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Duderstadt Unterwegs im virtuellen Klassenzimmer
Die Region Duderstadt Unterwegs im virtuellen Klassenzimmer
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00:21 20.11.2017
Digitalisiertes Lernen an der BBS Duderstadt: Carolin Busse diskutiert mit ihren Mitschülern Lösungswege per Headset am Notebook. Quelle: Markus Hartwig
Duderstadt

Die Wände voller Plakate und Schautafeln, dazu der typische Geruch von Linoleumböden, wie er in Schulen in der ganzen Republik genutzt wird. Raum A302 könnte ein normaler Klassenraum sein, wenn nicht die Tafel so ungewöhnlich sauber wäre. Und wenn nicht trotz des Unterrichtsbeginns nur eine Schülerin im Raum wäre, die noch dazu mit ihrem Laptop beschäftigt ist. Allein ist sie allerdings nicht: Carola Busse trägt Kopfhörer und beim Blick auf ihren Bildschirm wird klar, dass sie gerade in einer Videokonferenz ist.

Für die Auszubildenden Groß- und Außenhandelskaufleuten ist das mittlerweile nichts Neues mehr. Denn ihre Klasse probiert seit einem knappen halben Jahr sogenanntes „Blended Learning“ aus. Die Schüler sitzen in einem virtuellen Klassenzimmer zusammen, können sich per Mikrofon und Webcam unterhalten und gemeinsam Aufgaben lösen. Noch ist das System in der Testphase, weshalb die Schüler auf benachbarte Klassenräume verteilt sind – allesamt mit Laptops und Kopfhörern.

Bildschirm mit Konferenzteilnehmern. Quelle: Markus_Hartwig

Auf Busses Bildschirm sind am Rand Videoübertragungen von den Gesichtern ihrer Mitschüler eingeblendet. Zentral platziert ist außerdem eine Arbeitsfläche, auf der vorgefertigte Aufgaben gelöst werden sollen. Heute geht es um volkswirtschaftliche Zusammenhänge: Einige Diagramme sind zu sehen, die Schüler müssen in kurzen Texten beschreiben, was dort abgebildet ist. Nach einer kurzen Diskussion sind sich alle über die Antwort einig. Busse tippt die Lösung ein, ein grünes Signal zeigt an, dass die Gruppe richtig lag.

Bei der zweiten Kleingruppe sieht es nicht so gut aus: „Ich kann euch immer noch nicht hören“, beklagt sich einer der Schüler frustriert im Nachbarraum. Und während Lehrer Gerrit Klinge es mit einem Neustart der Software probiert, wird klar dass die zweite Gruppe mit technischen Problemen kämpft: Bei einigen Schülern stürzt die Software ab. Außerdem läuft die Videokonferenz zeitverzögert. Das führt zu Chaos, denn wenn die Schüler nicht sehen, dass ihr Mitschüler gerade etwas sagt, reden sie selbst drauf los – bei allen anderen sind dann mehrere Stimmen gleichzeitig zu hören.

„Das muss sich noch einspielen“ sagt auch Klinge. Der junge Wirtschaftspädagoge betreut den Pilotversuch an den BBS, an dem auch die Berufsschule Holzminden beteiligt ist. Trotz der Probleme ist Klinge begeistert von „Blended Learning“: „Mit vielen Schülern läuft das richtig toll“, sagt er.

Während im Klassenzimmer der Lehrer für Disziplin sorgt, ist beim dezentralen Arbeiten Eigenverantwortung gefragt. Beim Testbetrieb ist das kein Thema, Klinge kann jedem Schüler über die Schulter schauen. Doch wenn es bei den Schülern zuhause nicht klappt, nutzten manche Schüler die streikende Technik als willkommene Ausrede für nicht-erledigt Hausaufgaben. Andererseits habe die Klasse aber schon längst begonnen, das System selbst zu erkunden: „Neulich haben die sich selbstständig Abends auf der Lernplattform getroffen – ohne mich“, erzählt er lachend. Dann setzt er sich das Headset auf und klinkt sich bei einer der Kleingruppen in die Videokonferenz ein.

Das sagt die Schulleiterin

Ich hoffe, dass wir damit langfristig wieder mehr Menschen für betriebliche Ausbildungen begeistern können“, sagt BBS-Schulleiterin Sabine Freese über „Blended Learning“. Aus ihrer Sicht bietet der dezentrale Unterricht vor allem für den ländlichen Raum Chancen. Denn durch den demografischen Wandel würden Klassen immer kleiner, durch Schulzusammenlegungen verlängerten sich zugleich die Anfahrtswege zur Schule.

Wenn die dank der Digitalisierung teilweise wegfallen würden, sei das gut für die Attraktivität – auch weil der klassische Berufsschultag in der Woche durch ein flexibleres System mit der digitalen Lernplattform ersetzt werden können. „Wir treffen den Nerv unserer Zeit“, sagt Freese deshalb.

Von Christoph Höland

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