Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Duderstadt Diskussion über Gewalt, Drogen und psychische Erkrankungen
Die Region Duderstadt Diskussion über Gewalt, Drogen und psychische Erkrankungen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:43 13.05.2019
Streetworker aus ganz Deutschland treffen sich zu einer dreitägigen Fachtagung in Duderstadt Quelle: R
Anzeige
Duderstadt

Zu einer Fachtagung sind am Montag Streetworker aus dem gesamten Bundesgebiet in Duderstadt zusammengekommen. Dabei geht es um den Umgang etwa mit rechtsextremen, drogenabhängigen oder psychisch kranken Jugendlichen.

„Ohne Berührungsängste gehen Streetworker auf gewaltbereite, ausgegrenzte und randständige Jugendliche zu“, lobte zu Beginn der Tagung Angela Schmiel-Richter, die beim Landkreis Göttingen den Fachbereich Jugend mit seinen insgesamt 360 Mitarbeitern leitet. Streetworker zeigten bedingungslose Wertschätzung, suchten das Gespräch und machten niedrigschwellige Angebote. Für die Verwaltung seien sie „Seismografen im Sozialraum“, die frühzeitig auf Probleme aufmerksam machten.

Aufsuchende Jugendarbeit im Landkreis

Der Landkreis Göttingen startete 1992 nach einem politisch motivierten Mord das Projekt der aufsuchenden Jugendarbeit. Es war zunächst auf rechte Jugendliche in Rosdorf und Hann. Münden beschränkt. 1997 wurde das Projekt auf Rand- und Risikokgruppen im gesamten Landkreis ausgeweitet. 1999 hat der Kreistag dann feste Stellen für die Streetworker geschaffen. In der jüngeren Vergangenheit ist die aufsuchende Jugendarbeit zum Beispiel in Adelebsen aktiv geworden, als der Rockerclub der Hell's Angels dort um junge Menschen warb. Sie kümmert sich aber auch um rechte Jugendliche am südlichen Harzrand. Regelmäßig sind die Streetworker des Landkreises auch am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) in Duderstadt Ansprechpartner. mic

Um die zahlreichen Herausforderungen bei dieser Arbeit geht es während der dreitägigen Fortbildung. In diesem Jahr wird sie zum 20. Mal von der Arbeitsgemeinschaft Organisation Bundesoffenes Streetworker-Treffen (AG Obst) angeboten. Sie findet zum zweiten Mal im Duderstädter Jugendgästehaus statt. In Workshops tauschen sich die Straßensozialarbeiter untereinander aus. Experten geben Ratschläge.

Ein Thema, das die Streetworker beschäftigt, ist die mangelnde gesellschaftliche Aufmerksamkeit. „Die von uns betreuten Jugendlichen haben keine Lobby“, erklärte Streetworker Peter Kemp aus Hannover am Montag. Dabei sei jeder von ihnen ein wertvoller Mensch. Sie bräuchten Unterstützung, damit sie ihr Potenzial zum Nutzen der Gesellschaft entfalten könnten. Unternehmen, die Mitarbeiter suchten, könnten unter ihnen fündig werden.

Rechtsextreme werben um frustrierte Jugendliche

„Um frustrierte junge Menschen, die von der Gesellschaft vernachlässigt werden, werben Rechtsextreme“, warnte Philipp Rösener, einer der sechs Streetworker des Landkreises Göttingen. Die Hemmschwelle, sich solchen Gruppen anzuschließen, sinke mit dem Aufstieg der Rechtspopulisten. Rechtes Gedankengut sei „salonfähig“ geworden.

„Gewalt ist ein anderes Thema in den von uns betreuten Cliquen“, sagte Rösener. Viele junge Menschen bewaffneten sich heute mit Messern. Selbstbehauptung, Sensibilisierung bei Mobbing und Cybermobbing sowie praktische Übungen zur Gewaltvorbeugung sind daher ein Thema der Tagung. Zur Sprache kommt auch Armut. „Wohnraum ist die neue soziale Frage“, sagte der Hannoveraner Streetworker Kemp.

Crystal Meth selbst in Duderstadt

Eine „nicht enden wollende Geschichte“ sei der Konsum von Alkohol und anderen Suchtstoffen, erklärte Ines Fornaçon, die in Berlin obdachlose Jugendliche betreut. „Mittlerweile wird selbst in Duderstadt Crystal Meth eingenommen“, weiß Rösener. Verstärkt zu tun hätten die Streetworker mit psychischen Erkrankungen. Junge Menschen litten unter Depressionen, bipolaren Störungen oder der Borderline-Persönlichkeitsstörung.

An Bedeutung gewonnen hat die Arbeit mit Roma-Jugendlichen, deren Eltern vom Balkan zugezogen sind, sowie mit jungen Flüchtlingen. Sie leiden zum Teil unter Diskriminierung. „Aufgrund der Sprachbarriere ist es nicht einfach, Zugang zu diesen Gruppen zu bekommen“, beobachtet Rösener. Noch immer gebe es kaum Streetworker mit Migrationshintergrund. Am ehesten bekämen sie Kontakt zu jungen Männern, so gut wie nie zu jungen Frauen.

Gesetzliche Schweigepflicht

Die Tagung thematisiert zudem den rechtlichen Rahmen, in dem sich Streetworker bewegen. „Auf der einen Seite unterliegen wir der gesetzlichen Schweigepflicht“, erläuterte Fornaçon. Sie dürften also gegenüber Ämtern und Behörden nichts von dem sagen, was ihnen die jungen Menschen anvertrauten. Andererseits hätten sie vor Gericht kein Zeugnisverweigerungsrecht. „Darum kämpfen wir“, betonte Rösener. Zwei Rechtsanwälte referieren während der Tagung.

Von Michael Caspar

Die Camper sind auf dem Vormarsch. Die Branche boomt in ganz Deutschland, 2018 wurde ein historischer Höchststand verzeichnet. Auch in Südniedersachsen steigen die Übernachtungszahlen seit Jahren.

16.05.2019

Die Stadt Duderstadt weist auf die bevorstehende Wahl zum Europäischen Parlament am Sonntag, 26. Mai, hin. Von 8 bis 18 Uhr sind die Wahllokale geöffnet, heißt es in der offiziellen Wahlbekanntmachung.

13.05.2019
Duderstadt „Urgestein von Ottobock Duderstadt“ - 80. Geburtstag: Empfang für Ursula Grunau

Am Wochenende ist Ursula Grunau 80. Jahre alt geworden. Am Montag würdigte Ottobock-Chef Hans Georg Näder seine langjährige Mitarbeiterin und „Hüterin der Kultur der christlichen Werte“ mit einem Empfang im Max-Näder-Haus.

16.05.2019