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Duderstadt Beim Autofahren Hände weg vom Handy
Die Region Duderstadt Beim Autofahren Hände weg vom Handy
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17:00 18.05.2019
Vorpremiere der Kurzfilme in Duderstadt: Schutzengel mit Susanne Bednorz, Katharina Kunstmann und Dierk Falkenhagen. 
Vorpremiere der Kurzfilme in Duderstadt: Schutzengel mit Susanne Bednorz, Katharina Kunstmann und Dierk Falkenhagen.  Quelle: mic
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Duderstadt

Während der Autofahrt zum klingelnden Handy greifen, wollen der Opa und die Mutter genauso wie die beste Freundin oder der Kumpel – für Schutzengel gibt es viel zu tun. Resolut greifen die Teenager und Twens in den unterhaltsamen Kurzfilmen ein. Sie sind auf Initiative des Schutzengelvereins Duderstadt, der Stadtentwicklungsinitiative Duderstadt 2030 und des rührigen Polizeihauptkommissars Dierk Falkenhagen entstanden.

Die jungen Menschen auf der Leinwand unterbinden die Ablenkung. So haben sie es bei Trainings und Rollenspielen gelernt, die Falkenhagen an Schulen im Raum Duderstadt, Ebergötzen und Gieboldehausen anbietet. Wer fährt, soll auf die Straße schauen. Nach dem Smartphone zu angeln und nur mit einer Hand am Steuer zu fahren, gefährdet das eigene Leben und das anderer Verkehrsteilnehmer – derer, die im Auto sitzen oder die gerade mit dem Roller über die Straße flitzen.

160 Gäste bei der Vorpremiere

Falkenhagen will die Filme künftig im Unterricht einsetzen. Viele Bürger werden sie beim Eichsfeld-Festival Anfang September auf der Leinwand der großen Bühne sehen.

Die jungen Schauspieler, die Macher von Imago Film Göttingen und Sponsoren wie das Autohaus Goldmann sowie zahlreiche Familienangehörige waren am Freitagabend zur Vorpremiere ins Ballhaus gekommen. 160 Menschen konnte Katharina Kunstmann, die Vereinsvorsitzende, begrüßen. An ihrer Seite stand neben Polizist Falkenhagen auch Susanne Bednorz von Duderstadt 2030.

Marlies Dornieden warnt vor Bußgeldern

Wer beim Telefonieren im Auto keine Freisprechanlage nutzt, für den wird es teuer, warnte Marlies Dornieden, die als Dezernentin beim Landkreis Göttingen unter anderem für Sicherheit und Ordnung zuständig ist. 100 Euro koste das. Außerdem gebe es einen Punkt im Verkehrssünderregister in Flensburg. Wer beim Telefonieren andere gefährde, zahle 150 Euro und bekomme zwei Punkte. Wer einen Unfall baue, müsse – zusätzlich zu zwei Punkten – 200 Euro aufbringen. Weil es dem Landkreis aber lieber sei, wenn gar nicht erst telefoniert werde, hätten sie das Filmprojekt finanziell unterstützt.

Freisprechanlage bietet nur begrenzt mehr Sicherheit

Erschrocken zeigte sich Dornieden davon, dass auch das Telefonieren mit einer Freisprechanlage die Aufmerksamkeit des Fahrers einschränkt. Er nehme deutlich weniger wahr als jemand, der nicht telefoniere, hätten Untersuchungen gezeigt. Mit dem Handy in der Hand verhalte sich ein Autofahrer wie ein Betrunkener, ergänzte Polizist Falkenhagen.

Eine Stunde lang die gleiche Szene wiederholt

Wir sind in der Schule gefragt worden, ob wir in den Filmen mitspielen wollen“, berichtete Amelie Goldmann (15) nach der Aufführung dem Tageblatt. Sie habe schon von der Aktion gewusst, da ihr Vater Sponsor der Autos sei. Im Film spiele sie eine Enkelin, die den Großvater am Telefonieren hindere. Eine Stunde lang hätten sie die Szene immer wieder wiederholt.

Junger Syrer möchte Menschenleben retten

Ich habe schon mal in einem Film für die Polizei mitgespielt“, sagte Greta Ernst (19), die mittlerweile in Hannover auf Lehramt studiert. Sie spiele die Fahrerin in einem Auto voller Mädels – und werde von einem Schutzengel auf der Rückbank vom Griff zum Handy abgehalten. „Ich möchte Leben retten“, erklärte Mahmoud Albaki (20), der vor dreienhalb Jahren aus Syrien nach Deutschland kam. Verwandte von ihm seien in seiner Heimat im Straßenverkehr verunglückt. Nach dem Abitur am Eichsfeld-Gymnasium könne er sich vorstellen, Polizist zu werden.

INFO

Schutzengelverein Duderstadt

Der Schutzengelverein Duderstadt ist 2012 auf Initiative des Polizisten und Präventionsbeauftragten Dierk Falkenhagen entstanden. Er hatte von einem ähnlichen Projekt im Raum Hannover gehört und setzte es im Eichsfeld um. Ein Jahr lang dauerten die Vorbereitungen. Der Beamte erarbeitete ein Konzept, gewann die Schulen als Mitstreiter und fand Sponsoren.

Anfangs ging es vor allem darum, dass die Schutzengel, die Falkenhagen in den zehnten Klassen ausbildete, Gleichaltrige davon abhielten, betrunken oder unter Drogen Auto zu fahren. Mittlerweile stellen Handys eine noch größere Gefahr für Leib und Leben junger Menschen dar. Das wissen die 5411 Schutzengel, die es mittlerweile gibt. Wie aktiv sie sind, zeigen zwei andere Zahlen. Bundesweit sind 33 Prozent der Verkehrstoten zwischen 18 und 25 Jahren alt. In Duderstadt sind es sechs Prozent. (mic)

Von Michael Caspar