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Duderstadt Duderstadt: Kandidaten stellen sich beim Bürgermeister-Check kritischen Fragen
Die Region Duderstadt Duderstadt: Kandidaten stellen sich beim Bürgermeister-Check kritischen Fragen
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13:21 23.08.2019
Podiumsdiskussion mit den Bürgermeister-Kandidaten in Duderstadt. Quelle: Heller
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Duderstadt

Thorsten Feike (FDP), Stefan Koch (CDU), Florian Lillpopp (Die Partei) und Matthias Schenke (SPD) haben beim Kandidaten-Check des Eichsfeld-Gymnasiums versucht, die etwa 500 Besucher davon zu überzeugen, ihnen am 1. September ihre Stimme zu geben. Dann wählt Duderstadt einen neuen Bürgermeister. Inhaltlich lagen die vier Bewerber in vielen Punkten gar nicht so weit auseinander, wie sich im Verlauf des Abends zeigen sollte.

Die vier Kandidaten hatten auf dem Podium im Forum des Schulzentrums „Auf der Klappe“ Platz genommen. Ben Thustek, schulfachlicher Koordinator am Eichsfeld-Gymnasium (EGD), und Nicolas Stegemann, Schüler des 11. Jahrgangs, baten zuvor Amtsinhaber Wolfgang Nolte (CDU) zum Prolog. Die Kommunen bräuchten für ihre Aufgaben eine geordnete Finanzausstattung, betonte Nolte. Deshalb müsse ein Bürgermeister ein Netzwerker sei, der „Gott und die Welt in Bewegung“ setze – „zum Wohl der gesamten Stadt“, so der Rat des Amtsinhabers.

Feuertaufe vor großem Publikum

Im Gegensatz zu Nolte, einem Routinier auf der kommunalpolitischen Bühne, war die Veranstaltung für einige der Kandidaten dann eine Feuertaufe vor großem Publikum. Zum Warm-up sollten Lillpopp, Feike, Schenke und Koch zunächst Sätze vervollständigen wie „Mein nächstes Auto wird...“ oder „Mein Lieblingsessen ist...“. Was folgte war dann eine kleine Auswahl an Fragen, welche die Oberstufenschüler im Vorfeld zusammengetragen hatten. Breiten Raum nahm dabei das Thema Jugendpolitik ein, dem alle vier Bewerber großen Stellenwert einräumten. Die Antworten allerdings blieben dabei wie auch bei anderen Themenbereichen wenig konkret, wie am Ende denn auch von manchem Zuhörer zu vernehmen war.

Demografischer Wandel und Rückgang der Einwohner – unter diesem Aspekt wurden die Bürgermeisterkandidaten gefragt, wie sie Duderstadt attraktiver für junge Menschen gestalten würden. Lillpopp sagte, dass der Nahverkehr deutlich verbessert und eine Infrastruktur geschaffen werden müsse, die sich an junge Familien richte. Neue Konzepte beim Nahverkehr sind nach Auffassung Feikes ebenso wichtig, wie ein entsprechendes Angebot an Baugebieten. Koch nannte eine entsprechende digitale Infrastruktur als Voraussetzung dafür, um etwa junge Menschen zurück in die Dörfer zu bekommen. Und Schenke sah Grundschulen und etwa einen Bäcker oder Laden in den Ortschaften als Faktoren an, welche die Dörfer zunehmend attraktiv machten.

Ganzjähriges Schwimmangebot

Die Situation Duderstadts als Schulstandort und wie es damit weiter gehe, wurde ebenso thematisiert, wie das Thema Freizeitangebote Hallenbad. „Wir brauchen ein ganzjähriges Schwimmangebot“, betonte Koch, und Feike appellierte an die Schulen, das Schwimmsportangebot der Stadt auch zu nutzen. Alle Kandidaten versicherten auf eine Frage aus dem Zuhörerkreis, wie wichtig das Ehrenamt ist und dass dieses gefördert werden müsse. Anerkennung könnte vergünstigter Eintritt im Freibad sein, so Feike, Lillpopp schlug zum Beispiel günstigere Tickets für Feuerwehr-Angehörige im Nahverkehr vor, und Schenke hielt den Thüringer Rentengroschen für eine gute Idee. Koch meinte, dass Organisationen wie beispielsweise die Feuerwehren schon in den Schulen präsent sein sollten, um sich langfristig den Nachwuchs zu sichern.

