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Duderstadt Bürgermeisterwahl Duderstadt: Die Lager sortieren sich neu
Die Region Duderstadt Bürgermeisterwahl Duderstadt: Die Lager sortieren sich neu
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13:34 03.09.2019
Bei der Bürgermeisterwahl in Duderstadt gibt es eine Stichwahl am 15. September. Quelle: Eichner-Ramm
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Duderstadt

Die Ära Wolfgang Nolte in Duderstadt endet am 31. Oktober 2019. Doch wer ihm auf dem Chefsessel im Stadthaus nachfolgt, wird sich erst am 15. September zeigen. Die Bürgermeisterwahl am Sonntag hat keine Entscheidung ergeben. Thorsten Feike (FDP) mit 34,79 Prozent und Stefan Koch (CDU) mit 33,33 Prozent gehen am 15. September in die Stichwahl – vorausgesetzt der Gemeindewahlausschuss stellt in seiner Sitzung am Dienstag, 3. September, das Ergebnis vom Sonntag formal fest. Wer wen unterstützt, wird in diesen Tagen von den Parteien und Fraktionen in Duderstadt diskutiert.

Im Endspurt des Wahlkampfes hatte sich angedeutet, dass es keinen klaren Sieger gibt. Noch vor den Sommerferien sah das anders aus. Im CDU-dominierten Eichsfeld schien klar, dass der 52-jährige CDU-Kandidat Stefan Koch das Rennen machen wird. Knapp vielleicht, aber doch der politischen Tradition folgend.

Nichts ist unmöglich

Doch nichts ist unmöglich – auch nicht in Duderstadt. Das hat die Bürgermeisterwahl am Sonntag gezeigt. Die Bewerber der SPD, Matthias Schenke, der FDP, Thorsten Feike, und von Die Partei, Florian Lillpopp, holten auf der Zielgeraden in der Wählergunst auf. Vor allem in den zwei Wochen direkt vor der Wahl. Damit stieg nicht nur die Spannung, sondern bei manchem auch die Hoffnung auf einen politischen Wechsel.

Thorsten Feike (FDP) Quelle: r

Zum Wahlergebnis beigetragen hat unter anderem, wie sich die Kandidaten im Wahlkampf präsentiert haben. Dem 46-jährigen Feike ist es gelungen, durch seine Statements Sympathien für sich zu gewinnen. Zudem kam ihm wohl auch sein Bekanntheitsgrad in der Stadt zugute. Im Wahlkampf vertrat Feike klare inhaltliche Positionen, während Koch eher bei allgemeinen Aussagen blieb und konkrete Urteile vermissen ließ. Koch konnte rhetorisch wie inhaltlich weniger klar punkten, wie es mancher wohl von dem CDU-Kandidaten erwartet hatte.

War für den Kandidaten der Familienname Fluch oder Segen? Wohl ein bisschen von beidem. Die einen sahen Netzwerke als wichtig für die Stadt an – auch Koch selbst hat das immer wieder betont. Böse Zungen sprachen hingegen von Erbdemokratie, die ein Ende haben müsse. Koch junior hatte im Wahlkampf stets seine Eigenständigkeit hervorgehoben.

Undankbarer dritter Platz

Und Schenke? Der erfahrene Kommunalpolitiker fiel in seinem Wahlkampf unter anderem durch Sticheleien über gescheiterte SPD-Vorstöße gegen die CDU-Mehrheit im Rat der Stadt auf. Dennoch: Schenke galt als einer der aussichtsreichen Kandidaten. Und er vertrat eine klare Linie zu kommunalpolitischen Themen, räumte gar in Einzelfällen ein, seine frühere Meinung geändert zu haben. Das ist ehrlich und anzurechnen. Die Wählerstimmen brachten Schenke 27,6 Prozent ein - und damit den undankbaren dritten Platz..

Für manchen überraschend schlug sich Florian Lillpopp im Wahlkampf achtbar. Selbst wenn niemand – und vermutlich auch nicht er selbst – ernsthaft damit gerechnet hat, dass er eine Chance auf die Nolte-Nachfolge hat. Dennoch sammelte er Pluspunkte und setzte klare Themenschwerpunkte. Und er provozierte. Das reichte am vergangenen Sonntag für 4,28 Prozent.

