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Duderstadt Caritas-Azubis in Duderstadt sollen Kritik üben
Die Region Duderstadt Caritas-Azubis in Duderstadt sollen Kritik üben
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00:33 27.05.2018
Frühstück mit Pflegekräften und Vorgesetzten der Caritas Duderstadt. Quelle: Christina Hinzmann
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Duderstadt

Holger Gatzenmeyer, Vorstand der Caritas Südniedersachsen, und Vorstandssprecher Ralf Regenhardt, hatten die Auszubildenden der Caritas zum gemeinsamen Frühstück eingeladen. Zunächst sprach Regenhardt seinen Dank aus, dass die Auszubildenden ganz unterschiedlichen Alters den Beruf der Altenpflege gewählt haben. Er erläuterte, dass der Personalmangel in der Altenpflege mancherorts schon Auswirkungen zeige. „Einige Pflegedienste können wegen Personalmangel keine Patienten mehr annehmen“, sagte er und fragte dabei: „Woher sollen die Leute denn kommen?“

Da Pflege auch Kommunikation bedeute, sei es keine Lösung, sich nur noch auf Fachkräfte aus dem Ausland zu verlassen. Er nannte auch die Statistik der Bundesagentur für Arbeit von 2017: Auf 100 gemeldete Stellen kämen lediglich 29 Arbeitslose, und die Stellenangebote für examinierte Altenpflegekräfte seien im Bundesdurchschnitt 171 Tage unbesetzt.

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Bessere Einteilung der Arbeitszeiten wird gewünscht

Einige Nachteile des Altenpflegeberufes nannte Umschüler und Familienvater Lars-Tido Worthmann: „Zwölf Tage am Stück zu arbeiten, ist schwierig fürs Familienleben. Sieben Tage am Stück wären etwas familienfreundlicher.“ Ein weiterer Wunsch: mehr Dienstwagen. Da zum Teil die Anfahrtszeiten recht weit sind, sei es nicht attraktiv, den eigenen Pkw für Dienstfahrten zu nutzen. Zwar stünden den Pflegegruppen Dienstwagen zur Verfügung, aber die reichten oft nicht aus, so dass doch eigene Pkw genutzt würden, meinte Worthmann. Der Beruf Altenpfleger sei für ihn allerdings eine Herzensangelegenheit: „Die Freude und Wärme, die einem entgegengebracht wird, bekommt man in keinem anderen Beruf“, sagte er. Ein Altenpfleger sei auch Ansprechpartner und Vermittler, überbringe Nachrichten, was gerade im Dorf oder in der Stadt los sei.

Azubi Tanja Esseln, ebenfalls über den zweiten Bildungsweg zur Altenpflege gekommen, bestätigte: „Ohne Empathie ist der Beruf nicht möglich. Aber wer mit Herz dabei ist, bekommt ganz viel wieder.“ Sie meinte, es sei trotz Richtlinien beim Zeitaufwand für die Pflege immer möglich, individuell zu entscheiden, ob ein Patient je nach Tagesform etwas mehr Zeit brauche. „Wir sind keine Alleinunterhalter, aber wir müssen auch spüren, wenn jemand etwas mehr Hilfe benötigt“, sagte sie.

Späteinsteiger als Botschafter für die Altenpflege

Azubi Kristin Luthardt beklagte als Mutter allerdings auch die Schwierigkeiten bei den Arbeitszeiten. „Abends und am Wochenende ist es kompliziert mit der Kinderbetreuung.“ Die 32-Jährige erklärte, dass sie mit 16 nicht reif genug gewesen sei, diesen Beruf zu wählen, doch jetzt könne sie sich nichts besseres mehr vorstellen. Gatzenmeyer griff den Faden auf und schlug gerade den Späteinsteigern in der Altenpflege vor, sich als Botschafter für einen Beruf zu verstehen und an Jüngere zu vermitteln, dass es sich lohne, für Menschen da zu sein.

Caritas-Pflegedienstleiterin Manuela Kunze Quelle: Christina Hinzmann

Pflegedienstleiterin Manuela Kunze erwähnte, dass viele junge Menschen über einen Freiwilligendienst bei der Caritas die Freude an der Arbeit mit Menschen entdeckt hätten. Sie wünsche sich auch von den Schulen eine bessere Vorbereitung der Jugendlichen auf den Berufsalltag. „Zwei Wochen Praktikum reichen nicht“, meinte sie. Von den jüngeren Anwesenden beim Azubi-Frühstück bestätigten manche, über das FSJ oder sogar über die frühe Pflege eines Angehörigen auf diese Ausbildung gestoßen zu sein.

Mehr Anerkennung für Pflegeberufe

Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, forderte Regenhardt vor allen Verantwortlichen und von der Politik, und den Beruf des Altenpflegers attraktiv zu halten und ihm eine gesellschaftliche Aufwertung zu geben. „Das fängt bei der Bezahlung an, geht über die Vereinbarkeit mit dem Familienleben bis zur Anerkennung“, so Regenhardt. Kunze bestätigte, dass bei der Caritas nach Tarif bezahlt werde, aber dafür seien auch die Pflegesätze höher als bei manchen anderen Pflegediensten. „Billiganbieter arbeiten auf Kosten der Pflegekräfte“, sagte sie und bekräftigte die Azubis darin, auch nach der Ausbildung beim zukünftigen Arbeitgeber auf tarifliche Entgeltung zu bestehen, um einen Angleich einzufordern.

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