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Duderstadt Brehmelauf prägt Stadtbild seit Jahrhunderten
Die Region Duderstadt Brehmelauf prägt Stadtbild seit Jahrhunderten
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19:05 23.07.2009
Zentrales Element der Duderstädter Fußgängerzone: Die Brehme fließt vom Obertor kommend die Marktstraße entlang.
Zentrales Element der Duderstädter Fußgängerzone: Die Brehme fließt vom Obertor kommend die Marktstraße entlang. Quelle: OT
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Ohne Wasser kein Leben. Deshalb entstehen Städte – oder zunächst einmal Siedlungen – an Gewässern. In Zeiten von Wasserleitungen und Klärwerken spielen Distanzen heutzutage eine geringere Rolle. Oft verschwinden die Bäche und Flüsse aus dem Blickfeld in den Stadtzentren, wie zum Beispiel im Falle der Leine in Göttingen.

Eine Alternative ist, Fließgewässer in die Stadt zu integrieren, quasi als Kunstobjekt. So ist es geschehen mit der Brehme in Duderstadt. Hatte sie, was den Stadtkern angeht, lange Zeit ein unterirdisches Dasein geführt, ist sie seit 1994 aus der Fußgängerzone nicht mehr wegzudenken.

Erstmals durch die Innenstadt umgeleitet worden ist die Brehme 1276. Noch heute enthalten die Fremdenführer der Brehmestadt den Touristen die historische Bekanntmachung vor dem Brautag nicht vor. Sie lautete „Heute wird bekannt gemacht, dass keiner in die Brehme macht, denn morgen wird gebraut“. Anfang des 20. Jahrhunderts verschwand die Brehme im Untergrund. Dass sie einst das Westertor passierte, verrät ein herausragender Abort an der, stadtauswärts gesehen, linken Seite des Turmes.

Ursprung in Brehme

Aus dem rund sechs Kilometer entfernten Quellort Brehme kommend fließt das Wasser über Ecklingerode entlang der Landesstraße 540 nach Duderstadt. Dort fließt sie unter Tage, und zwar in einen unterirdischen Kanal, aus dem Obertor- und Westertorteich gespeist werden. Im Rahmen der Umgestaltung der Innenstadt kam die Brehme wieder zum Vorschein. Die Umgestaltung war im Vorfeld zur Landesausstellung Natur im Städtebau (LNS) 1994 vorgenommen worden. Sie war entscheidender Faktor für Duderstadts Auswahl als Ausstellungsort.

Als die Brehmestadt umgestaltet wurde, zeichnete man den historischen Verlauf der Brehme weitgehend baulich nach. Eine Rinne durch die gesamte Fußgängerzone entstand. Durch sie wird Wasser von dem besagten unterirdischen Kanal umgeleitet. Es handelt sich also nicht nur symbolisch um die Brehme, es ist tatsächlich zu 100 Prozent Brehmewasser, was dort fließt. An der dafür nötigen Abzweigung kann ihr Verlauf durch die Innenstadt auch abgestellt werden. Dies tut die Stadt etwa bei Frost oder wenn Wartungsarbeiten es nötig machen. Auf Höhe der Hollenbachstiftung speist die Brehme also weiterhin den Obertorteich. Hier wird sie dann aufgeteilt und tritt ab der Oberkirche zutage, durchfließt die Innenstadt. Der andere Teil des Wassers läuft unterirdisch weiter durch den Rohrkanal zum Westertorteich.

Halbrunde Steine symbolisieren derweil Anfang und Ende des innerstädtischen Auftretens der Brehme. Doch zwischen diesen beiden Punkten fließt sie nicht einfach bloß. Da wären etwa der Grenzpfahlbrunnen auf Höhe Café Risse und der Wiedervereinigungsbrunnen nahe der Unterkirche. Mit beiden bildet sie eine Symbiose. Ersterer hat eine Pumpe. Die Brehme an sich fließt aus natürlichem Gefälle. Das Team vom städtischen Bauhof hält sie sauber – in der Regel montags und vor den Wochenenden, sowie bei Bedarf.

Wasserstop bei Frostgefahr

Bei Frost wird kein Wasser durch die Innenstadt geleitet. Gefrierendes Wasser könnte nämlich Schaden anrichten. Beschädigt werden könnten nicht nur die Gitter, durch die das Wasser zutage tritt und wieder abläuft. Es gibt auch mehrere „Düker“. „Düker sind spezielle Unterführungen“, erklärt Johannes Böning vom Fachbereich Bau der Stadt Duderstadt. Durch Düker unterquere die Brehme Stellen, über die Fahrzeuge rollen können müssen. Das sei also der Fall bei der Augustinergasse, Jüdenstraße, Börsengasse, Löwengasse und Spiegelbrücke. Nachdem die Brehme am Westertor wieder in den Untergrund fließt, kommt sie erst außerhalb der Stadt wieder zutage und mündet alsbald in die Hahle.

Von Matthias Moneke