„Wollen weiterhin fairen Wahlkampf

Stefan Koch (CDU). Quelle: Eichner-Ramm

Jetzt werden die Karten neu gemischt und CDU-Mann Koch muss gegen FDP-Kandidat Feike in der Stichwahl antreten. Wie die nächsten Tage gestaltet werden, will der FDP-Ortsverband Altkreis Duderstadt zunächst intern zusammen mit dem FDP-Kandidaten überlegen, sagt der Ortsverbandsvorsitzende Wolfgang Feike, Vater des Bürgermeisterkandidaten. Klar sei: „Wir wollen auch weiterhin einen fairen Wahlkampf“. Weiter betont der Ortsverbandsvorsitzende: „Parteidogma gibt es bei uns nicht.“ Kandidat und Fraktionsvorsitzender der FDP im Rat der Stadt, Thorsten Feike, sagt, er sei nach allen Seiten offen und gesprächsbereit.

„Themen deutlicher besetzen“

Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Andreas Diedrich, kündigt an, zusammen mit dem CDU-Kandidaten bis zur Stichwahl Themen deutlicher zu besetzen. Damit die Wähler erkennen, wo Koch stehe. Zugleich biete das die Möglichkeit, das Profil zu schärfen. Bei den anderen Parteien und Gruppierungen um Unterstützung zu werben, sei nicht Aufgabe der Fraktion, sondern der Verbände, sagt Diedrich. Nach der Wahl vom Sonntag müsse sich jeder erst einmal neu sortieren, so der Vorsitzende des CDU-Stadtverbands, Frank Germeshausen. Im Vorstand wolle man sich nun zusammen mit Koch darüber austauschen, welche Optionen sich ergeben könnten.

„Das ist eine völlig neue Lage“, sagte am Montag Jochen Mitschke, Grünen-Fraktionsvorsitzender im Rat der Stadt Duderstadt, noch unschlüssig, „wie ich mich dazu stellen soll“. Am Dienstagabend will die Fraktion beraten, ob sie einen der beiden verbliebenen Kandidaten unterstützen wird. Zuletzt hatten sich die Duderstädter Grünen mehrheitlich für Schenke ausgesprochen.

WDB berät, ob Wahlempfehlung gegeben wird

Im Gegensatz zu den Grünen hatte die Wählergemeinschaft Duderstädter Bürger (WDB) vor dem 1. September keine Wahlempfehlung abgegeben. Fraktionsvorsitzender Thomas Gerlach kommentiert das Wahlergebnis vom Sonntag mit den Worten: „Wann bietet sich im Eichsfeld schon mal die Chance, dass der Bürgermeister nicht CDU ist.“ Dennoch wollen die WDB-Mitglieder auch erst dieser Tage darüber beraten, „ob wir eine Wahlempfehlung abgeben werden“.

„Bis zur Stichwahl steht eine spannende Zeit vor uns“, so die SPD-Fraktionsvorsitzende im Duderstädter Rat der Stadt, Doris Glahn. „Jetzt gilt es nach vorne zu schauen. Kurzfristig wird der Ortsvereinsvorstand zusammen kommen, um über das Ergebnis und die weiteren nächsten Schritte zu beraten.“ Das bestätigt der am Sonntag unterlegene Kandidat der SPD und Stadtverbandsvorsitzende Matthias Schenke. Falls die SPD im Wahlkampf einen Kandidaten unterstütze, sei ihm persönlich wichtig, dass der neue Bürgermeister sich für einen „Klimawandel in der Verwaltung“ einsetze und der Umgang untereinander auch in Zukunft fair ablaufe.

Unterstützung mit Manpower

Florian Lillpopp, der für Die Partei kandidierte, hatte noch am Wahlabend seine Unterstützung für Feike angekündigt. „Mit allem was wir im Verband haben“, präzisiert Lillpopp am Montag und meint damit Manpower etwa beim Verteilen von Flyern oder am Infostand. In den vergangenen Wochen habe er die offene Art von Feike schätzen gelernt.

Kommentar zur Bürgermeisterwahl

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Weitere Berichte gibt es auf der Tageblatt-Themenseite.

Stimmen zum Ergebnis der Bürgermeisterwahl gibt es hier.

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Ein Absatz im Artikel wurde geändert (3.9.19).

Von Von Britta Eichner-Ramm

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