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Duderstadt Brandi-Bau wird Teil der „Erlebnisstation“
Die Region Duderstadt Brandi-Bau wird Teil der „Erlebnisstation“
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20:33 28.11.2010
Von Ulrich Lottmann
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Das sogenannte Schützenmuseum ist Teil des Projekts „Erlebnisstationen einer mittelalterlichen Stadt“. Dazu gehört als zweites Element eine Ausstellung im Rathaus, deren Konzeption noch entwickelt werden muss. Durch die Erkrankung des Planers sei es zu Verzögerungen gekommen, erklärte Fachdienstleiter Christian Zöpfgen. Art+Com werde die Planungen übernehmen. Die Berliner Firma hat, gemeinsam mit Maria und Reinhard Hauff, auch die Schau im Westerturmensemble konzipiert (Tageblatt berichtete).
Die Erlebnisstation Westerturmensemble läuft unter dem Titel „Stadtluft macht frei“. Das mittelalterliche Schlagwort, das die juristische Stellung und die Schutzfunktion der Stadt beschreibe, werde über den Aspekt Stadtverteidigung mit dem Schützenwesen in Verbindung gebracht, erläuterte Hauff. Die Besonderheit des Westerturmensembles sei, dass diese Themen an authentischem Ort dargestellt werden könnten. „Es war schnell klar, dass der eigentliche Star der Ausstellung die Stadtmauer ist“, so Hauff mit Blick auf den an die Mauer grenzenden Gebäudekomplex.
Dem Ausschuss stellte Hauff die schon bekannten Eckpunkte der auf drei Stockwerken präsentierten Schau vor: Im Erdgeschoss sei Stadtverteidigung der Schwerpunkt. Ein interaktives Modell der Stadt werde hier verschiedene Angriffsszenarien auf die Stadt erlebbar machen. Im ersten Obergeschoss gehe es um das frühe Schützenwesen. „Das wird spaßig“, machte Hauff auch hier den Erlebnischarakter deutlich. So werde es zwei virtuelle Schießstände geben. Zum einen werde das Schießen mit der Armbrust, zum anderen sei das Vogelschießen „als Kernritual der Schützen“ erlebbar. Im zweiten Obergeschoss schließlich werde die Stadtmauer als juristische Grenze für die rechtliche Dimension der Stadt in Szene gesetzt. Auf Stelen sollen hier Rechtsbegriffe und Aspekte des Stadtlebens schlaglichtartig erklärt werden.
Immer wieder betonte Hauff, dass es sich um eine moderne Konzeption handele. „Wir wollen nicht mit Lesestoff ermüden. Wir sind um Prägnanz bemüht.“ Sie verwies drauf, dass Art+Com ein weltweit renommiertes Unternehmen sei. „Das ist ein Museum, das es sonst nur in Metropolen gibt“, sagte sie.
Neu waren die Pläne für die Einbeziehung von Westerturm und Georgstürmchen, die Hauff dem Ausschuss präsentierte. Der Westerturm wird über einen Zugang in der zweiten Etage für das Museum erschlossen. Hier soll das Bauwerk selbst vorgestellt werden. Im angrenzenden Bau, der von Jochen Brandi geschaffenen Glaskonstruktion im ehemaligen Bachmannschen Haus, sei eine ergänzende Schau zum zeitgenössischen Umgang mit historischer Bausubstanz geplant. „Auch hier wollen wir das nicht mit Exponaten voll-
stellen, sondern die Architektur wirken lassen“, so Hauff. Im Georgstürmchen, das über einen Steg an der Stadtmauer erschlossen wird, sollen in Gucklöchern Alltagsszenen des Stadtlebens gezeigt werden. Somit ist der gesamte Komplex – die ehemalige Turmstube mit dem Neubau nach den Plänen des Berliner Architekten Rolf Gnädinger (Tageblatt berichtete), der Westerturm und das Brandi-Haus – in das Projekt „Erlebnisstationen einer mittelalterlichen Stadt“ einbezogen.
Diskussionsbedarf gab es im Tourismusausschuss nicht zur inhaltlichen Konzeption des so genannten Schützenmuseums. Thomas Rössing-Schmalbach (CDU) war vielmehr an Eigentumsverhältnissen und Ästhetik des entstehenden Bauwerks interessiert. Auf seine Frage hin bestätigte Zöpfgen, dass die Stadt den Gebäudekomplex inzwischen vom vorherigen Eigentümer, Hans Georg Näder, gekauft hat. Den Kaufpreis habe der Otto-Bock-Chef jedoch der Stadt als Spende zur Verfügung gestellt. Die Summe werde für den Betrieb des Museums eingesetzt, erläuterte Zöpfgen.
Auf Rössing-Schmalbachs Anmerkung, viele würden den von Gnädinger entworfenen Neubau kritisch sehen, antwortete Reinhard Hauff. Er bezeichnete den futuristischen, mit sich schräg überlappenden Metallschindeln bedeckten Bau, als „Signal, dass an dieser Stelle etwas Besonderes entsteht“. Ein weiteres Fachwerkgebäude würde an dieser Stelle untergehen. Der Gnädinger-Entwurf sei ein weiterer moderner Aspekt neben dem Brandi-Bau. „Ich finde, auch unsere Generation sollte Spuren in der Stadt hinterlassen, nicht nur das Mittelalter“, sagte Hauff. Er erntete dafür zustimmenden Applaus.