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Duderstadt Bilder der Bürgermeister beschäftigen Duderstädter Stadtrat
Die Region Duderstadt Bilder der Bürgermeister beschäftigen Duderstädter Stadtrat
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19:02 24.09.2013
Von Ulrich Lottmann
Chronologisch korrekt, politisch umstritten: Fotogalerie der Duderstädter Bürgermeister und Stadtdirektoren mit dem Bild von Andreas Dornieden (obere Reihe, rechts). Quelle: Schauenberg
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Duderstadt

Im Kern geht es dabei um das Foto von Andreas Dornieden, der von 1933 bis 1945, in der Zeit des Nationalsozialismus, Bürgermeister der Stadt war.

Auslöser der Debatte ist ein Brief der Geschichtswerkstatt Duderstadt vom 6. Dezember 2012. Darin forderte der Verein eine solche erläuternde Ergänzung der Galerie, um auf Dorniedens Rolle als „prominentesten Nationalsozialisten im Untereichsfeld“ hinzuweisen.

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Das griff die SPD auf und beantragte zudem, die Galerie um ein Porträt von Karl Vollmer zu ergänzen. Sozialdemokrat Vollmer sollte nach dem Zweiten Weltkrieg Bürgermeister werden, war vom Stadtrat gewählt, wurde von der damaligen Militärregierung aber nicht anerkannt.

Mehrfach hatte sich der Verwaltungsausschuss mit dem Thema befasst und für die Ratssitzung einen Beschlussvorschlag vorgelegt, den Lothar Koch (CDU) erläuterte.

Kein Urteil über eine Person

Die Fotogalerie solle unverändert bestehen bleiben und ergänzt werden durch den Hinweis, die Galerie dokumentiere nur die zeitliche Abfolge, „und beinhaltet kein Urteil über die jeweilige Person und ihre Tätigkeit im Amt“. Zu Dornieden solle Informationsmaterial beigelegt werden.

Das empörte Matthias Schenke (SPD). Er beklagte, von der Aufnahme Vollmers in die Galerie sei keine Rede. Und er monierte den Passus des Beschlussvorschlags, dass die Fotogalerie kein Urteil über eine Person beinhalte: „Das ist nicht zustimmungsfähig.“ Schenke warf Koch vor, mit dem formalen Argument, Vollmer sei kein Bürgermeister gewesen, gegen dessen Foto zu sein.

Er hielt ihm erregt entgegen: „Sie haben ein Problem damit, das Foto desjenigen hinzuhängen, der die brennende Synagoge löschen wollte. Sie haben aber kein Problem damit, das Foto desjenigen hinzuhängen, der ihn am Löschen gehindert hat.“

Ratssitzung unterbrochen

Koch reagierte gereizt, Schenkes Beitrag gehe am Thema vorbei. Lautstark warf Koch ihm Überheblichkeit vor: „Das ist eine fiese, moppelige Art.“

Hans Georg Schwedhelm (Grüne) sprang Schenke bei. Er betonte die Bedeutung Vollmers, der „die Vorzeigefigur der Arbeiterbewegung bis 1933“ gewesen sei „und dann von den Nazis schikaniert wurde“. Wenn ein Beschluss gefasst werde, der Vollmer ausschließe, „ist das schlimm“. Schwedhelm beantragte, unter Einbeziehung der Geschichtswerkstatt einen neuen Beschlussvorschlag zu erarbeiten.

In dieser hitzigen Situation wurde die Ratssitzung unterbrochen, die Fraktionen berieten sich. Anschließend schlug Hans-Helmut Herbold (CDU) eine nochmalige Diskussion des Themas im Verwaltungsausschuss vor.

Weil der nicht öffentlich tage, werde die Geschichtswerkstatt ausgeschlossen, kritisierten Lothar Dinges (WDB) und Doris Glahn (SPD). Die CDU rückte davon jedoch nicht ab. Bei elf Gegenstimmen wurde die erneute Beratung des Themas im Verwaltungsausschuss beschlossen.