Vier Kandidaten stellen sich den kritischen Fragen der Zuhörer

Im Themenbereich Wirtschaft und Verkehr bewegte die Zuhörer vor allem die Umgehungen im Zuge der B 247 und das Thema Fußgängerzone. Alle vier Kandidaten sprachen sich für stärkere Kontrollen in der Fußgängerzone aus. Die bestehende Satzung müsse auch umgesetzt werden, sagte Koch und attestierte Handlungsbedarf. Auch Lillpopp machte klar: „Autos haben in der Fußgängerzone nichts zu suchen.“ Schenke sah in der Vergangenheit ein „ziemlich krasses Versagen“, indem von Anfang an zu wenig kontrolliert worden sei. Feike forderte, die Fußgängerzone zwischen Rathaus und St. Servatius-Kirche komplett zuzumachen und zu „gucken, ob es funktioniert“. Für Anwohner und Lieferverkehr ließen sich Lösungen finden, meinte er.

Nach einer kurzen Pause nahm die Diskussion Fahrt auf, und es waren dann durchaus auch unterschiedliche Positionen der Kandidaten herauszuhören. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit hatten die Moderatoren gleich zur offenen Fragerunde aufgerufen. Und da wurde aus dem Publikum dann auch schon mal bei zu ausschweifenden Antworten ein entsprechender Zwischenruf laut: „Dies ist ein Dialog und kein Monolog.“

An Sachthemen orientieren

Es ging weiterhin unter anderem um Fragen wie „Was ist in den letzten Jahren in Duderstadt versäumt worden?“ oder „Wie wollen Sie als Bürgermeister mit der CDU-Mehrheit umgehen?“ „Wir haben uns an Sachthemen zu orientieren“, sagte Koch, der seit 25 Jahren CDU-Mitglied ist, „und nicht an übertriebener Parteipolitik“. Schenke ließ in seinen Statements immer mal wieder durchklingen, dass einige Anträge der SPD-Fraktion von der CDU-Mehrheit im Stadtrat abgelehnt worden seien. Er sagte auf die Frage: „70 Jahre CDU-Dominanz im Stadtrat und 30 Jahre lang ein Bürgermeister, das ist wie ein verfilzter Rasen.“ Lillpopp würde als Bürgermeister auf einen „offenen Diskurs“ setzen und versuchen mit dem Rat, den Ortsräten und auch mit den Bürgern „Kompromisse zu finden“. Feike meinte, alle verfolgten ein Ziel, nämlich die Stadt weiter nach vorne zu bringen.

Am Ende wurden die Bürgermeister-Bewerber noch gefragt, was sie sich für Duderstadt in drei, fünf und zehn Jahren wünschen. „Ein für alle lebenswertes, offenes Duderstadt, wo die politischen Verhältnisse etwas anders sind“ , antwortete Schenke, Feike wünschte sich, dass sich möglichst viele Einwohner mit einbringen, zum Beispiel in einer Bürgerinitiative oder in der Kommunalpolitik. Lillpopp sprach insbesondere die jungen Leute an: „Geht raus, redet mit der Politik und drängt in die Gremien“. Politischer Nachwuchs werde benötigt, sagte der 27-Jährige. „Es lohnt sich anzufangen.“ Koch bedauerte, dass sich vor allem so wenige Frauen für die Kommunalpolitik gewinnen ließen. Er setzte auf eine Stadt, in der die Menschen miteinander leben und die den Menschen, die schon lange hier seien und jene, die neu dazu kämen, ins Gespräch kommen.

Statements und Reaktionen

Sarah Jordan. Quelle: Eichner-Ramm

Im Anschluss an den „Bürgermeister-Check“ hatte Sarah Jordan für sich keinen Favoriten ausgemacht. Es sei sehr gut gewesen, alle vier Kandidaten im direkten Vergleich zu erleben, so die 19-Jährige, die vor einem Jahr Abi am EGD machte und gerade erst von einem einjährigen Aufenthalt in Indien zurückgekommen sei. „Ich weiß jetzt auf jeden Fall, wen ich nicht wählen werde“, lautete ihr Fazit. Gut habe sie gefunden, dass insbesondere die jungen Leute auf Möglichkeiten hingewiesen wurden, sich zu engagieren.

