Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Duderstadt Bewusst kaufen statt in die Tonne
Die Region Duderstadt Bewusst kaufen statt in die Tonne
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:09 16.03.2012
„Der Kunde freut sich“: Einige Tage vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums werden viele Produkte vergünstigt angeboten.
„Der Kunde freut sich“: Einige Tage vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums werden viele Produkte vergünstigt angeboten. Quelle: Tietzek
Anzeige
Eichsfeld

Elf Millionen – eine Zahl, die viele Verbraucher schockierte. Doch wie gegensteuern? „Bewusst einkaufen“ lautet die Devise des Handels, der mit fünf Prozent Anteil an der gesamten Entsorgung weit hinter Industrie und Gaststätten (17 Prozent) und privaten Haushalten (61 Prozent) liegt.
Wenn das Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) drohe, kämen Lebensmittel bei ihm nicht direkt in die Tonne, sagt Alfred Wüstefeld, der Märkte in Rhumspringe, Hilkerode und Duderstadt betreibt. Stattdessen würden sie gesammelt und zum halben Preis angeboten. Auch Obst und Gemüse, das nicht mehr den Vorstellungen der Kunden entspreche, werde abgepreist. „Und damit machen wir gute Erfahrungen“, erklärt der Rhumspringer, „der Kunde freut sich.“ Und um den gehe es schließlich. Die Nachfrage der Käufer seien das wichtigste Kriterium bei der Frage, ob ein Produkt aus dem regulären Verkauf genommen werde. „Welchen Apfel nehmen sie, wenn neben dem mit der braunen Stelle auch unversehrte liegen?“, fragt Wüstefeld. Reduziert habe aber auch der angeschlagene Apfel noch eine Chance, im Einkaufskorb eines Kunden zu landen. Und was trotz Reduzierung nicht gekauft werde, das lande in der Regel beim Futterverwerter und nur, wenn es nicht anders verwertet werden könne, in der Tonne. „Letzteres möchte man natürlich nicht“, macht Wüstefeld deutlich.

Eine weitere Stellschraube, um ein Ende in der Tonne möglichst zu verhindern, gebe es auch beim Einkauf der Waren. „Das ist allerdings auch eine Gratwanderung“: Auf der einen Seite würden Kunden rund um die Uhr eine große Auswahl erwarten, auf der anderen Seite solle aber so wenig wie möglich liegen bleiben.

Bekanntes Problem

Ein Problem, das der Fuhrbacher Dorfladen ebenfalls kennt. Dennoch heißt es auch hier: Sparsam bestellen. Für sie sei es ein Vorteil, erklärt Mitarbeiterin Simone Vollmer, dass die Kunden des Lädchens – anders als bei großen Märkten – mit einem kleineren Sortiment zufrieden seien. „Wir haben trotzdem alles, was man täglich braucht“, betont sie. Marmeladengläser, die mit Geschmacksrichtungen von Apfel bis Zwetschge ganze Regalwände füllen, brauche es aber nicht. Dennoch werde natürlich auch mal etwas schlecht. „Wenn in einem Netz Zitronen eine matschig ist, nehme ich die raus und verkaufe die anderen eben einzeln“, erklärt die Fuhrbacherin, was wegen des engen Kundenkontakts möglich sei. Und sonst gäbe es auch im Fuhrbacher Laden den „MHD-erreicht-Bereich“, bei dem die Kunden gerne zugreifen würden. „Die Sachen sind ja auch noch gut“, weiß Vollmer.

Mit Reduzierungen handhabt das Haltbarkeitsproblem auch Nadine Eberhard vom Bio-Markt Lebenskunst in Duderstadt. Außerdem würden Produkte, die gerade reif, aber für den Kunden, der sie noch lagern möchte, schon zu reif seien, in Gerichten der wechselnden Speisekarte berücksichtigt. Wie bei ihren Kollegen sei der Weg in die Tonne nur letzte und eher seltene Lösung: „Und das ist bei unseren Kunden ähnlich.“ Wer in den Bio-Laden gehe, entscheide sich schließlich für Qualität und kaufe „bewusst und in Maßen“. So mache sie es beim Wareneinkauf auch – und muss es einmal mehr als andere: Biolebensmittel hätten, erklärt sie, eine geringere Grundhaltbarkeit. Durch den Verzicht auf Chemikalien sei beispielsweise ein Schokoriegel nie noch mehrere Jahre haltbar. „Da muss ich sehr gezielt bestellen, um nichts übrig zu haben“, so Eberhard. Das „Zuviel an Lebensmitteln“ könne man nur gemeinsam lösen: Der Handel kann das Seine tun, zusätzlich müssten die Kunden in ihrer Wertschätzung für Lebensmittel weiter sensibilisiert werden, „auch durch die Politik“.

Von Christina Stender