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Duderstadt Besuch bei Orgelbauer Krell in Duderstadt
Die Region Duderstadt Besuch bei Orgelbauer Krell in Duderstadt
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15:16 23.10.2018
Arbeitet mit viel Feingefühl und -gehör: Orgelbauer Werner Krell. Quelle: Christina Hinzmann
Duderstadt

Werner Krell ist Orgelbaumeister. Der 85-Jährige geht noch täglich in seine Werkstatt. Besucher nimmt er mit auf eine Zeitreise durch die Geschichte eines nicht mehr alltäglichen Handwerks.

Schon der erste Raum bannt den Blick des neugierigen Betrachters. Alte Zeichnungen auf dem Reißbrett, Orgelpfeifen in verschiedenen Größen, Werkzeug. Wer das kleine Haus an der Haberstraße sieht, erwartet nicht, was er zu sehen bekommt. Doch das kleine Haus dient nur als Durchgang zu drei miteinander verbundenen Gebäuden im Hinterhof. Besucher gehen direkt auf die Werkstatt zu. Allein der Blick durch das Fenster fasziniert.

Die Werkstatt in Bildern

Orgelbaumeister Werner Krell nimmt Besucher in seiner Werkstatt mit auf eine Zeitreise durch ein nicht mehr alltägliches Handwerk.

Werner Krell stammt aus einer Familie aus Orgelbauern. Sein Urgroßvater Louis Krell hat 1866 die erste von rund 250 Orgeln des Familienunternehmens Gebrüder Krell gebaut. „Die Orgel hat er für Tiftlingerode gebaut“, erzählt der 85-Jährige. Allerdings sei diese nach zwölf Jahren abgebrannt und musste neu gebaut werden. Mittlerweile habe Tiftlingerode die dritte Krell-Orgel, da der Neubau vor dem Abriss der Kirche an einen Privatmann verkauft wurde. 1985 hätten die Gebrüder Krell die neue Orgel geliefert.

Beim Blick in der Werkstatt fällt der Blick auch auf ein Gotteslob. „Das liegt nur zufällig dort“, sagt Krell. Er erzählt, dass sei Urgroßvater Louis eigentlich evangelisch gewesen sei. „Mit 82 Jahren hat ihn meine Urgroßmutter aber noch gedreht.“ Dem Urgroßvater folgten Großvater Friedrich, Vater Olaf sowie die beiden Onkel Franz und Josef als Orgelbaumeister. „Ich habe schon mit drei Jahren auf der Werkbank gesessen und meinem Vater die Muttern angereicht“, erzählt Werner Krell. Schon als Kind habe ihn der Orgelbau fasziniert und immer noch nicht losgelassen.

Unerlässlich für Orgelbauer: Beitel für die Holzverarbeitung. Quelle: Christina Hinzmann

Seine Ausbildung absolvierte Werner Krell ab 1952 in Süddeutschland, bei der Firma E. F. Walcker & Cie in Ludwigsburg bei Stuttgart, wie er erzählt. Fast sieben Jahre habe er dort verbracht, sei als Geselle auch mehrmals im Ausland gewesen. Unter anderem habe er geholfen in Wien eine Zweigfirma aufzubauen. Zweimal habe er Orgeln in Helsinki aufgebaut, eine in der Sibelius-Akademie, der einzigen Musikhochschule Finnlands.

Besonders im Gedächtnis geblieben ist ihm der zweite Besuch in der finnischen Hauptstadt, der vier Monate dauerte. Damals sei er zum ersten Mal mit einem Flugzeug geflogen, „mit einer Propellermaschine“. „Wir haben zu viert eine Orgel mit 80 Registern und drei Manualen in einer evangelischen Kirche mit 2400 Sitzplätzen aufgebaut“, sagt er. „Es ging in den Winter rein und war schön kalt.“ Die Temperatur sei später auf minus 36 Grad gesunken. „Die Eisbrecher waren im Hafen eingefroren.“ In der Kirche sei es allerdings angenehm gewesen.

Später habe er noch für mehrere Monate in Innsbrucker Stadtsaal eine große Orgel mit eingebaut und sollte auch nach Venezuela fliegen, erzählt Werner Krell. Doch dazu kam es nicht mehr. Ende 1958 kehrte er zurück nach Duderstadt, „weil es meinem Vater nicht so gut ging“. Ab 1971 führte er dann das Familienunternehmen weiter. In der Firma waren bis zu 14 Personen beschäftigt. Von 1971 bis 2001 habe er elf Lehrlinge ausgebildet. Zwei von ihnen hätten sich im Ausland selbstständig gemacht, einer in Frankreich, der andere in Norwegen.

Drei Generationen – ein Beruf

Orgelbau als Familientradition

Louis Krell (1832 bis 1919) wurde in Auleben geboren. 1864 begann er als Mitarbeiter beim Orgelbauer Carl Giesecke in Göttingen, ehe er sich zwei Jahre später in Gieboldehausen selbstständig machte. 1968 zog er dann nach Duderstadt. Louis Krell hatte fünf Kinder, zwei Mädchen und drei Jungs. Tochter Christine wurde Ordensschwester Marter Laurentia bei den Ursulinen, Tochter Helene heiratete den Architekten der Duderstädter Liebfrauenkirche, Bernhard Gerbrand. Während der älteste Sohn Robert als Pastor nach Hamburg-Harburg ging, zog es den jüngsten Sohn Franz als Regierungsamtmann nach Berlin. Der mittlere Sohn Friedrich Krell (1869 bis 1937) führte als Orgelbaumeister die Firma weiter.