Dietlinde Fischer. Quelle: Eichner-Ramm

Als sie zur Veranstaltung gekommen sei, habe sie einen Favoriten gehabt. Nach der gut dreistündigen Diskussionsrunde sagte sie von diesem: „Er hat geschwächelt.“ Jetzt müsse sie sich weiter informieren, um zu entscheiden, wo sie am Ende ihr Kreuzchen setze, sagte Fischer. Als „rhetorisch sehr stark“ bezeichnete die Duderstädterin den Eindruck, den der jüngste der Kandidaten, Florian Lillpopp, gemacht habe.

Rita Magerkurth. Quelle: Eichner-Ramm

Die Briefwahlunterlagen lägen zwar schon bei ihr zuhause, doch wem sie ihre Stimme geben wird, konnte Rita Magerkurth im Anschluss an den „Kandidaten-Check“ im EGD nicht entscheiden. Keiner der vier habe sie überzeugt. „Sie haben das alle gut gemacht“, sagte die 69-Jährige, und die Diskussion sei „sehr fair“ verlaufen, doch die Antworten seien ihr zu allgemein und nicht konkret genug gewesen.

Ansgar Conradi. Quelle: Eichner-Ramm

Für Ansgar Conradi dagegen hat sich sein Favorit an diesem Abend bestätigt. „Es war gut, alle Vier in einer Runde zu hören, um sich ein Bild machen zu können“, sagte der 55-Jährige. Den Kandidaten, der für Conradi „erste Wahl“ ist, hält er für „authentisch. Er steht dazu, was er sagt.“ Conradi zollte dem 27-Jährigen Lillpopp für dessen „Mut, sich hier zu präsentieren“, Respekt.

Dennis Kasulke. Quelle: vw

Der gebürtige Duderstädter Dennis Kasulke hatte vor dem Besuch zwei Favoriten. „Jetzt habe ich nur noch einen“, sagte er. Sein nun „ausgeschiedener“ Favorit habe sich zu sehr eingemischt. Für ihn ist nun ganz klar, hinter welchen Kandidaten er sein Häkchen setzen wird. „Es steht nun unumstößlich fest“, meinte Kasulke.

Manfred Thiele. Quelle: vw

Für Manfred Thiele, den stellvertretenden Vorsitzenden der Lebenshilfe Eichsfeld, war die Veranstaltung äußerst informativ, festlegen kann er sich allerdings noch nicht. „Es war gut, alle vier Kandidaten in einer Runde zu erleben“, sagte Thiele.

Florian Lillpopp (Die Partei)

Florian Lillpopp ist 27 Jahre alt, stammt aus Tiftlingerode und bezeichnet sich auf seiner Internetseite als „ein Kind des Eichsfeldes im klassischen Sinne“. Nach Grundschulbesuch in Tiftlingerode und weiteren schulischen Stationen an der Orientierungsstufe der St.-Ursula-Schule und der Heinz-Sielmann-Realschule in Duderstadt machte er an der Fachoberschule Wirtschaft der BBS Duderstadt das Fachabitur. Es folgten drei Semester Betriebswirtschaftsstudium an der FH Nordhausen, inzwischen studiert Lillpopp in Göttingen Germanistik und Skandinavistik. Seit 2017 ist er Mitglied der Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (Die Partei), im Ortsverband Duderstadt, Gleichen Friedland ist er seither Vorsitzender. Seit Anfang 2018 vertritt er die Gruppe Linke, Piraten Partei + als stimmberechtigtes Mitglied im Jugendhilfeausschuss des Landkreises Göttingen.

Lillpopp ist im März von der Partei „Die Partei“ als Bürgermeisterkandidat nominiert worden.

Kontakt und Informationen: florianlillpopp.de und Facebook.

