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Duderstadt Burg Scharfenstein im Eichsfeld wird umfassend saniert
Die Region Duderstadt Burg Scharfenstein im Eichsfeld wird umfassend saniert
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20:41 06.09.2015
Die Bauarbeiten für den geplanten Aussichtturm auf Burg Scharfenstein sollen 2015 beginnen. Quelle: Architektur und Denkmalpflege Löffler
Eichsfeld

Was von den Eichsfelder Burgen heute noch zu sehen ist, unterscheidet sich sehr stark. Wurden in Seeburg zum Beispiel Ende des 20. Jahrhunderts nur die Überreste einer aus dem Hochmittelalter stammenden Niederungsburg freigelegt, beziehungsweise in Gieboldehausen 1528 auf den Resten einer zerstörten Wasserburg das heutige Schloss aufgebaut, so stehen andere noch heute weithin sichtbar oben auf ihrem Berg – wie Burg Bodenstein oberhalb von Wintzingerode und Burg Scharfenstein oberhalb von Beuren, die zurzeit die wohl interessanteste Entwicklung der Eichsfelder Gemäuer nimmt.

 
„Wer ein altes Gebäude erwirbt, erlebt Überraschungen“, sagte der Leinefelde-Worbiser Bürgermeister Gerd Reinhardt (CDU) im Frühjahr diesen Jahres. „Manchmal auch positive.“ So machten die Erfurter Architektin Anja Löffler und der Gothaer Bauhistoriker Udo Hopf auf Burg Scharfenstein eine bedeutende Entdeckung. Zum Vorschein kam der Stumpf des Bergfrieds der Burg - zehn Meter im Durchmesser mit einer Mauerstärke von 3,20 Metern. Der Baubeginn wurde auf etwa 1200 geschätzt. Doch damit nicht genug der Überraschungen. „Wir haben eine Zisterne gesucht und die Überreste eines zweiten Bergfrieds gefunden“, erklärte Reinhardt im Sommer einen weiteren Fund im Innenhof der Burg. „Dieser wurde etwa um 1250 errichtet“, ergänzt Architektin Löffler.

 
Im Schloss, der Hauptburg der Burg Scharfenstein, hat die Stadt Leinefelde-Worbis im August 2014 mit Sanierungsbauarbeiten begonnen. Nachdem in den Jahren davor Burghof mit Terrassencafé und Vorburg umfassende Sanierungsmaßnahmen erfahren hatten, sollte nun der Gewölbekeller aus dem Jahr 1590 als Veranstaltungsraum hergerichtet werden. Die Stadt als Bauherr will mit ihrem Engagement  erreichen, die in den 1960er-Jahren eingebrochene Lücke zu schließen. Hier war zu DDR-Zeiten mit roten nicht zur eigentlichen Bausubstanz passenden Steinen eine Mauer hochgezogen worden. „Hinter der Mauer entdeckten wir eine mittelalterliche Ringmauer“, berichtet Anja Löffler. Der Raum war vier bis fünf Meter hoch zugeschüttet worden. Nach der Freilegung zeigte sich den Arbeitern der Bergfried-Stumpf.

 
Der Fund brachte das Team auf eine Idee: Ein Aussichtsturm soll Besuchern den Blick in das Umland ermöglichen. „Ende Oktober oder Anfang November wollen wir Richtfest feiern“, nennt Reinhardt einen Zeitpunkt, wann der Rohbau der Aussichtsplattform stehen soll. Zurzeit suche die Stadt bereits nach Partnern für die Burg. „Es kann nicht Aufgabe einer Stadt sein, eine solch große Anlage zu betreiben“, berichtet der Bürgermeister und nennt Akademien, Gastronomie oder aber auch DAX-Unternehmen als mögliche Partner. „Für uns ist aber auch klar: Trotz Nutzung soll es auch immer öffentliche Zugangsmöglichkeiten geben.“ Immerhin biete die Aussichtsplattform einen Blick aus mehr rund 24 Metern Höhe in das Umland – 2,70 Meter oberhalb des Dachfirstes. „Von dort können Besucher bis zum Hohen Meißner schauen“, verweist er darauf, dass sogar schon von der Burgterrasse bei guter Sicht der Brocken zu sehen sei.
Interessierte Bürger können am Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 13. September, Teile der Baustelle und Funde besichtigen.

 

Von Rüdiger Franke

 

Eichsfelder Burgen: Ruinen, Reste, Restauriertes

Die Allerburg von C. Duval

Asbach-Sickenberg: Burg Altenstein (Ruine)
Birkungen: Burg Birkenstein (verschwunden)
Bockelnhagen: Burg Allerburg (Burgrest)
Bornhagen: Burg Hanstein (Ruine)
Buhla: Burg Hasenburg (Burgrest)
Deuna: Wasserburg Deuna (dient als Seniorenzentrum)
Gieboldehausen: Schloss Gieboldehausen (auf Überresten einer Wasserburg aufgebaut)
Großbodungen: Burg Großbodungen (in Privatbesitz)

Burg Bischofsstein

Großtöpfer: Burg Greifenstein (Ruine)
Haynrode: Harburg (Burgrest)
Leinefelde: Burg Scharfenstein (in Besitz der Stadt Leinefelde-Worbis)
Lengenfeld unterm Stein: Burg Bischofstein
Marth: Burg Rusteberg (Ruine)
Wachstedt: Burg Gleichenstein (in Privatbesitz)
Wintzingerode: Burg Bodenstein (dient als Familienerholungsstätte)