Friedrich Krell zeugte zwölf Kinder. Drei seiner Söhne, Franz (1905 bis 1990), Rudolf (1907 bis 1971) und Josef (1910 bis 1969), absolvierten wie ihr Vater eine Ausbildung zum Orgelbaumeister. In der nächsten Generation folgte nur der am 3. Oktober 1933 geborene Werner Krell in das Unternehmen. Mit ihm endet die Tradition der Orgelbauer mit dem Namen Krell.

Wie viele Orgeln im Hause Krell gebaut wurden, kann der 85-Jährige nicht genau sagen. Insgesamt seien es rund 250 gewesen, inklusive der Umbauten. Bis 1929 seien es nach einer handschriftlichen Aufzählung seines Großvaters 152 Neubauten plus 23 Umbauten gewesen. Bis 1945 seien dann vermutlich noch etwa zehn hinzugekommen. Genaue Aufzeichnungen gibt es für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. „Ab 1947 haben wir 52 neue Orgeln gebaut.“ Die letzte davon steht seit 1988 in St. Matthäus in Bodensee. Danach restaurierte Krell Orgeln, unter anderem in Desingerode, Obernfeld, Herzberg und Lindau. Ab 2001 beschränkte sich der dann 68 Jahre alte Werner Krell auf kleine Reparaturen und das Stimmen der Instrumente.

04.10.2018 Skizzen für eine schmuckreiche Orgel. Quelle: Christina Hinzmann

Die größte im Hause Krell gebaute Orgel ist noch aktiv. Sie wurde 16. Juni 1957 in der St.-Antonius-Kirche in Düsseldorf geweiht. 3718 Pfeifen werden über 51 Register bedient. Weitere Instrumente seien ins Rheinland und Ruhrgebiet geliefert worden, aber auch drei nach Hamburg sowie nach Hannover, Braunschweig und Goslar. Der Urgroßvater habe hauptsächlich für Kirchen im heute thüringischen Teil des Eichsfeldes gebaut. Auch in zahlreichen Kirchen des Untereichsfeldes um Duderstadt und Gieboldehausen erklingen Krell-Orgeln. Sogar in Göttingen, dass unter anderem durch die Firmen Giesecke, Ott, Janke und Hofbauer einen Namen als „Stadt der Orgelbauer“ hatte, konnte die Duderstädter Firma in St. Paulus sowie in Maria Frieden ihre Instrumente aufbauen.

So funktioniert eine Orgel: Der Wind macht die Musik.

In den Werkstatträumen von Werner Krell steht auch noch ein fertiges Instrument. Der Orgelbaumeister erläutert die Funktion. Im Gegensatz zum Klavier reiche es nicht, die Tasten zu drücken. Dazu müsse der Organist die entsprechenden Register ziehen. Dadurch bringe er „Loch auf Loch“, so dass der Wind durchgehen könne. Mittlerweile gebe es Ventilatoren, die auf Knopfdruck Wind erzeugen, früher habe dafür gepumpt werden müssen.

Die Register an der Orgel ähneln runden Schubladenknöpfen und lassen sich herausziehen. Damit steuere der Organist, welche Reihe Pfeifen er spielen möchte. „Die Sifflöten sind die kleinsten“, erklärt Krell. Mit der Beschriftung „Holzgedackt“ seien die Holzflöten gemeint. Dazwischen gibt es auf der Beispielorgel die Register Principal, Viola, Nachthorn und Hautbois. Hautbois, die Oboe, zählt zu den Zungen- oder Lingualpfeifen, die anderen zu den Labial- oder Lippenpfeifen. Während die Luft bei den Lippenpfeifen gegen eine Kante geblasen wird, werde bei den Zungenpfeifen ein Metallblatt zum Schwingen gebracht. Je nach Größe und Art der Pfeife unterscheide sich der Ton. „Da gibt es zum Beispiel die Posaunen“, sagt Krell, „die schmettern richtig.“ Ein Holzkrummhorn hingegen quäke eher ein bisschen.

Gestapelte register. Quelle: Christina Hinzmann

Bei der Orgel in seiner Werkstatt sorge der Organist über ein selbstständiges Regal unten für die tiefen Töne, wie Krell erläutert. Das ersetze den Subbass und nehme nicht viel Platz in Anspruch. „Die Bässe, zweimal 15 Stück, bräuchten einen halben Meter mehr“, sagt er. Die Orgel in seiner Werkstatt ist verstimmt, stellt Krell fest. Bei den Holzpfeifen, die aus vier um einen Holzkern geleimten Brettern bestehen, ziehe man dafür einen Stöpsel nach oben oder drücke ihn nach unten. An anderen Pfeifen gebe es ein Blech zum Absenken.„Die Stimmung ist stark temperaturabhängig“, erklärt er. Nicht nur Holz arbeite bei Temperaturschwankungen, sondern auch Metall. Eigentlich müsste eine Orgel im Frühjahr und im Herbst gestimmt werden.

Von Rüdiger Franke

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