Thorsten Feike (FDP)

Thorsten Feike (FDP) wurde in Göttingen geboren. Nach dem Abitur an der Arnoldi-Schule in Göttingen absolvierte Feike verschiedene Ausbildungsstationen zum Bankkaufmann, Bankfachwirt sowie Bankbetriebswirt –Management. 1998 wurde er Privatkundenbetreuer bei der Volksbank Eichsfeld eG in Duderstadt, 2000 übernahm er den Posten des Filialleiters der Hauptgeschäftsstelle und seit November 2001 ist Feike Regionaldirektor der Volksbank Mitte. Der 46-Jährige ist Mitglied im Ortsrat Duderstadt sowie Ratsmitglied. Thorsten Feike ist verheiratet und hat drei Kinder im Alter von sieben, 13 und 17 Jahren. Auf seiner Internetseite schreibt Feike, er habe „sein ganzes Leben“ in der Region verbracht und engagiere sich in vielen Bereichen. Unter anderem ist Feike Vorstandsmitglied bei Treffpunkt Stadtmarketing und Hallensprecher des TV Jahn Duderstadt.

Feike ist von den Mitgliedern des FDP-Ortsverbands Altkreis Duderstadt als Kandidat ins Rennen geschickt worden.

Kontakt und Informationen: thorsten-feike.de und auf Facebook.

Matthias Schenke (SPD)

Matthias Schenke (SPD) wurde in Duderstadt geboren und wuchs in Nesselröden auf. Nach Haupt- und Handelsschule und absolvierter Laufbahnprüfung beim Bundesgrenzschutz orientierte sich Schenke eigenen Informationen auf seiner Internetseite zufolge neu. Es folgte ein Studium der Sozialpädagogik in Hildesheim, das er als Diplom-Sozialpädagoge (FH) abschloss. Nach der staatlichen Anerkennung nahm Schenke seine Tätigkeit im Sozialdienst des Gesundheitsamtes Göttingen auf. Für den Sozialpschiatrischen Dienst arbeitet er in Duderstadt. Berufsbegleitend studierte Schenke darüber hinaus in Kassel Sozialtherapie und Göttingen Rechtswissenschaften. Er schloss als Diplom-Jurist ab. Schenke ist 60 Jahre alt und lebt mit seiner Frau in Duderstadt. Er hat einen Sohn und einen Enkelsohn.

Schenke tritt mit dem Votum der Mitgliederversammlung des SPD-Stadtverbands an, dessen Vorsitzender er ist. Außerdem ist er Ratsherr in Duderstadt und Kreistagsmitglied in Göttingen.

Kontakt und Informationen: matthias-schenke.de und auf Facebook.

Stefan Koch (CDU)

Stefan Koch stammt aus der Duderstädter Ortschaft Langenhagen und arbeitete als Redakteur unter anderem im Pressestab des Bundesministeriums der Verteidigung in Bonn, und leitete neben seinem berufsbegleitenden Studium der Rechtswissenschaft an der Georg-August-Universität Göttingen im Obereichsfeld eine Lokalredaktion. Im Anschluss wechselte Koch zum Madsack-Konzern in Hannover, für den der heute 52-Jährige seit 2001 als Politikberichterstatter in Moskau und Berlin sowie für das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND ) zuletzt in Washington arbeitete. Koch hat mit seiner Lebensgefährtin einen Sohn. Politik und Heimatgeschichte seien, so schreibt der Kandidat auf seiner Internetseite, „bereits in meiner Kindheit und Jugendzeit allgegenwärtige Themen“ gewesen. Sein Vater Lothar Koch (CDU) ist seit 40 Jahren in der Kommunalpolitik aktiv und war fast 25 Jahre lang Mitglied des Niedersächsischen Landtags. Stefan Koch ist von der CDU-Mitgliederversammlung im April als Kandidaten nominiert worden.

Kontakt und Informationen: koch-duderstadt.de und auf Facebook.

Weiteres zum Thema:

Mehr zur Bürgermeisterwahl in Duderstadt gibt es auf der Tageblatt-Themenseite.

Informationen der Stadtverwaltung zum Thema Bürgermeisterwahl gibt es außerdem auf der städtischen Homepage.

Kontakt zu der Autorin:

Britta Eichner-Ramm erreichen Sie unter Telefon 05527/9499712 oder per E-Mail an b.eichner-ramm@eichsfelder-tageblatt.de.

Von Britta Eichner-Ramm

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