohl auch keine Einverständniserklärung unterschreiben.

Ulrich Schmalstieg, Sozialarbeiter bei der Caritas-Fachambulanz für Suchtkranke, rät Jugendlichen und Eltern, die Angebote genau unter die Lupe zu nehmen. „Eltern können sich in einem Gespräch bei der Caritas beraten lassen, wenn sie nicht wissen, wie sie bei eventuellem Fehlverhalten ihrer Kinder reagieren sollen“, bietet er an. Aber auch die deutschen Reiseveranstalter seien verantwortlich und müssten bei ihren Angeboten die Jugendschutzgesetze beachten.
Auf den Internetseiten der DAK wird auf Werbespots verwiesen, die mit einem Drink unter Palmen oder bei Sonnenuntergang ein lässiges Lebensgefühl suggerieren. Auch die Gruppendynamik spiele bei Saufgelagen laut DAK eine wichtige Rolle. Und wer würde gerade im Urlaub als Spaßverderber gelten wollen?
Hiltrud Degenhard von der DAK-Kundenberatung Göttingen, rät zu einem Blick auf die Seite www.aktionglasklar.de, wo alles zum Thema Alkohol zu finden ist und www.drugcom.de, wo es Infos zum Thema Drogen gibt.

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