Burg Rusteberg bei Marth

Galerie in alter Wasserburg

Großbodungen. Die ehemalige Großbodunger Wasserburg aus dem 13.Jahrhundert ist seit 1994 im Besitz von Raban Graf von Westphalen und Gerlinde Gräfin von Westphalen. Das Ehepaar hat die Burg aufwendig saniert, wofür es 2012 mit dem Stiftungspreis der Deutschen Burgenvereinigung ausgezeichnet wurde. 1998 hatten die Besitzer in den Räumen der Burg eine Galerie eingerichtet, die aufgrund der großen Nachfrage nach kulturellen und politischen Veranstaltungen in die 200 Meter entfernte historische Kemenate verlegt wurde. Beide Gebäude sind am Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 13. September zu besichtigen. Ein Rahmenprogramm wird vorbereitet.     rf

Beeindruckende Ruine im Zweiburgenblick

Größte Ruine Mitteldeutschlands: Burg Hanstein. Foto: Dukic

Bornhagen. Als größte und wohl auch schönste Burgruine Mitteldeutschlands erhebt sich Burg Hanstein oberhalb von Bornhagen. Ihre erste urkundliche Erwähnung berichtet gleichzeitig von ihrer Zerstörung. 1070 schrieb der der Mönch Lambert von Hersfeld in sein Jahrbuch: „(Im August) ließ König Heinrich IV. des Herzoges (Otto von Nordheim) Burg Hanenstein von Grund aus zerstören.“ Doch die Burg wurde wieder aufgebaut sowie mehrfach in ihrer Geschichte erweitert und repariert. 1946 ging die Burganlage durch Enteignung in das Volkseigentum der DDR über. Diese nutzte den Nordturm als Beobachtungsturm, bis dieser 1954 dafür zu marode war. Erst 1985 begannen umfassende Sanierungsarbeiten. Heute dient die Ruine an jedem ersten Augustwochenende als beeindruckende Kulisse für ein zwei Tage dauerndes Mittelalterfest. Zu den ehemaligen Gütern der Burg zählt der Klausenhof, ein altes Wirtshaus im Ort Bornhagen, das 2014 mit dem Thüringer Tourismuspreis ausgezeichnet wurde. Mit der spätmittelalterlichen Burg Ludwigstein, einer heutigen Jugendburg bei Werleshausen auf hessischer Seite der Werra, bildet die Ruine den „Zweiburgenblick im Werratal“, den das Bundesfinanzministerium 2011 auf einer 90-Cent-Briefmarke darstellte.     rf

Reformation, Widerstand und freie Gedanken

Burg Bodenstein mit Gruselkeller, Zugbrücke und Freilichtbühne. Foto: EF

Bodenstein. Das Geschlecht von Bodenstein errichtete im Mittelalter eine Burg oberhalb von Wintzingerode. Diese verlieren den Bodenstein aber im 13. Jahrhundert an die Welfen. 1448 ist er dann allein im Besitz der Familie Wintzingerode, die 1530 beginnt, die Reformation einzuführen, weshalb auch heute noch im Gegensatz zum sonst katholischen Eichsfeld im Umkreis um die Burg die evangelische Religion vorherrscht.

 
Bis in die heutige Zeit erlebt das Gemäuer eine bewegte Geschichte. Im Dritten Reich betätigt sich Gräfin Gisela von Wintzingerode-Bodenstein im Widerstand gegen das Naziregime. 1945 wird die Burg während der Bodenreform ohne Entschädigung enteignet, doch schon zwei Jahre später der Evangelischen Kirche überschrieben. Diese bietet an diesem Ort geistigen Freiraum in der DDR. Heute zählen zur Burganlage noch immer eine Zugbrücke, ein Verlies und eine Ruine. Dazu einen Gruselkeller, einen großen Burggarten mit Terrassen und Spielplätzen, Liegewiese, Freilichtbühne. Hier hat die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland eine Familienerholungsstätte aufgebaut.

 
Darüber hinaus steht die Burg als kultureller Veranstaltungsort zur Verfügung. Unter anderem organisiert der Freundeskreis Bodensteiner Schlosskonzerte einmal im Monat ein Konzert. Am Freitag, 11. September, spielt Oliver Stechbart in der Burgkapelle auf der Bodensteiner Orgel, unterstützt von Annette Nötzoldt an der Querflöte. Die Bodensteiner Gespräche sind eine politische aber parteienunabhängige Gesprächsreihe, ebenfalls von einem Freundeskreis getragen. rf

„Blaues Wunder“ für Falken und Geier

Gleichenstein. Foto: Franke

Wachstedt. Burg Gleichenstein, früher Burg Velseck, wurde in ihrer Geschichte, die im Jahrhundert begann, mehrfach zerstört und wieder aufgebaut. Die aktuelle Bauwerk auf dem fast 460 Meter hohen Schlossberg zwischen Wachstedt und Martinfeld wurde zwei Jahre nach ihrer kompletten Zerstörung im Jahr 1650 erbaut. Der Ausblick ins Tal wird „Blaues Wunder“ genannt, weil bestimmte Lichtverhältnisse das Panorama blau färben. Ende des 20. Jahrhunderts ist die Burg vor allem durch ihre Falkenzucht bekannt geworden. Von hier werden die Greifvögel fast ausschließlich auf die arabische Halbinsel exportiert.

 
Bis vor einigen Jahren startete oberhalb des „Blauen Wunders“ immer am 15. März die beliebte Flugschau-Saison mit Falken und Geiern. Mittlerweile ist die Burg aber nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich. 2015 wurde sie zusammen mit der Falkenzucht an einen spanischen Investor verkauft. rf

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