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Duderstadt Bremer Historiker Horst Rössler sprach im Duderstädter Heimatmuseum
Die Region Duderstadt Bremer Historiker Horst Rössler sprach im Duderstädter Heimatmuseum
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14:00 21.11.2017
Ansicht des Heimatmuseums in Duderstadt. Quelle: Swen Pförtner
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Duderstadt

„Die Höfe vieler Eichsfelder Bauern waren zu klein, um eine Familie zu ernähren“, führte Rössler vor 20 Zuhörern aus. Die Kleinbauern hätten sich als Leine- und Wollenweber Geld dazuverdient. Mit dem Niedergang dieser Heimindustrie hätten sie sich eine neue Nebenbeschäftigung suchen müssen. Viele Männer und einzelne Frauen seien in kleinen Gruppen ein- bis zweimal im Jahr jeweils für einige Monate in den Elbe-Weser-Raum nordöstlich von Bremen gezogen.

Auf die Eichsfelder, so Rössler, sei er beim Auswerten von Visaregistern aufmerksam geworden. Ein Visa, dessen Gültigkeit die Gendarmen kontrolliert hätten, habe bis 1871 jeder Reisende benötigt. Die Obrigkeit habe so das Vagabundieren und Betteln ihrer Untertanen unterbinden wollen. Mit Hilfe der Visaregister ließen sich die Wanderrouten der Eichsfelder nachzeichnen.

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„Kiepenwaren“ aus Hilkerode

„Vor allem Kleinbauern aus Hilkerode verkauften als Hausierer von der Familie hergestellte Waren aus Holz wie Löffel, Schöpfkellen oder Tröge“, berichtete der Historiker. Mit den Waren auf dem Rücken und einen Wanderstock in der Hand seien sie zu Fuß unterwegs gewesen. Die Bilshäuser hätten im Elbe-Weser-Raum selbst gefertigte Strohmatten und Korbware, die Küllstedter Flanellwaren verkauft.

„In den Dörfern gab es damals keine Läden“, berichtete Rössler. Märkte hätten nur vereinzelt im Jahr stattgefunden. Für viele Bauern sei es nicht möglich gewesen, in die nächste Stadt zu fahren. Hausierer hätten daher bei der Warenversorgung im ländlichen Raum eine wichtige Rolle gespielt. Der Obrigkeit seien die fahrenden Händler dagegen als verkappte Landstreicher und Diebe verdächtig gewesen. Die Flanellhändler hätten daher von 1847 an im Elbe-Weser-Raum nur noch mit einer – selten vergebenen – Konzession ihrem Gewerbe nachgehen dürfen.

„Die Hausierer musizierten oft auch“, berichtete der Historiker. Drehorgelspieler hätten oft Puppenspieler begleitet, die auf den Märkten mit derben, lustigen Stücken auftraten. Sie seien zudem mit Guckkastenleuten unterwegs gewesen, die Schaulustigen Bilder fremder Länder durch ein Vergrößerungsglas zeigten und dazu Geschichten erzählten.

„Es gab zudem Dutzende von Eichsfelder Wanderkapellen, teils Harfen-, teils Bläsergruppen“, führte Rössler aus. Eine Hochburg sei das Wandermusikantendorf Hundeshagen gewesen. Die Bands hätten nicht nur im Weser-Elbe-Raum gespielt, sondern seien unter anderem auch durch Ostfriesland, die Niederlande, England und Russland getourt. Um eine Konzession zu erhalten, hätten sie ihre Fertigkeiten nachweisen müssen. Rösslers Vortrag wurde vom Heimatverein „Goldene Mark“ und dem Verein für Eichsfeldische Heimatkunde ausgerichtet.

Von Michael Caspar

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