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Duderstadt Brutalo-Hardcore-Metal für „total nette“ Fans
Die Region Duderstadt Brutalo-Hardcore-Metal für „total nette“ Fans
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20:19 24.01.2012
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Duderstadt

Das „Kraftmalz“ fließt bereits in die durstigen Kehlen, die Fans der „harten Klänge“ haben sich in Position gebracht, und einige männliche Besucher haben ihre schulterlange Haarpracht gelockert – es ist wieder Zeit für das erste Metalfest im Jahr. In der Mehrzweck-Turnhalle innerhalb der etwas abgewetzten Spielfeldlinien sind Boxentürme aufgeschichtet, Kabel verlegt und jede Menge Poster aufgehängt worden.

Der improvisierte VIP-Raum am Ende des Flures wird vom Security bewacht, drinnen streifen sich die raubeinigen Metaller schon ihre Bühnenoutfits über und fachsimpeln mit ihren Musikerkollegen über frisch gepresste Platten und Band-Projekte. Hier im Jufi haben die Organisatoren und Freizeit-Metalheads Infailtration schon selbst wertvolle Stunden ihrer Jugend verbracht; damals als das United Forces Festival noch in der Brehmestadt abgefeiert wurde (heute in Osterode). Seit 2009 schaffen sie es, jedes Jahr rund 200 Besucher aus der gesamten Eichsfelder Region anzulocken. „Metal im Eichsfeld war eigentlich tot“, sagt Mario, genannt Majö, Gitarrist bei der Initiatoren-Gruppe mit Probenraum in Leinefelde. „Wir haben unsere Band auch vor diesem Hintergrund gegründet, wir wollten daran etwas ändern“, sagt der bärtige Mann enthusiastisch.

„Es kommen jedes Jahr mehr Leute“, bestätigt Bass-Kollege Christian „Harti“ Hartung stolz, „es ist fast schon so etwas wie eine feste Adresse.“ Auch für den Metalwinter 2012 haben Infailtration keine Mühen gescheut, fleißig gemailt und telefoniert, während sie selbst gerade ihrem Debüt-Album, das noch in diesem Jahr erscheinen soll, den letzten Schliff verpassen. Ordentlichen Death-Thrash-Metal wird es darauf zu hören geben, eine Kostprobe liefern die fünf schon vorab auf der Jufi-Bühne.

Dicht gefolgt wird ihr Auftritt von „My Cold Embrace“ aus Kassel. „Sie passten sehr gut ins Konzept des Metalwinters“, freut sich Hartung. Gesucht würden „bodenständige Garagenbands“ aus dem „Underground“, deren „extremer Metal gut ins Ohr geht“. Ins Ohr geht auf jeden Fall einiges an diesem Abend, sofern man sich keine Stöpsel für selbige mitgebracht hat. Der relativ kleine Raum presst den Sound dicht zusammen und lässt kaum einen Ton entkommen, die Fans im Moshpit sind aber schmerzbefreit und lassen sich davon beim Pogen nicht beeindrucken. Schlagzeuger Dennis walkt die Bass Drum ordentlich durch, zusammen mit zwei Gitarren und einem Bass befeuern „MCE“ das Publikum mit crustigem, schwedisch-kaltem Brutalo-Hardcore-Metal.

„Heute ist nix mit Schule, Arbeit, Uni oder Kinder“, so Namensvetter und Vocal-Master Dennis. Dieser Ansage schließen sich auch die frisch formierten „Old-School“-Death-Metaller „Atomwinter“ an. Die Songs der Göttinger sind etwas zurückgenommener, weisen mehr in die Breite, verlieren dabei aber nichts von ihrer Härte. „Ihr seid total nett“, will sich Sänger Christopher bedanken. „Wir sind böse“, kontert ein Fan lauthals. „Nein, ihr seid total nett.“ Das war das Ende dieser Diskussion, denn man kreist sowieso lieber mit den Haaren, als sich über Petitessen zu streiten.

Glanz bringen die Headliner „Legion of Gomorra“ in die Hütte. Nach einem schockartigen Einstieg mit einem Medley aus Him und Lady Gaga, zeigen sie mit „Operation Gomorrha“ und anderen saftigen Metal-Schinken geschmeidige Tempi-Wechsel, große Fingerfertigkeit an den Saiteninstrumenten, gnadenloses Geknüppel und artikulierte Shouts und Growls von Vocalist Stefan. Was unter Melo-Death-Metal firmiert, begeistert das Publikum bis zum letzten Ton.

Von Anna Kleimann